Telekom Baskets Bonn: Baskets stecken sich die Ziele niedriger

Telekom Baskets Bonn : Baskets stecken sich die Ziele niedriger

Die Telekom Baskets starten am Sonntag in Göttingen in die neue Saison. Auch in der neuen Spielzeit wollen die Bonner in die Playoffs, die Konkurrenz allerdings ist größer geworden.

Im vergangenen Jahr stand an dieser Stelle die Überschrift „Forscher Hecht im Karpfenteich“. Die Telekom Baskets Bonn hatten zum ersten Mal seit Ewigkeiten mehr als nur das Erreichen der Playoffs als Saisonziel deklariert. Der Basketball-Bundesligist wollte „die Großen ärgern“, wie Sportmanager Michael Wichterich als Devise ausgab. Eine Saison später ist wieder alles beim Alten. Die Bonner kehren zurück zu ihrem Saisonziel-Mantra „Playoffplatz“. Wie kann das sein? Die Mannschaft macht nicht den Eindruck, schlechter zu sein als in der vergangenen Saison, als sie die Hauptrunde auf dem fünften Tabellenplatz abschloss und dann – deutlich knapper als es das 0:3 glauben macht – im Playoff-Viertelfinale an Bamberg scheiterte.

Ra'Shad James ist der Bonner Königstransfer. Der sprunggewaltige Athlet ist ein deutliches Upgrade auf den Guard-Positionen. Mit seiner Physis ist er sehr variabel einsetzbar. Variabilität stand auf der Prioritätenliste von Wichterich und Cheftrainer Predrag Krunic gewohnt weit oben. Niemand – außer Center Charles Jackson – ist nur für eine Position vorgesehen. Der Nachfolger des nach Nanterre gewechselten Julian Gamble tritt in die größten Fußstapfen. Gamble gehörte zu den besten Big Men der Liga, Jackson kommt aus der zweiten türkischen Liga, präsentierte sich in der Vorbereitung aber bereits stark – auch wenn die ganz große Center-Herausforderung bei den Testspiel-Gegnern noch nicht dabei war.

Jarelle Reischel hat einen deutschen Pass und einen sehr kompletten basketballerischen Werkzeugkoffer mit reichlich Defense. Der Montenegriner Bojan Subotic bringt reichlich Erfahrung und offensichtlich auch ein Sieger-Gen mit. Er gewann mit Podgorica zwischen 2013 und 2017 jeweils das Double aus Pokalsieg und Meisterschaft in seinem Heimatland.

Shane Gibson soll an der Dreierlinie die Lücke füllen, die Tomislav Zubcic hinterlassen hat, kommt mit einer Distanztrefferquote von 45 Prozent vom zyprischen Meister Larnaka – und bringt mehr Defense mit als der lange Kroate. James Webb III kommt mit der Empfehlung eines nur knapp verpassten Double-Doubles aus 13,0 Punkten und 9,3 Rebounds pro Spiel aus der NBDL, dem Unterbau der US-Profiliga NBA. Spielmacher Josh Mayo und Mr. Defense deluxe Yorman Polas Bartolo bleiben verlässliche Größen, TJ DiLeo und besonders Martin Breunig haben ihr Spiel seit dem Beginn der vergangenen Saison noch einmal auf ein höheres Level gebracht. Warum also die Ziele zurückschrauben?

„Weil es unterhalb von Bamberg und München, so unsere Einschätzung, noch enger zugehen wird als letztes Jahr“, sagt Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich. „Wir nennen nur realistische Ziele, und man darf Ziele nicht mit Visionen verwechseln. Wenn wir am Ende das Ziel übertreffen, umso besser.“

Da drängt zum Beispiel Ratiopharm Ulm nach einer enttäuschenden Saison wieder in die Playoffs. Und auch s.Oliver Würzburg, im vergangenen Jahr als Neunter knapp an der Playoff-Qualifikation gescheitert, hat seine Bemühungen deutlich intensiviert. So wie Braunschweig, das die Unterstützung – auch die monetäre – des heimatverbundenen NBA-Stars Dennis Schröder genießt.

Die Baskets sind mit dem gleichen Team-Etat ausgestattet wie in der vergangenen Spielzeit, während um sie herum, wie es den Anschein macht, eher mehr investiert wurde. Bonn rangiert laut Wichterich an der finanziellen Playoff-Grenze. Steht irgendwann – Stichwort abbezahlte Halle oder Sponsorenunterstützung – mehr Geld in Aussicht, um zumindest dieses Saisonziel nicht aus den Augen zu verlieren? „Ich denke schon“, sagt Wiedlich. „Aber Außenstehenden fällt es schwer, sich bewusst zu machen, was unser Alleinstellungsmerkmal Halle im wirtschaftlichen Alltag bedeutet – ,Ach ja, den Telekom Dome gibt es ja auch...'. Eine Großimmobilie und ein BBL-Team haben eine Gemeinsamkeit: Morgen kann plötzlich ganz dringend und unvermeidlich eine mehrstellige Investition nötig sein. Bedeutet: Der Gesamtetat muss dann neu ausbalanciert werden, weshalb er auch kein starres Gebilde sein kann“, erklärt Wiedlich, der schon „von Amtswegen“ nicht nur das Team sondern das große ganze im Auge behalten muss: „Vor einem Geschäftsjahr gibt es zwei große Herausforderungen: Die Halle in Schuss halten und ein sportlich konkurrenzfähiges Team mit x-Faktor komponieren.“ Der finanzielle Puffer hat sich insofern bewährt.

Die Baskets investierten vor dieser Saison beispielsweise 110 000 Euro in neues Mobiliar für die VIP-Lounge und 70 000 Euro in ein neues Holzparkett, als nächstes stehen die Brandschutzanlage und ein Hallenanstrich an. Der Verein ist inzwischen, rechnet man die Mini-Jobs mit, eine Company mit 40 Vollzeit-Angestellten inklusive BBL-Team. Es sei jetzt sehr hilfreich, „dass wir in der Vergangenheit kräftig den Hallenkredit getilgt haben und von einst rund sieben Millionen Euro Schulden nur noch rund 40 Prozent übrig sind“, sagt Wiedlich, „und endlich profitieren wir auch von der Niedrigzinsphase.“

Wiedlich gilt eher als Tiefstapler, manchmal sogar als Pessimist. Das kann er nur bedingt nachvollziehen. „Bei unseren jungen Fans mag das zutreffen, bei den älteren eher nicht. Den Pessimisten im Hochrisikogeschäft Basketball definiere ich gerne als Realisten – er ist sozusagen ein Optimist mit Erfahrung“, sagt er. „Was die meisten unterschätzen: Mit der Halle ist ein beleihungsfähiger Wert für schlechte Zeiten entstanden, eine kleine Lebensversicherung also, die wir aber nicht aktivieren, um einmal Bayern München zu schlagen.“

Investitionen in Steine helfen dann irgendwann auch den Beinen.

Saisonstart: Die Baskets spielen zum Saisonauftakt am Sonntag, 30. September (18 Uhr), bei der BG Göttingen, am 3. Oktober (18 Uhr) kommen die Basketball Löwen Braunschweig in den Telekom Dome. Am 6. Oktober (20.30 Uhr) spielt die Mannschaft von Cheftrainer Predrag Krunic in der ersten Pokalrunde bei den Eisbären Bremerhaven, am 9. Oktober (20.30 Uhr) beginnt für die Bonner die Gruppenphase in der Champions League mit der Partie bei Iberostar Teneriffa.