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Bonn: Telekom Baskets verlieren 77:83 gegen Ludwigsburg

Niederlage unter neuem Trainer : Telekom Baskets verlieren 77:83 gegen Ludwigsburg

Die Telekom Baskets Bonn präsentieren sich unter ihrem neuen Trainer Will Voigt verbessert, mussten sich aber mit 77:83 trotzdem gegen die MHP Riesen Ludwigsburg geschlagen geben.

Die Situation wird nicht einfacher. Im ersten Spiel unter dem neuen Trainer Will Voigt zeigte sich das Team der Telekom Baskets Bonn zwar verbessert, musste aber gegen den Tabellenzweiten MHP Riesen Ludwigsburg eine 77:83 (22:21, 10:22, 25:18, 20:22)-Niederlage hinnehmen. Immerhin: es war der Tabellenzweite der Basketball-Bundesliga, also nicht irgendwer.

Ärgerlich, dass das zweite Viertel die Baskets fast schon sämtlicher Chancen beraubte, erfreulich, dass sie sich kurz vor Schluss noch einmal die Führung und Chance auf den Sieg erspielten. Noch besser: sie machten es mit Kämpferherz. „Ich bin stolz auf die Jungs. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit zurück ins Spiel gekämpft. Wir haben das Spiel gegen einen sehr starken Gegner knapp gestaltet, das ist ein gutes Zeichen“, sagte Voigt nach der Partie.

Schon die Startformation hatte Voigt neu zusammengestellt: Er schickte Branden Frazier, Trey McKinney-Jones, Yorman Polas Bartolo, Ben Simons und Martin Breunig in die Partie. Und es war der Bonner Center, der den Auftakt bestimmte. Sechs Breunig-Punkte und ein erfolgreicher Dreier von McKinney-Jones – und die Bonner führten mit 9:5 (4.). Nach dem ersten Training mit seiner neuen Mannschaft hatte Voigt gesagt, dass er erreichen wolle, dass die Zuschauer eine Veränderung im Team wahrnehmen. Das erfüllte die Mannschaft: Sie trat anders auf und warf sich von Beginn an in jeden Kampf um den Ball.

Bedrohlich war nach dem ersten Viertel nur der Zwischenstand aus Weißenfels, da drohte der Tabellenletzte einen Überraschungssieg gegen Rasta Vechta zu landen. Ansonsten sah es eigentlich aus Bonner Perspektive gut aus. Ein deutliche Plus an Rebounds und Assists sowie der starke Breunig schlugen sich in einer 22:21-Führung nieder.

Dann allerdings drifteten die Zahlen beim Rebound und beim Distanzwurf auseinander. Die Ludwigsburger trafen besser und verteidigten giftiger. In der Halle wurde es deutlich ruhiger. In Weißenfels führte der MBC jetzt aber nur noch mit einem Punkt, Vechta nahm noch eine Auszeit, um sich für die letzten elf Sekunden zu sortieren. Doch die Schützenhilfe von Vechta blieb aus, weil einer der Niedersachsen bei diesem Schlussangriff mit dem Fuß auf der Auslinie stand. Der Tabellenletzte feierte seinen ersten Heimsieg, blieb aber Letzter, weil er ein Spiel mehr als die Baskets auf dem Konto hat.

Bonn musste es selbst richten. Doch diverse vergebliche Bonner Distanzversuche, die Ludwigsburg konsequent mit Punkten beantwortete, hatten ihre Spuren auf der Anzeigetafel hinterlassen: Bonn lag zur Halbzeit mit elf Punkten im Hintertreffen (32:43).

Während Voigt seine Mannschaft in der Kabine für Durchgang zwei präparierte, trat in der Halle Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich vor die Kamera von Magents-Sport. „Wir sehen der Gefahr ernsthaft ins Auge. Jetzt zählen wir Siege wie Erbsen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen“, sagte er. „Wir brauchten in unserer Situation einen neutralen Impuls von außen. Das Team ist problematisch. Das muss man so sehen. Sobald der Gegenwind stärker wird, lassen wir schnell die Flügel hängen. Ich vermisse zurzeit Charakter.“ Das war deutlich.

Es blieb zäh, der von Wiedlich beschriebene Gegenwind. Voigt versuchte, mit ruhigen Ansprachen und klaren Lösungsansätzen zu helfen. Die Tatsache, dass die Gäste jetzt auch die eine oder andere Fahrkarte schossen, half den Baskets nach einem zwischenzeitlichen 14-Punkte-Rückstand (41:55, 24.) zurück ins Spiel. Vier Minuten später verkürzte Bojan Subotic an der Freiwurflinie auf nur noch drei Punkte Differenz (54:57). Jetzt hatte sich auch die mäßig gefüllte Halle wieder etwas erholt. Die Trommeln gaben wieder den Takt vor.

Mit 57:61 ging es in den Schlussdurchgang. Rücken- oder Gegenwind? Gegenwind. Zumindest zu Beginn, die Gäste spielten wieder ein kleines Polster heraus, aber Voigts´ Mannen wollten offensichtlich den Worten des Trainers Taten folgen lassen. In der 35. Minute bewies Alex Brown, dass 3400 Zuschauer so laut sein können wie 6000 – der Center besorgte die erste Bonner Führung seit Minute elf: 67:66.

Das ließen sich die Riesen wie erwartet nicht ohne Gegenwehr gefallen. Aber Bonn kratze, biss und spuckte – im übertragenen Sinne. Die medizinische Abteilung hatte reichlich zu tun, einige blutende Kämpfer zu versorgen, die Führung hatte sich wieder Richtung Gästebank verabschiedet.

Bei 73:81 und noch 1:24 auf der Uhr nahm Voigt noch eine Auszeit. Zum Sieg reichte es nicht mehr. Aber die Mannschaft hatte dem Präsidenten zumindest auf dem Feld widersprochen. Obwohl sich die Situation verschärft hat, verließen diejenigen, die nicht alles schwarz sehen wollen, die Halle mit der Erkenntnis, dass Voigt der Impuls sein könnte, den es gebraucht hat, um den ersten Abstieg zu vermeiden.

Telekom Baskets: Joshiko Saibou 7 Punkte/1 Dreier, Trey McKinney-Jones 12/2, Geno Lawrence 4/1, Bojan Subotic 5, Branden Frazier 8, Martin Breunig 20, Polas Bartolo 5/1, Alec Brown 7/1, Ben Simons 9/1.