Telekom Baskets im GA-Interview: Kapitän Benas Veikalas: "Es ist Zeit für die Revanche"

Telekom Baskets im GA-Interview : Kapitän Benas Veikalas: "Es ist Zeit für die Revanche"

Am Samstag beginnen für die Telekom Baskets die Play-offs. Zum Auftakt der Viertelfinalserie treten sie bei den EWE Baskets Oldenburg an. Mit Baskets-Kapitän Benas Veikalas sprach Tanja Schneider.

Stimmt es, dass man Litauer nachts wecken kann, damit sie Freiwürfe oder Dreier werfen und sie treffen alle?
Benas Veikalas: Selbstverständlich. Wir haben da schließlich einen Ruf zu verteidigen.

Diese sicheren Würfe sind Teil der litauischen Basketball-Schule. Wie sah Ihre Ausbildung aus?
Veikalas: Ich habe früh angefangen. In der ersten Klasse. Und mein Vater war mein Trainer - das war er, bis ich dann in die USA gegangen bin. Litauer sind, wie schon gesagt, als gute Schützen bekannt. Und mit Werfen verbringen wir auch die meiste Zeit und feilen an unserer Technik.

Wieviel Zeit haben Sie täglich mit Basketball verbracht?
Veikalas: Ich komme aus Joniskis, einer kleinen litauischen Stadt. Entweder machte man da Sport, oder man hing auf der Straße rum. Aber das wollte ich nicht. Ich wollte mit Freunden zusammen sein und hatte einfach Spaß am Basketball. Ich spielte eigentlich immer, und vieles - wie die Technik - kam dann auch ganz von selbst.

Haben Sie auch andere Sportarten getrieben, bis die Entscheidung für den Basketball fiel?
Veikalas: Sämtliche. Fußball, Tischtennis, Leichtathletik. Aber Basketball mochte ich am meisten. Mein Vater hatte den Hallenschlüssel und so kamen die Jungs immer zu mir und sagten: Los, lass uns ein paar Körbe werfen gehen.

Wann haben Sie angefangen, von einer Profi-Karriere zu träumen?
Veikalas: Ein bisschen schon als Kind, aber richtig dann erst bei den ersten Olympischen Spielen nach der Unabhängigkeit Litauens. Das war Barcelona 1992. Es war das erste Mal, dass ich die wirklich guten Basketballer im Fernsehen sah. Und das Team spielte für Litauen, nicht für die Sowjetunion. Wie sie spielten und alles gaben für ihr Land - das war mir eine echte Motivation.

Und wann haben Sie realisiert, dass es tatsächlich etwas werden kann?
Veikalas: Mein Vater hat immer gesagt: Arbeite hart, gib Dein Bestes und versuch, in die USA zu kommen. Da bekommst Du eine Ausbildung und kannst Basketball spielen und dann sieh, was passiert. Das habe ich versucht zu beherzigen. Es war nicht immer einfach so weit weg von zu Hause. Und im College habe ich auch nicht so viel gespielt, aber ich bin froh, dass ich am Ball geblieben bin und die Chance letztlich genutzt habe.

Sprachen Sie Englisch, als Sie nach Colorado kamen?
Veikalas: Ein bisschen. Wir müssen in der Schule wählen zwischen Englisch und Russisch. Klar habe ich Englisch gewählt. Aber mein erstes Jahr in den Staaten war echt hart. Es ist nicht das gleiche Englisch und alle reden verdammt schnell.

Sie haben Ihre Frau Stacey in Denver kennengelernt...
Veikalas: Ich bin ihr im Prinzip vors Auto gelaufen. Ich hatte mit meiner Mannschaft in einer Bar gefeiert und auf der Straße kam sie mit ihrem Cabrio und hörte ziemlich laut Anastacia. Wir Jungs haben das Auto angehalten und gesagt, dass wir sie nicht weiterfahren lassen, ehe sie sich einen von uns ausgesucht hat. Ich war der Glückliche.

Hübsche Geschichte...
Veikalas: Ja. So war das. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich nach dem College Basketball-Profi werden und sie mit nach Europa nehmen will. Hat alles funktioniert...

Manche sagen, Sie seien inzwischen halb Litauer und halb Amerikaner, ist da was dran?
Veikalas: Unser Co-Trainer Carsten Pohl behauptet, ich sei halb Deutscher, weil ich schon so lange hier bin. Ich weiß nicht. Ich versuche nur, von überall, wo ich bin, etwas über Land und Kultur zu lernen und das Beste mitzunehmen.

Und was bleibt immer litauisch?
Veikalas: Die Liebe zum Basketball, der Stolz auf mein Land und früh aufzustehen, um etwas zu erreichen.

Sie, Steve Wachaslski und Florian Koch haben noch für ein weiteres Jahr geltende Verträge in Bonn. Ist die Entscheidung, hierher zu kommen, immer noch eine gute?
Veikalas: Ja. 100 Prozent. Sie war gut für mich und meine Familie. Ich mag mein Team und die Atmosphäre hier in Bonn sehr - besonders dieses Jahr. Wir haben ein großartiges Coaching-Team und großartige Mitspieler. Es ist ein echtes Geschenk, dass wir uns nicht nur bei der Arbeit gut verstehen, sondern auch vor und nach Training und Spiel und in der Freizeit.

Stimmt es, dass die Bonner Fans die Entscheidung, hierher zu kommen, beeinflusst haben?
Veikalas: Wir kannten uns in Tschechien schon ein bisschen aus und ein Wechsel innerhalb des Landes wäre einfacher gewesen. Aber jeder Spieler träumt doch davon, vor vollen Hallen und lauten Fans zu spielen. Also habe ich Stacey das Video von unserem Spiel mit Prostejov in Bonn gezeigt, das mich sehr beeindruckt hatte - ich glaube, die Farbe Magenta hat sie überzeugt... Außerdem sind die Telekom Baskets ein besonderer Verein.

Können Sie diese Saison mit den beiden vorherigen vergleichen?
Veikalas: Ich denke, jede Saison hat Positives und Negatives, plus und minus. Die erste Saison war eine sehr gute, obwohl wir einige Verletzungen und auch ein paar schlechte Spiele hatten. Aber insgesamt war es sehr gut für eine neu zusammengestellte Mannschaft. Wir haben uns in den Play-offs gegen Bamberg gut geschlagen. Und es war für mich toll, mit Simons Serapinas einen Litauer im Team zu haben.

Und im letzten Jahr?
Veikalas: Der Start war frustrierend. Es passte einfach nicht zusammen, wir hatten, sagen wir mal: Probleme. Wir haben irgendwann einen Weg gefunden und die Kurve gekriegt, haben es doch noch in die Play-offs geschafft und sind da mit etwas Pech ausgeschieden.

Wie sieht es aktuell aus?
Veikalas: Das ist bei Weitem meine beste Saison - persönlich und was das Team betrifft. Ich freue mich auf die Play-offs und bin froh, dass es jetzt endlich losgeht.

Die Saison ist geprägt von einem Einschnitt. Mit Jared Jordan ist der zentrale Spieler nach Bamberg gegangen. Das Team hat Solidarität demonstriert und Verständnis für diesen Schritt geäußert. War da wirklich niemand sauer, die Saison drohte doch zum Desaster zu werden...
Veikalas: Jeder hat da seine eigene Meinung. Jared hatte die Chance, und er hat seine Entscheidung getroffen. Als Freund und Mannschaftskamerad verstehst du das. Wie auch immer. Wir haben ihn unterstützt, weil er ein Freund und ein guter Typ ist. Ich habe aber auch nie gefürchtet, dass die Saison ohne ihn ein Desaster wird.

Woher kam diese Sicherheit?
Veikalas: Wir haben eine großartige Mannschaft - ich übertreibe da nicht - und Jareds Weggang hat uns nur noch näher zusammen gebracht. Es ist unser Team und unsere Wahl, was wir aus der Situation machen. Und mit Geno Lawrence ist dann genau der richtige Mann dazugekommen. Viele waren überrascht, wie wir aus der Situation herausgekommen sind - wir nicht.

Ist deshalb der fünfte Platz herausgesprungen, oder wäre es mit Jared Jordan in der Tabelle noch weiter nach oben gegangen?
Veikalas: Das weiß man nie. Tony, Jared und ich haben im Januar im GA-Allstar-Day-Interview noch gesagt, dass wir nicht einfach nur in die Play-offs wollen. Jetzt haben wir einen wirklich guten Job gemacht und sind Fünfter. Verglichen mit den anderen Teams wäre es wohl nicht viel weiter nach oben gegangen.

Wie war das, als klar war, dass Geno Lawrence kommt?
Veikalas: Ich habe mich sehr gefreut - für mich und das Team, denn er ist ein netter Kerl und ein 1-A-Pointguard. Ich habe mit den Trainern über ihn und meine Erfahrungen gesprochen und von da an gebetet, dass sie sich für ihn entscheiden.

Warum passt er so gut?
Veikalas: Weil er sich anpassen kann und nicht egoistisch ist. Niemand in dieser Mannschaft guckt nur auf sich selbst und spielt für seine Statistik. Seine Persönlichkeit passt zu uns. Er will uns helfen und er will gewinnen. Er ist mehr Indianer als Häuptling.

Nach Jareds Weggang wurden Sie Team-Kapitän. Gewählt oder Entscheidung des Trainers?
Veikalas: Entscheidung des Trainers.

Sie sind ein eher zurückhaltender Mensch. Hätten Sie sich für den Job beworben?
Veikalas: Würde das jemand tun?

Kein guter Job?
Veikalas: Wenn der Trainer das entscheidet, sag ich ja. Jetzt bin ich auch ein bisschen stolz und versuche, einen guten Job zu machen.

Der litauische Wurf war einer der Gründe, warum die Saison für die Baskets so gut begann. Irgendwann ist er verloren gegangen. Wie gehen Sie mit einer solchen Situation um?
Veikalas: Ich habe keine Ahnung, wo er war. Aber die Mitspieler muntern mich immer wieder auf und sagen "wirf weiter, der kommt irgendwann zurück". Das bedeutet mir viel. Man darf den Kopf nicht hängen lassen - und irgendwann ist der Wurf wieder da.

Rechtzeitig zu den Play-offs. Genauso wie die Top-Form des Teams. Was erwarten Sie von der Serie gegen Oldenburg?
Veikalas: Wir wollen sie schlagen. Mit dem letzten Jahr im Hinterkopf und der Art, wie sie uns rausgeworfen haben, ist es Zeit für eine Revanche. Wir haben sie zweimal geschlagen in der Hauptrunde und wir werden vorbereitet sein. Es wird nicht leicht - für beide Teams. Ich freu mich drauf, Oldenburg ist der Gegner, den wir haben wollten. Und jetzt werden wir unser Bestes geben.

Ist Geno Lawrence ein Vorteil? Er und sein Spiel sind unbekannter als Jared Jordan, den Oldenburg schon tausendfach studiert hat.
Veikalas: Ich glaube schon. Außerdem werden uns sein Körperbau und seine Athletik gegen die kleinen Guards sehr helfen.

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass der Käpt'n nach dem Finalsieg die Trophäe überreicht bekommt?
Veikalas: Nein. So weit habe ich noch nicht gedacht. Hm, das wäre großartig. Aber, nein, daran habe ich wirklich noch nicht gedacht.

Zur Person

Benas Veikalas wurde am 24. September 1983 in Joniskis geboren. Der 1,92 Meter große Litauer studierte am Metro State College in Denver International Business Management. In Denver lernte er auch seine Frau Stacey kennen. Über die Stationen Nevezis Kedainiai (Litauen) und BK Prostejov (Tschechien) kam er 2011 nach Bonn, wo er mit Stacey, den Söhnen Tony und Vincent sowie Schäferhund Duke auf dem Brüser Berg wohnt. Sein Vertrag läuft noch bis zum Ende der nächsten Spielzeit.