Telekom Baskets Bonn: Florian Koch: Vom Youngster zum Routinier

Telekom Baskets Bonn : Florian Koch: Vom Youngster zum Routinier

Florian Koch ist der einzige Spieler des alten Baskets-Kaders, der auch zum Team der Telekom Baskets Bonn der neuen Saision gehört.

Einer ist übrig geblieben. Von einer kompletten Mannschaft. Nach einer vollkommen verkorksten Saison. Florian Koch steht bei den Telekom Baskets noch bis 2017 unter Vertrag. Aber wenn er weg gewollt hätte – es gibt genug Beispiele, die unter Beweis gestellt haben, dass Verträge und ihre Laufzeiten unter gewissen Umständen Freiraum für Veränderung bieten. Aber Florian Koch zog es nicht weg. „Auf keinen Fall“, sagt er. „Ich will dabei sein, wenn die Baskets zeigen, dass sie es besser können, und meinen Teil dazu beitragen.“

Es hat durchaus etwas gedauert, bis er die ungenießbare Saison, die der Basketball-Bundesligist auf dem enttäuschenden elften Platz beendete, verdaut hatte. Es brauchte einen ablenkenden Umweg über Fehmarn, Mallorca, die Zugspitze und ein Hausboot in Holland, bis er soviel Abstand gewonnen hatte, dass die Lust auf den orangefarbenen Ball sich zurückmeldete. „Ich war wirklich leer. Die Saison war psychisch hart, aber auch physisch war ich irgendwie am Limit“, sagt der 24-Jährige.

Zu Beginn der Spielzeit hatte er einen Entwicklungssprung gemacht. Ein Camp bei Individualtrainer Stefan Weißenböck hatte ihn einen ordentlichen Schritt weitergebracht. „Da kann man an Dingen arbeiten, für die man im normalen Betrieb keine Zeit hat, denn da geht es ja doch mehr um die Teamabstimmung als um die individuellen Feinheiten“, erklärt das Baskets-Eigengewächs.

Nach einem überraschend guten Saisonstart allerdings strudelte er bald mit der gesamten Mannschaft abwärts. Das Wort Abstieg machte die Runde, da, wo man sonst mit nicht selbstverständlicher, aber doch gewohnter Regelmäßigkeit von Playoffs spricht. Und genau da will Koch mit seinem komplett neuen Team hin.

Den Umbruch sieht er inzwischen als Chance. „Es war schon sehr beschwerlich letzte Saison. Und unser Auftreten auf dem Feld hat im Grunde genau das ausgedrückt, was in uns als Einzelnen und als Team vorging. Das konnte man sehen“, bekennt Koch, der nach dem Trainerwechsel von Mathias Fischer zu seinem basketballerischen Ziehvater Carsten Pohl zunächst aufblühte. Am 17. Januar 2016 erreichte er im Heimspiel gegen Ulm mit 22 Punkten einen neuen persönlichen Bestwert und wurde Topscorer der Partie. Der abermalige Wechsel auf dem Chefsessel zu Silvano Poropat hatte für Koch dann wieder weniger Spielzeit zur Folge.

Dennoch sagt er, nicht nur sich selbst, sondern das große Ganze im Blick behaltend: „Die letzten Spiele unter Coach Poropat haben gezeigt, dass er uns wieder auf den richtigen Weg bringen kann. Das war disziplinierter und strukturierter – obwohl da ja schon nix mehr zu retten war. Sportlich. Aber was die Fansympathie und den Ruf der Telekom Baskets betrifft, mussten wir versuchen, den Schaden zu begrenzen. Und daran hatte der Trainer großen Anteil.“

Auch in diesem Sommer leistete Koch sich eine Woche Trainingscamp. „Es hat meiner Entwicklung gutgetan, und da Stillstand nicht meine Sache ist, hab ich wieder versucht, mich ein Stückchen weiterzubringen“, erklärt er. Ergebnisse der sommerlichen Entwicklung waren schon bei der Präsentation des neuen Baskets-Trikots zu sehen. Der Flügelspieler ist offensichtlich noch ein bisschen kantiger geworden.

Im neuen Team ist er jetzt so etwas wie der Routinier. Derjenige, der sich auskennt im und um den Verein. So will er etwa dafür sorgen, dass seine Teamkameraden ordentlich kostümiert und moralisch präpariert Karnevalsspiel und -party absolvieren werden. „Da bin ich als Rheinländer wohl in der Verantwortung“, sagt er und lacht.

Seit seiner Jugend spielt er auf dem Hardtberg, im vergangenen Jahr hat er den Youngster-Status abgelegt. Musste ihn ablegen. Es war eine Saison, die ihn „erwachsener gemacht“ hat, gibt er zu. Und jetzt will er vorangehen. Mit Verantwortung. Richtung Playoffs.

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