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Positive Ansätze bei den Telekom Baskets Bonn

Premiere für Trainer Voigt : Telekom Baskets zeigen Kämpferherz im Spiel gegen Ludwigsburg

Die Telekom Baskets Bonn beweisen im ersten Spiel unter ihrem neuen Coach Will Voigt gegen die Riesen Ludwigsburg ihr Kämpferherz. Voigt ist trotz Niederlage zufrieden.

Kurzes Durchatmen auf dem Hardtberg. Michael Wichterich saß in seinem Büro und hatte zu tun, Will Voigt saß im Flieger. Auf dem Weg nach Hause: Boise/Idaho. Der neue Trainer der Telekom Baskets Bonn hatte in seiner Heimat noch einiges zu erledigen und ein paar Sachen abzuholen, denn er war von den Philippinen mit kaum mehr als einer Zahnbürste nach Bonn gekommen, als er in der vergangenen Woche die Mission Klassenerhalt übernahm. Seinem Team hat er bis Sonntag frei gegeben.

Nach einer für die Psyche anstrengenden Hinserie und einer strammen Trainingswoche unter den neuen Gegebenheiten war es vielleicht ganz hilfreich, allen die Chance auf einen freien Kopf einzuräumen. Es ist Länderspielpause. In der Bundesliga wird bis zum 28. Februar nicht gespielt. Ausnahme: Das Karnevalsspiel der Telekom Baskets gegen die Giessen 46ers (Samstag, 22. Februar, 20.30 Uhr). Es wird der zweite Versuch unter Voigt sein, Punkte gegen den Abstieg zu hamstern. Beinahe wäre das auch bei seiner Premiere gelungen. „Aber wenn deine beiden besten Schützen einen von 16 Dreierversuchen erfolgreich abschließen, ist es schwer, ein Spiel zu gewinnen“, analysierte Baskets-Sportmanager Wichterich nach der 77:83 (22:21, 10:22, 25:18, 20:22)-Niederlage gegen die MHP Riesen Ludwigsburg. Unzufrieden war er nicht – obwohl der Sieg noch fünf Minuten vor Schluss im Bereich des Möglichen gewesen war. Alec Brown hatte die irgendwann im zweiten Viertel verloren gegangene Bonner Führung zurückerobert (67:66).

„Es war ein schwieriges Spiel für uns“, erklärte Riesen-Cheftrainer John Patrick, „wir wussten ja überhaupt nicht, was Bonn unter dem neuen Trainer machen würde“. Die Kombination aus dieser Überraschung und einer hohen Intensität, wie sie die Baskets-Fans selten in dieser Saison gesehen hatten, stellte die Gäste vor Schwierigkeiten. Aber Ludwigsburg justierte ein wenig nach und konfrontierte die Baskets mit dem Selbstverständnis eines Tabellenzweiten, der sich nach der Überrumpelung schnell wieder fing und sein Spiel aufzog – und mit Nick Weiler-Babb. Wie schon im Hinspiel bekamen die Baskets den Shooting Guard nicht in den Griff. Dazu kam die Bonner Flaute aus der Distanz, die ein Loch in den bis dahin ausgeglichenen Spielstand riss. Doch dann, nach der Halbzeit (32:43), ergaben sich die positiven Erkenntnisse für die Baskets und ihren Kampf um den Klassenerhalt.

Baskets zeigen Kämpferherz

„Man hat in einigen Bereichen gesehen, dass sich etwas geändert hat“, fand Wichterich. „Angefangen von der Einsatzbereitschaft. Es ist lange her, dass wir vier, fünf, sechs verlorene Bälle zurückerobert haben. Bei dem Widerstand, der uns im zweiten Viertel entgegenschlug, haben wir uns kurz angestellt wie in den vergangenen Wochen, aber wir haben uns zurückgekämpft.“ Der Trainer hatte in der Halbzeit den richtigen Ton getroffen und seinem Team die richtigen Werkzeuge an die Hand gegeben. Das wirkte. So, wie seine Auszeiten.

Noch während er seine Pausenansprache in der Kabine hielt, hatte Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich die Mannschaft im Magenta-Sport-Interview heftig kritisiert: „Wir brauchten in unserer Situation einen neutralen Impuls von außen. Das Team ist problematisch. Das muss man so sehen. Sobald der Gegenwind stärker wird, lassen wir schnell die Flügel hängen. Ich vermisse zurzeit Charakter.“ Das war deutlich. Dennoch blieb er optimistisch: „Wir sehen der Gefahr ernsthaft ins Auge. Jetzt zählen wir Siege wie Erbsen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen“, sagte er. Was dann folgte, bestätigte seinen Optimismus.

Nach einem 14-Punkte-Rückstand arbeiteten sich die Baskets mit Kämpferherz, angeführt vom starken Martin Breunig, wieder heran und führten fünf Minuten vor Schluss sogar mit 67:66. Aber hier spielte der Tabellenzweite gegen den 16. Und der Tabellenzweite steht nicht ohne Grund so weit oben im Tableau der Bundesliga. Hätten allerdings die Bonner Scharfschützen statt insgesamt einem Dreier jeder einen mehr getroffen – die Partie wäre zumindest in die Verlängerung gegangen. Das nur als Theorie.

„Ich bin stolz auf den kämpferischen Einsatz“, erklärte Voigt nach dem Spiel. „Wir haben uns in der zweiten Halbzeit zurück ins Spiel gekämpft. Wir haben das Spiel gegen einen sehr starken Gegner knapp gestaltet, das ist ein gutes Zeichen.“ Vielleicht machte das noch größere Kompliment sogar John Patrick, der Trainer einer Mannschaft mit exzellenten Individualisten: „Bonn hat sich als bessere Mannschaft präsentiert, aber am Ende konnten wir durch wichtige Minuten von Ariel Hukporti und Treffer von Nick Weiler-Babb den schwierigen Sieg holen.“

Die blanken Zahlen ließen die Bonner dann doch die Halle mit hängenden Köpfen verlassen. Nicht nur die auf der eigenen Anzeigetafel. Zeitgleich hatte der Tabellenletzte Mitteldeutscher BC einen Überraschungssieg gegen Rasta Vechta gelandet und nach Siegen zu den Baskets aufgeschlossen, die nur aufgrund einer Partie weniger auf dem Konto weiter Vorletzter bleiben – mit drei Siegen. Wie Hamburg vor ihnen und der MBC dahinter. Insgesamt dürften alle die kurze Verschnaufpause aber mit einem etwas besseren Gefühl angetreten haben. „Wir haben den Hebel nicht komplett umgelegt“, formulierte es Wichterich, „aber wir haben ihn in die richtige Richtung bewegt.“