Interview mit dem Baskets-Trainer: Predrag Krunic: „Das ist meine Mannschaft“

Interview mit dem Baskets-Trainer : Predrag Krunic: „Das ist meine Mannschaft“

Trainer Predrag Krunic spricht im GA-Interview über sein kurzfristig übernommenes Team, die Telekom Baskets Bonn früher und heute sowie die Schönheit Amsterdams

Herr Krunic, waren Sie nach der überraschenden Niederlage gegen den Tabellensiebzehnten Braunschweig aufgrund der Leistung Ihrer Mannschaft sauer oder besorgt?

Krunic: Ich war einfach unzufrieden. Es war das erste Mal, dass wir auf die Anforderungen eines Spiels nicht richtig reagiert haben. Konzentration und Verteidigung waren einfach nicht gut genug.

Das klingt nach mangelnder Einstellung zu einem Gegner aus dem Tabellenkeller, kann das sein?

Krunic: So würde ich das nicht nennen. Aber dass der eine oder andere den Tabellensiebzehnten unterbewusst unterschätzt hat, und wir diesen dann stark gemacht haben – das ist möglich. Darf aber nicht sein. Man muss immer bereit sein, seinen Job zu erledigen. Physisch und mit Intensität.

Bei den Södertälje Kings in Schweden geht es am Dienstagabend um den Einzug in die nächste EuropeCup-Runde, am kommenden Dienstag steht das letzte Gruppenspiel in Belgien bei Belfius Mons-Hainaut auf dem Plan. Mit einem Sieg sind die Baskets sicher weiter. Wo ist das einfacher; in Schweden oder in Belgien?

Krunic: Wir konzentrieren uns immer auf das nächste Spiel. Und das wollen wir gewinnen. Das ist im Übrigen die beste Möglichkeit, ein Spiel wie das letzte zu verarbeiten.

Konstantin Klein fehlt mit einem Bänderriss seit Ende Oktober. Wenn er zurückkommt, wird er leider auch nicht für fünf andere Verteidigung spielen können.

Krunic: Das ist richtig. Aber er ist ein wichtiger Faktor, denn er spielt immer mit Intensität.

Was läuft denn schon gut und woran müssen Sie noch arbeiten?

Krunic: Wir sind noch nicht konstant genug. Aber das ist für eine neue Mannschaft normal. Wir müssen stabiler werden. Die Verletzungen von Ken Horton und Konstantin Klein haben das nicht einfacher gemacht.

Sprechen wir über zwei zentrale Spieler: Spielmacher Josh Mayo scheint in der BBL angekommen zu sein, Center Julian Gamble noch nicht ganz. Wie erklären Sie das?

Krunic: Beide sind neu in der Liga und haben noch nie europäisch gespielt. Josh hat mehr Erfahrung und hat schon in mehreren Ländern gespielt. Julian musste sich an das Niveau, das ein anderes ist als in Belgien, gewöhnen. Hier geht es deutlich physischer zu. In Belgien hatte er manchmal 14 Tage kein Spiel, hier sind es jetzt zum Beispiel drei in acht Tagen.

Um das Thema neuer Aufbauspieler ist es ruhiger geworden. Brauchen die Baskets noch einen weiteren Spieler?

Krunic: Ich denke, wir haben mit Ojars Silins jetzt einen neuen Spieler und damit die Ausländerquote voll. Der Ausfall von Konstantin ist momentan nicht so leicht zu kompensieren, ein zusätzlicher Guard wäre gut. Aber wenn es keinen gibt, der zu uns passt, dann brauchen wir keinen. Unter Druck stehen wir da sicher nicht.

Insofern war Ojars Silins ein Glücksfall für die Baskets?

Krunic: Ja, und die Baskets ebenso für ihn.

Wo sind Sie eigentlich gewesen, als der Anruf aus Bonn kam?

Krunic: Ich war zu Hause. Es war am späten Nachmittag.

Wer hat denn angerufen?

Krunic: Wolfgang Wiedlich.

Sie haben vermutlich zu diesem Zeitpunkt nicht mit einem Anruf aus Bonn gerechnet. Haben Sie trotzdem geahnt, was das Anliegen des Baskets-Präsidenten sein könnte?

Krunic: Nein. Zwei Tage vor Saisonbeginn rechnet niemand mit einem Trainerwechsel. Nirgendwo.

Und generell: Die Baskets haben sich 2005 von Ihnen getrennt, war ein Zurück nach Bonn für Sie immer denkbar?

Krunic: Ich habe in Bonn damals eine gute Zeit gehabt. Und ich habe hier viele Freunde. Ich denke, es ist völlig normal, dass ein guter Verein immer eine Option ist.

Sie haben aber auch immer eine spezielle Bindung nach Bonn gehabt. Ihre Frau ist Bonnerin...

Krunic: ...und unsere drei Töchter auch! Ja, ich bin oft hier. Meine Schwiegereltern leben hier, da sind wir häufig zu Besuch – und ich habe mir, wenn es passte, auch oft Spiele der Baskets angesehen.

Sie haben dann nicht lange überlegt, ob Sie die Baskets übernehmen wollen, oder?

Krunic: Nein, das Gespräch war sehr kurz, denn es war für mich überhaupt keine Frage. Wolfgang Wiedlich hat gesagt: Kannst Du morgen hier sein? Und ich habe geantwortet: Ich komme noch heute Abend. Dann habe ich mit meiner Frau gesprochen, habe zwei Stunden gepackt und saß um acht Uhr im Auto.

Wie hatte die eigentliche Wochenendplanung ausgesehen?

Krunic: Für Freitag hatte ich mir eine Karte für Vechta gegen Braunschweig besorgt, am Samstag wollte ich mir Oldenburg gegen Bayern und am Sonntag Bremerhaven gegen Tübingen ansehen.Und dann war ich am Samstag in Berlin. Ich denke, das war besser.

Wie haben Sie denn Ihr Basketball-Wissen eingepackt? Manche sammeln nur im Kopf, andere haben Bücher, einige nur ein Laptop oder Ähnliches.

Krunic: Von allem etwas. Ich bin mit zwei Taschen nach Bonn gefahren. In der einen war Garderobe, in der anderen Basketball. Die steht zu Hause immer bereit.

Davon haben Sie aber zunächst nicht viel verwendet.

Krunic: Nein. Zuerst habe ich die Mannschaft kennengelernt und kaum etwas verändert. Das war auch nicht nötig. Silvano hatte doch gute Arbeit geleistet. Vor dem Berlin-Spiel alles umzukrempeln wäre kontraproduktiv gewesen. Aber die Mannschaft war nicht komplett neu für mich; ich hatte sie schon beim Vorbereitungsturnier im Telekom Dome gesehen; gegen Istanbul und Avellino.

Ihre Familie lebt seit neun Jahren in Oldenburg. Sie waren seit 2013 in Bayreuth, Polen und beim Mitteldeutschen BC. War das nicht manchmal schwierig?

Krunic: Manchmal fehlt der Vater dann natürlich. Wenn es Probleme in der Schule gibt – wie in jeder Familie eben. All diese kleinen Dinge. Sie spielen alle drei Bassketball und fragen manchmal natürlich: Wann kommst Du mal wieder ein Spiel ansehen. Die Situation ist nicht ganz einfach. Aber meine Familie besucht mich oft.

Wann waren Sie zuletzt zu Hause?

Krunic: Sonntag vor einer Woche. Da habe ich drei Stunden Mädchenbasketball angesehen.

Sind sie dann kritisch?

Krunic: Nein, beide Spiele gewonnen. Spaß beiseite: Wenn sie mich fragen, sage ich meine Meinung. Aber sie haben einen Trainer. Und der bin nicht ich. Ich bin der Papa.

Vergleichen Sie doch einmal Bonn 2005 mit Bonn 2016.

Krunic: Bonn war und ist ein Top-Verein. Absolut. Mit der neuen Halle ist sicherlich vieles anders geworden. Die Atmosphäre ist immer noch toll, die Bedingungen sind professioneller. Ich weiß noch gut, wie wir früher vormittags in einem Drittel der Hardtberghalle zwischen dem Schulsport rechts und links trainierten. Eine Situation wie hier in Bonn gibt es nicht bei vielen Vereinen in Deutschland, sogar in Europa.

Ein großer Vorteil...

Krunic: Ja. Und dessen muss man sich auch bewusst sein. Bonn ist Kontinuität. Das sieht man an der Arbeit, den Ergebnissen und wenn man in die Geschäftsstelle kommt. Ich habe mich sehr gefreut, so viele bekannte Gesichter wiederzusehen. Sie alle haben mir in dieser nicht so leichten Situation geholfen – damit wir das Beste daraus machen können.

Hätten Sie die Mannschaft auch so zusammengestellt wie Silvano Poropat?

Krunic: Ich bin sehr zufrieden mit diesen Jungs. Das ist meine Mannschaft, mit der ich gerne arbeite. Ich habe ein sehr gutes Gefühl.

Die Bilanz war – bis Sonntag – sehr gut. Die Niederlage gegen Braunschweig gehört zu den nicht eingeplanten Ergebnissen.

Krunic: Das ist richtig. Und man muss das analysieren. Aber im Profisport muss man nach vorn blicken. Auch wenn es wie eine Phrase klingt: Das nächste Spiel ist das wichtigste.

Und das findet in Södertälje statt.

Krunic: Genau.

Waren Sie schon einmal in Schweden?

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