Telekom Baskets Bonn: Mickey McConnell hätte ebenso gut Baseballer werden können

Telekom Baskets Bonn : Mickey McConnell hätte ebenso gut Baseballer werden können

Großvater Basketballer, Vater Basketballer, da konnte der kleine Richard Barton McConnell doch nur Basketballer werden. Nicht ganz.

Der Neuzugang der Telekom Baskets erinnert sich zwar sehr präzise, seit wann er Basketball spielt: "Schon immer." Aber da war auch lange dieser kleine weiße Ball, der mit dem dicken orangefarbenen Kollegen konkurrierte.

Ein bisschen länger noch als der Basketball begleitet McConnell sein Spitzname "Mickey". Richard und Barton sind die Namen seiner Großväter, er hat sie bekommen, aber nie gebraucht.

"Alle sagen schon immer Mickey. Eigentlich sollte ich auch richtig Mickey heißen", sagt die neue Bonner Nummer 4 und neigt den Kopf, als sei er immer noch verwundert, warum er nicht gleich den richtigen Namen bekam. Mickey ist eine Hommage an den New-York-Yankees-Baseball-Allstar Mickey Mantle. Kleiner weißer Ball.

Mickey McConnell hätte auch professioneller Baseballer werden können. Er spielt beides gut und gerne. Aber vor dem College entschied er sich für Basketball. "Dafür gab es volle Stipendien, für Baseball nicht", sagt er und fügt an: "Ich mag das Tempo beim Basketball. Und das Adrenalin."

Die eingeschlagene Richtung führt also zum Korb. 2011 draften ihn die LA Dodgers, wählen ihn also nach dem amerikanischen Verfahren der Talente-Verteilung für ihr Profi-Team aus. Das Betätigungsfeld der Dodgers ist nicht Basketball, sondern Baseball. Dabei hat er das vier Jahre lang nicht gespielt. Er ist selbst verwundert und ein ESPN-Journalist steigt in seinen Artikel über McConnell ein: "Manche Jungs haben einfach das komplette Talent. Das ist nicht fair."

McConnell bleibt dennoch beim Basketball und unterschreibt in der zweiten italienischen Liga, wo er zwei Jahre spielt. Vor einem Jahr erhält er einen Vertrag bei den Dallas Mavericks, schafft es aber knapp nicht in den Kader für die Saison. "Dirk Nowitzki hat den besten Wurf, den ich je gesehen habe", sagt er über den deutschen Mavs-Superstar. McConnell spielte ein Jahr in der D-League bei den Texas Legends.

In der Summer League in Las Vegas, dem großen Vorspielen ambitionierter Basketballer, fällt er Baskets-Sportmanager Michael Wichterich auf. Und jetzt ist er in Bonn, als Ergänzung zu Eugene Lawrence auf der Spielmacher-Position. "Er passt super zu uns. Ein toller Typ. Ruhig, nett, höflich", sagt Baskets-Headcoach Mathias Fischer. "Auf dem Feld ist er mit und ohne Ball sehr schnell, mit einem guten Auge für die Mitspieler und einem hohen Basketball-IQ ausgestattet."

Andrej Mangold und Ryan Brooks haben sich seiner angenommen und ihm schon ein bisschen was von Bonn gezeigt. "Was ich bisher gesehen habe von Bonn, gefällt mir. Nicht nur die tolle Halle. Die anderen haben mir erzählt, dass es großartig ist, vor unseren Fans zu spielen.

Ich habe auch schon ein bisschen von der Stadt gesehen. Und es ist sehr grün hier", sagt der Mann aus Mesa im kargen Arizona, als der Wagen, der ihn zum Überraschungs-Fototermin bringt, in die Rheinaue abbiegt. "Aber viel Zeit für Erkundungstouren ist ja im Moment nicht", sagt McConnell im Hinblick auf den straffen Vorbereitungsplan.

Die Rheinaue, die ehemalige amerikanische Siedlung und das Baseball-Stadion der Bonn Capitals kennt er jetzt auch. Dort erwartet ihn der Spielertrainer des Bonner Bundesligisten, BJ Roper-Hubbert. Die beiden werfen ein paar Bälle, fachsimpeln über Trikotnummern, wer sie berühmt gemacht hat. Und machen - wie sollte es anders sein - Witze übers Abwerben des Beinahe-Profi-Baseballers.