Telekom Baskets: Für die Baskets beginnt das große Zittern

Telekom Baskets : Für die Baskets beginnt das große Zittern

Die überraschende 66:78-Niederlage der Bonner Bundesliga-Basketballer gegen Göttingen bringt den Einzug in die Playoffrunde in Gefahr.

Mit dem freundlichen Empfang könnte es für Benas Veikalas beim nächsten Auftritt auf dem Hardtberg vorbei sein. Nicht dass ihm die Fans der Telekom Baskets Bonn vorwerfen werden, am Sonntag in der Schlussphase mit zwei Dreiern für die Vorentscheidung zugunsten der BG Göttingen gesorgt und als Topscorer entscheidend zum 78:66 (25:18, 17:12, 14:25, 22:11)-Sieg seines Teams beigetragen zu haben. Vielmehr musste ihnen missfallen, wie sich der ehemalige Bonner Dreierspezialist nach seinem Distanztreffer zum 74:64 zwei Minuten vor dem Ende mit bewusst provozierendem Jubel vor der Bonner Bank aufbaute. Offenbar war da noch eine Rechnung des Litauers mit den Baskets offen. Deren Center Filip Barovic wäre fast über die Bande gesprungen und dem Litauer an den Kragen.

Was unter dem Strich nichts daran änderte, dass die Mannschaft von Trainer Predrag Krunic eine verdiente Niederlage einsteckte, die sie zwei Spieltage vor Ende der Hauptrunde der Basketball-Bundesliga mächtig unter Druck setzt. Denn mit den schweren Aufgaben in den abschließenden Spielen bei den Gießen 46ers am Freitag (20.30 Uhr, Halle Ost) und am Montag (15.30 Uhr) zu Hause gegen die EWE Baskets Oldenburg stehen ihnen noch zwei Teams gegenüber, die unbedingt auch noch Punkte brauchen, um in die Playoffs zu kommen. Und sollten sich die Bonner dabei zwei weitere Niederlagen einhandeln, könnten sie die Meisterschaftsendrunde der besten Acht noch verpassen.

Vor 5410 Zuschauern im Telekom Dome konnte man am Sonntag jedenfalls nicht den Eindruck gewinnen, als seien sie für diesen Showdown gerüstet – vor allem mental nicht. Am Tag zuvor hatte ihnen die Konkurrenz noch drei Gefallen getan: Bayreuth besiegte Gießen, München die Oldenburger, und Bremerhaven setzte sich gegen Berlin durch. Mit einem Erfolg gegen Göttingen wäre also nicht nur der Bonner Playoff-Einzug perfekt gewesen, sondern es wären auch die Chancen, den fünften Tabellenplatz zu halten, deutlich verbessert worden.

Diese doppelt guten Aussichten schien die Profis von Krunic aber eher zu lähmen als zu beflügeln. Die von Beginn an äußerst aggressiv auftretenden Gäste kauften ihrem Gegner gleich den Schneid ab. Es war eine foullastige Spielweise, die sie sich ausgesucht hatten, aber sie zeigte ihre Wirkung. 14 Ballverluste gab es bei den Hausherren in Halbzeit eins zu beklagen.

Das war phasenweise vogelwild, was sie da aufs Parkett brachten. Riskante Pässe in die Hände des Gegners, Schrittfehler und andere unnötige Turnover häuften sich. Und bei den Würfen zitterte allzu oft die Hand. Von neun Distanzversuchen nutzte Bonn bis zur Pause keinen einzigen. Da war es kein Wunder, dass Göttingen nach den ersten beiden Vierteln eine 42:30-Führung herausspielte, zumal es in der Bonner Defensive ebenfalls Patzer gab. Seine ersten beiden Dreier versenkte Veikalas völlig frei stehend und konnte dabei in Ruhe Maße nehmen. „Unsere erste Hälfte war auf keinem guten Niveau, wir haben die Intensität und die Physis der BG Göttingen nicht richtig angenommen“, stellte Krunic später fest.

Doch es hätte noch alles gut werden können. Denn angeführt vom Verteidigungsmonster Yorman Polas Bartolo und TJ DiLeo, der mit einer unglaublichen Intensität spielte und wichtige Würfe verwandelte, bissen sich die Gastgeber buchstäblich ins Spiel. Und dann wollten auch die Dreier fallen. Als Ojars Silins auf 49:52 verkürzte und später der ansonsten schwache Ryan Thompson mit einem Korbleger für die erste Bonner Führung (53:52) seit dem ersten Viertel sorgte, war auf den Tribünen mehr Stehen als Sitzen angesagt. Das Publikum gab jetzt alles, ohne bei seinem Team damit die Kräfte freisetzen zu können, die es für eine Wende gebraucht hätte. Göttingen strauchelte zwar, fiel aber nicht. „Wir hatten einen Durchhänger, auf der Zielgeraden haben wir uns jedoch wieder bravourös erholt und als Kollektiv funktioniert“, stellte BG-Coach Johan Roijakkers treffend fest.

Bonns Kollektiv blieb nicht stabil. Kapitän Josh Mayo konnte dem Spiel nicht wie gewohnt seinen Stempel aufdrücken, auch viele seiner Teamkollegen setzten zu wenige Akzente. Neben Bartolo und DiLeo konnte allenfalls noch Center Julian Gamble überzeugen. Krunic: „Wir haben gekämpft und den Ball besser bewegt, aber im letzten Viertel ist es uns nicht mehr gelungen, das Momentum aufrechtzuerhalten.“ Bartolos Freiwurf zum 64:63 bedeutete die letzte Führung der Baskets. Auf die Dreier von Veikalas und den Korb von Alex Ruoff, die Göttingen von 66:64 auf 74:64 enteilen ließen, hatte Bonn keine Antworten mehr.

Telekom Baskets: Silin 3 Punkte/1 Dreier, Barovic 4, Thompson 8, Gamble 10, DiLeo 12/1, Koch, Bartolo 5, Mayo 12/1, Horton 12/2.

Göttingen: Williams 9/1, Veikalas 15/5, Ruoff 15/1, Spohr 1, Carter 16, Schwarz, Mönninghoff, Waleskowski 8, Sanders 4, Eatherton 10, Grüttner.

Trefferquote: Bonn 47 % (25/53), Göttingen 51 % (30/59). Zweierquote: Bonn 61 % (20/33), Göttingen 55 % (22/40). Dreierquote: Bonn 25 % (5/20), Göttingen 42 % (8/19). Freiwurfquote: Bonn 69 % (11/16), Göttingen 83 % (10/12). Rebounds: Bonn 27 (Bester: Gamble 9), Göttingen 33 (Beste: Ruoff, Waleskowski je 6). Assists: Bonn 16 (Bester: Mayo 6), Göttingen 18 (Beste: Sanders, Williams je 5. Ballverluste: Bonn 21, Göttingen 18. Ballgewinne: Bonn 10, Göttingen 11. Fouls: Bonn 16, Göttingen 20.