1. Sport
  2. Telekom Baskets

Telekom Baskets Bonn: Bonner Baskets erwarten den Mitteldeutschen BC

Telekom Baskets Bonn : Bonner Baskets erwarten den Mitteldeutschen BC

Nach zwei Wochen Spielpause erwarten die Bonner Baskets am Sonntag den Mitteldeutschen BC – mit Ex-Trainer Silvano Poropat. Bonn und die Baskets sind dem Kroaten in besonderer Erinnerung geblieben.

Es war an einem Mittwoch, dem 22. September 2016: Drei Tage vor Saisonbeginn war Wolfgang Wiedlich klar, dass der nach einer Chaos-Saison so sehr erhoffte Weg in ruhigeres und erfolgreicheres Fahrwasser schon vor dem ersten Spieltag einen erheblichen Umweg machen musste. Der Präsident der Telekom Baskets stand ohne Trainer da. Silvano Poropat legte sein Amt aufgrund gesundheitlicher Probleme von einem Tag auf den anderen nieder.

Wiedlich informierte die Mannschaft vor dem Training am folgenden Donnerstagvormittag, die Einheit leitete bereits der Neue: Predrag Krunic. Die Baskets kommunizierten nie, was Poropat fehlte, auch nicht, dass sie ihn im folgenden Jahr unterstützten. Obwohl Bonn für ihn auch mit dieser schmerzlichen Erinnerung verbunden ist, freut sich Poropat auf das Wiedersehen. Am Sonntag (15 Uhr, Telekom Dome) tritt er mit dem Mitteldeutschen BC in Bonn an.

„Ich hatte in Bonn eine schwere Zeit, aber Bonn und die Baskets sind mir in guter Erinnerung geblieben“, sagt er. „Es war das Ende eines dreijährigen Leidens mit vielen Problemen.“ Er wohnte noch ein weiteres Jahr in Bonn und erholte sich langsam. Irgendwann ging er in die Niederlande, trainierte den Rekordmeister Den Bosch und baute sich ein Business auf. „Consulting und Beratung – auch für Basketballer“, berichtet er.

Soweit alles wieder normal. Einen Job suchte er nicht. Dann erreichte ihn der Anruf einer alten Liebe in Not: Der Mitteldeutsche Basketballclub fürchtete um die Zugehörigkeit zum Oberhaus – und wird es vermutlich bis zum Saisonende tun. Dennoch nahm Poropat den Job an. Denn der Club, den er – wie die Baskets – aus gesundheitlichen Gründen verlassen hatte, half ihm ebenfalls in schweren Zeiten, zum MBC hat der Kroate einen besonderen Draht. „Ich bin bereit, mit der Situation umzugehen und will den Kreis beim MBC schließen“, sagt er. Was nach der Saison passiert, weiß er noch nicht. „Der Plan ist, zurück in die Niederlande zu gehen. Dort ist mein Lebens-Mittelpunkt“, sagt er, „aber wir werden sehen. Man weiß nie, was im Leben passiert.“ Wer wüsste das besser als er?

Poropat wirkt optimistisch, auch, was das Gastspiel seiner Mannschaft in Bonn betrifft: „Bonn muss gewinnen“ sagt er und spielt damit auf das enge Rennen um die Playoffplätze an. „Bonn ist der Favorit und hat den Druck. Wir spielen ohne Druck und wollen unsere Chance suchen“, sagt er.

Die Baskets haben noch eine Rechnung aus dem Hinspiel zwischen den Jahren offen, als sie Sergio Kerusch nie in den Griff bekamen und sich mit 67:80 verdient geschlagen geben mussten. Teams und Trainer waren andere. Bonn kriselte gewaltig und trennte sich kurz darauf von Predrag Krunic. Sein Nachfolger Chris O'Shea war auch schon unter Poropat Co-Trainer gewesen.

Tatsächlich sagen beide aktuellen Coaches, O'Shea und Poropat, über den jeweils anderen, dessen Team und die Veränderungen seit dem Hinspiel Ähnliches: Erstens: „Er macht als Trainer einen guten Job.“ Zweitens: „Die Mannschaft ist stabiler als im Hinspiel.“ Und drittens: „Die Rollen sind inzwischen klarer verteilt.“ O'Shea wundert das nicht. Er lacht und sagt: „Ich habe eben viel von Silvano gelernt.“

Poropat ist ein Trainer, der sich viel mit der Psyche der Spieler und der Psychologie des Teams befasst. Insofern ist für ihn der entscheidende Unterschied von Bonn im Dezember und im Frühjahr: „Sie gewinnen jetzt die knappen Spiele.“ O'Shea misst dem Hinspiel nicht mehr viel Bedeutung bei. „Wir haben uns nicht gut präsentiert“, sagt er. „Ich glaube nicht, dass uns das noch einmal passiert.“ Zwei Wochen hatte er Zeit, seine Mannschaft vorzubereiten, jetzt beschreibt er sie ein bisschen wie Galopper in der Startbox: „Ich glaube, die Jungs haben genug vom Training und dem ewigen Gegen-die-eigenen-Kollegen-Antreten. Die sind alle heiß aufs Spiel.“

Er nimmt die Favoritenrolle an, widerspricht aber Poropats Druck-Theorie: „Das Spiel ist für den MBC genau so wichtig wie für uns, schließlich wollen sie gegen den Abstieg punkten.“ Die Baskets täten gut daran, Punkte zu hamstern, denn ihnen steht ein anspruchsvolles Restprogramm ins Haus. „Dafür wollen wir uns natürlich auch Rückenwind holen. Aber in dieser Phase ist jedes Spiel wichtig – und die Heimspiele besonders“, sagt O'Shea. „Wir haben uns in die Lage gebracht, um die Playoffplätze mitzuspielen, jetzt wollen wir uns belohnen.“