Telekom Baskets: Machtkampf der Verbände

Telekom Baskets : Machtkampf der Verbände

Seit 15 Jahren läuft zwischen der Euroleague und der Europasektion des Weltverbandes Fiba, der zuletzt an Schärfe zugenommen hat. Es geht um die europäischen Wettbewerbe der Basketballer.

Auf die Teilnahme an 20 Spielzeiten der Basketball-Bundesliga können die Telekom Baskets Bonn zurückblicken. Um europäische Ehren spielten sie bisher 17 Mal. Nur in der Aufstiegssaison sowie 2006/2007 und 2007/2008 waren sie in keinem europäischen Wettbewerb vertreten. Auch nach der verkorksten vergangenen Bundesligasaison hatten die Bonner keine sportliche Qualifikation für Europa. Trotzdem spielen sie in der nächsten Saison international. Der Weltverband Fiba führte 2015 den Europe Cup ein und schiebt nun mit der Champions League einen weiteren Wettbewerb nach. Dadurch wurde für die Baskets im Europe Cup ein Platz frei.

In seiner Dreiergruppe bekommt Bonn es mit Belfius Mons Hainaut (Belgien) und dem schwedischen Meister Södertälje Kings zu tun. Und wie sehen die europäischen Ambitionen der Baskets diesmal aus? „Groß. Vielleicht gelingt uns diesmal eine Überraschung, der Ehrgeiz im Team stimmt jedenfalls“, sagt Präsident Wolfgang Wiedlich. Sein Club hatte sogar noch eine „Last-Minute-Einladung für den Eurocup“, sagt er, „aber wir wollten die einmal mit der BBL vereinbarte Linie nicht verlassen. Es kommt in den nächsten Monaten stark auf den inneren Zusammenhalt der BBL-Clubs in der europäischen Frage an“.

Damit spielt Wiedlich auf den inzwischen seit 15 Jahren andauernden Machtkampf an, der zuletzt wieder deutlich an Schärfe zugenommen hat: zwischen der Euroleague und der Europasektion des Weltverbandes Fiba. Die privatwirtschaftlich organisierte Euroleague, die unter dem Dach der Vereinigung der europäischen Basketball-Ligen (Uleb) zu Hause ist, veranstaltet auch den Eurocup, während die verbandsorientierte Fiba als Konkurrenzveranstaltungen den Europe Cup und jetzt eben Champions League eingeführt hat. Beide Organisationen kämpfen mit harten Bandagen um die Gunst der Clubs.

"Den Schaden hat der Basketball"

Bisheriger Höhepunkt: Die Fiba wollte die Nationalmannschaften aller Verbände, die ihre Clubs bei der Konkurrenz starten lassen, für Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympische Sommerspiele sperren lassen. Daraufhin erwirkte die Euroleague vor dem Landgericht München eine Einstweilige Verfügung, die diesen Ausschluss als nicht rechtens einstufte. Inzwischen stehen die Zeichen auf Kooperation, aber niemand will vorhersagen, wie es weitergeht. „Dieses ganze Hickhack kann man keinem Fan erklären. Den Schaden hat der Basketball“, sagte Wiedlich.

Den Schaden haben auch die europäischen Ligen, wenn die Euroleague zur Saison 2017/2018 ihre Pläne umsetzt, die Clubs in einer 16-er-Liga jeder gegen jeden antreten zu lassen und die Spiele auf die Wochenenden zu legen. Wiedlich: „Das torpediert zunehmend unseren kompletten Spielplan. Hinzu sollen weitere Zeitfenster für die Nationalteams mitten in der Saison kommen.“

Die Euroleague hat vor allem kommerzielle Interessen. Das Sagen haben dort die vier türkischen Spitzenclubs aus Istanbul. Sportlich qualifiziert haben sie sich dafür nicht. Sie sind wie sieben weitere Vereine über Jahre gesetzt. Deutschland hat einen Platz, der derzeit von Meister Bamberg besetzt wird. „Es gibt halt viele Länder, in denen ist die nationale Liga nicht so stark ist wie die BBL. Dort ziehen vor allem Euroleague-Spiele Zuschauer, während hierzulande für jeden BBL-Club die Spiele um die nationale Meisterschaft das Brot-und-Buttergeschäft sind“, erklärt Wiedlich.

Die europäischen Ligen müssten sich wieder übersichtlicher und vor allem gerechter aufstellen. „Die sportliche Qualifikation muss im Vordergrund stehen“, so Wiedlich, „und nicht etwa Etathöhe, die Distanz zu einem Flughafen, die Garantie eines TV-Senders für eine Übertragung und was es sonst noch alles eine Rolle spielt.“ Der gegenwärtige Wildwuchs mache weder Clubs noch Fans froh. Wiedlich: „Aber ich vermute, das ist alles zu idealistisch oder traditionalistisch gedacht. Die Kommerzialisierung wird weiter fortschreiten.“