Start-up von Baskets-Spieler: Mangold will mit "Das Kaugummi" den deutschen Markt erobern

Start-up von Baskets-Spieler : Mangold will mit "Das Kaugummi" den deutschen Markt erobern

Andrej Mangold und Kaugummi, das passt - mag sich nicht nur mancher Gegenspieler denken, dem der Verteidigungsspezialist der Telekom Baskets schon einmal am Schuh geklebt hat. Der Basketball-Profi setzt schon seit einiger Zeit auf ein zweites Standbein, vor allem, weil er sich den Blick "über den Tellerrand hinaus" bewahren will, wie er sagt.

"Nur Basketball ist mir zu wenig", erklärt der 28-Jährige, der nebenher manchmal auch für die Agentur seiner Freundin Pauline "modeldistrict" modelt und seit einigen Jahren zu den Initiatoren der inzwischen größten Bonner In-Party-Reihe "Casual Friday" gehört. Da sich das wiederum mit dem Leben als Profi-Sportler und dessen Rhythmus nur bedingt verträgt, hat Mangold dort einen Schritt in den Hintergrund gemacht.

Jetzt also: Kaugummi. Ingo Hofmann aus Gießen, ein Freund Mangolds aus der frühen Basketball-Phase und Gründer einer Salatbar-Kette, war auf der Suche nach einer neuen Idee. "Er ist gezielt losgezogen", sagt Mangold, "hat die Augen offen gehalten, wo er Potenzial findet." An der Supermarkt-Kasse kam ihm die zündende Idee. Kaugummi. "Er rief mich an und fragte, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich konnte. Und seit dem haben wir aus einer Idee 'Das Kaugummi' gemacht." Etwa zwei Jahre hat das gedauert.

Natürlich musste Mangold seinen Hauptarbeitgeber, die Telekom Baskets, um Erlaubnis fragen, ehe er die GmbH mit Firmensitz in Gießen gründete. "Ich bin froh, dass mir die Baskets das Vertrauen entgegenbringen, dass ich damit verantwortungsvoll umgehe und der Sport nicht darunter leidet." Und dann rechnet er vor: "Von den 24 Stunden des Tages schlafe ich acht. Vier bis sechs Stunden trainieren wir. Da bleiben noch zehn Stunden, die man sinnvoll nutzen kann. Und ob man dann studiert, wie es manche Basketballer machen, oder sich um sein Unternehmen kümmert und telefoniert oder am PC sitzt", fragt er und zuckt die Schultern, "man muss auch die Zeit nach der aktiven Laufbahn als Profi-Sportler im Blick haben. Ich bin den Baskets wirklich dankbar, dass sie mir da keine Steine in den Weg legen."

Wie Steine im Weg kamen Mangold und seinen beiden Geschäftspartnern eher die behördlichen Richtlinien und Voraussetzungen für die Firmengründung vor. "Mir war schon klar, dass man für eine Finanzierung einen Businessplan benötigt. Aber wenn man so etwas nie zuvor gemacht hat, sind die 100 Seiten wie ein kleiner Studienabschluss."

Sie suchten einen Produzenten, was gar nicht so einfach war, weil Kaugummi-Produzenten weltweit rar gesät sind. Sie suchten nach Herstellern für die Tütchen, genannt Pocket-Bags (da sie in jede Tasche passen), und nach demjenigen, der die Kartons für die ebenfalls erhältlichen Großpackungen liefert. Alles musste koordiniert werden, jeder Produktionsschritt abgestimmt. Seine Mannschaftskollegen witzelten zwischenzeitlich, dass sein Telefon am Ohr angewachsen sei. Vom Firmensitz in Gießen aus wird alles gesteuert, den Rest wie Lagerung und Versand erledigt ein Logistikpartner in der Nähe von Frankfurt.

Die Jungunternehmer testeten den Geschmack selbst und ließen andere in langen Testreihen probieren. So lange, bis sie zufrieden waren. Der Name - puristisch. Die Sorten - extravagant. "Das Kaugummi" gibt es in den Sorten Orange-Ingwer, Zitrone-Basilikum und Holunderblüte-Minze. Die Päckchen passen zum Namen. Schmales Design, reduziert gezeichnete Aromaten, farbig, aber nicht bunt - man konzentriert sich auf das Wesentliche und die Qualität. Was noch fehlt: die Aufschrift "The German Gum". Als Mangold aus seinem englischsprachigen Basketballer-Umfeld den Hinweis erhielt, dass der internationale Zusatz doch hilfreich für die Eroberung des Marktes, auf dem im Prinzip nur "Global Player" unterwegs sind, sein könnte, waren die ersten weißen Tütchen schon fertiggestellt. Bei der nächsten Charge soll sich das ändern. Dafür steht die Bitte, den Müll umweltbewusst zu entsorgen, gleich neben dem Markennamen auf der Vorderseite." Ungewöhnlich. "Das war uns wichtig", sagt Mangold. Genauso wie die praktische Handhabung der Pocket-Bags.

"Wir haben teureres Material genommen, das man verschließend umknicken kann. Wenn Dir die Kaugummis durch die Tasche fliegen, das nervt." Elf Dragees sind in einem der Tütchen. Man kann sie auf www.DasKaugummi.de bestellen und in ausgewählten Geschäften kaufen. Auch die findet man auf der Homepage. Das war übrigens ebenfalls eine Schwierigkeit. "Die passende Domain beziehungsweise Social-Media-Kanäle zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Gerade bei einem so simplen Namen haben meist clevere Leute längst zugeschlagen und die Namen blockiert, obwohl sie sie gar nicht brauchen, in der Hoffnung, dass irgendwann jemand kommt und sie ihnen abkauft", sagt Mangold, der überraschenderweise alle drei Sorten gleich gerne mag.

Auch für ihre Slogans zeichnen die jungen Unternehmer selbst verantwortlich: "Wir machen die Kaugummi-Marke, die wir selbst gerne gekauft und gekaut hätten, die es aber nicht gab", sagen sie. Augenzwinkerndes Werbe-Motto: "Wahrscheinlich verändert es nicht Dein Leben - schmeckt aber gut!" Damit wollen die jungen Kaugummi-Verkäufer irgendwann in die Spitzengruppe der Branche. Im ersten Jahr ist das Ziel, 15 Tonnen der Dragees zu verkaufen - etwa eine Million Pocket-Bags.

Mehr von GA BONN