Telekom Baskets: Silins rettet den Sieg mit der Schlusssirene

Telekom Baskets : Silins rettet den Sieg mit der Schlusssirene

Bonner Basketballer gewinnen mit 74:72 beim Aufsteiger Science City Jena. Nur die Verletzung von Konstantin Klein trübt die Stimmung.

Die Serie der Telekom Baskets Bonn hielt, aber sie hing beim Aufsteiger Science City Jena am seidenen Faden. Julius Jenkins hatte die Schere schon bereit, aber Ojars Silins rettete Sieg fünf in Folge für den Basketball-Bundesligisten mit der Schlusssirene. Nach einem fulminanten Start und einer in der Folge von Bonner Ballverlusten geprägten Partie gewann das Team von Trainer Predrag Krunic mit 74:72 (26:22, 11:14, 21:21, 16:15) und kletterte auf Tabellenplatz fünf. „Ich bin stolz auf meine Mannschaft“, sagte Krunic. „Wir haben vieles richtig gemacht, aber auch einiges falsch. Entscheidend war, dass wir gekämpft und nicht aufgegeben haben.“

Zum Duell der beiden treffsichersten Schützen der Liga zwischen Marcos Knight und dem Bonner Ryan Thompson kam es dabei nicht: Jena musste wegen einer Gehirnerschütterung auf den Spielmacher verzichten.

Zunächst punkteten nur die Bonner. Zwei schnelle Dreier von Josh Mayo, ein Korbleger von Yorman Polas Bartolo und ein krachender Dunk von Julian Gamble, der die Elektronik in der Halle kurz außer Gefecht setzte, – es waren kaum zwei Minuten gespielt und die Baskets führten gegen konsternierte Thüringer mit 10:0.

Wer stark anfängt, das ist die Gefahr, kann auch stark nachlassen. Und das machten die Bonner. Zahllose Ballverluste und eine lausige Freiwurfquote ermöglichten dem Aufsteiger, den Weg zurück ins Spiel zu finden. Und der nahm, angeführt vom überragenden Julius Jenkins, dankend an. Beim Halbzeitstand von 37:36 für die Baskets gingen bereits 19 Jenaer Punkte auf das Konto des inzwischen 35-jährigen BBL-Urgesteins – es sollten insgesamt stattliche 30 werden.

Im zweiten Durchgang verloren die Baskets nicht nur die Führung, sondern auch Konstantin Klein. Der Aufbauspieler hatte sich den Fuß umgeknickt und lag am Boden, als auch noch Jenkins auf ihn stürzte. Klein musste humpelnd in die Kabine und konnte auch nicht mehr eingesetzt werden. Der Ausfall des bissigen Verteidigers machte die Bemühungen, Jenkins' Kreise einzugrenzen, nicht gerade leichter.

Eine Schwächeperiode der Bonner ausgerechnet zum Ende des vierten Viertels ermöglichte den Hausherren einen 11:2-Lauf und eine Fünf-Punkte-Führung in der Schlussminute (69:64). Mit zwei Dreiern machte Ojars Silins daraus wieder eine Führung, auf der Gegenseite vergab ausgerechnet Jenkins zwei Freiwürfe. Aber er war noch nicht fertig mit dieser Partie. Thompson machte es besser und verwandelte zwei Freiwürfe zum 72:69 für Bonn, noch neun Sekunden zeigte die Uhr an. Jenkins konterte per schwierigem Dreier, der nach Sprung auf den Ring und kurzer Überlegung doch noch zum 72:72 fiel. Es sah nach Verlängerung aus. Aber Krunic tüftelte noch eine Auszeit lang an einem entscheidenden Spielzug, für den die Baskets 1,8 Sekunden Zeit hatten. Jena konzentrierte sich hauptsächlich auf Thompson, doch TJ DiLeo brachte den Ball zu Silins, der noch Zeit für eine Drehung und den Korbleger zum Sieg hatte. Die Unparteiischen überprüften im Video, ob der Wurf rechtzeitig gekommen war. Kurzes Warten, dann folgte der Bonner Jubel über den fünften Erfolg in Serie. „Der Trainer hat's aufgemalt – wir haben's gemacht“, erklärte der Matchwinner anschließend.

Zur Verletzung von Klein gab es am Sonntagabend noch keine konkrete Aussage. „Wir müssen das am Montag genauer untersuchen lassen“, sagte Baskets-Sportmanager Michael Wichterich. Eine ernsthafte Verletzung des deutschen Spielmachers dürfte die Chancen auf eine Vertragsverlängerung von Silins, der sicher gegen Mons (Mittwoch, 19.30 Uhr), vielleicht auch noch am kommenden Samstag in Ulm spielen wird, nicht unbedingt wahrscheinlicher machen. Der Matchwinner des Jena-Spiels war für den verletzten Kenneth Horton nachverpflichtet und mit einem Zeitvertrag ausgestattet worden. Komplett wollte Wichterich eine Vertragsverlängerung aber nicht ausschließen. „Wir sind im Gespräch“, hatte er zur Halbzeit gesagt, bekannte aber nach der Partie: „Natürlich ist das jetzt eine leicht veränderte Situation.“

Mit Flügelspieler Silins und einem zusätzlichen Spielmacher hätten die Baskets einen Ausländer zu viel im Kader. Entsprechend müsste immer einer zusehen. Das hat es in Bonn bisher nicht oft gegeben. Ausgeschlossen, so Wichterich, ist es aber nicht: „Ich habe selten gesehen, dass sich jemand in Spiel und Teamchemie so gut eingefügt hat wie Ojars.“ Silins hatte auch gestern wieder gute Argumente parat.

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