Basketball-Playoffs: Baskets schalten in den Angriffsmodus

Basketball-Playoffs : Baskets schalten in den Angriffsmodus

Bamberg statt Bayreuth: Nach der Niederlage gegen Oldenburg müssen die Telekom Baskets im Playoff-Viertelfinale gegen den Tabellenzweiten aus Franken antreten. Doch Ryan Thompson ist auf Formsuche.

Als die Telekom Baskets vor der Saison die Verpflichtung von Ryan Thompson bekannt gaben, war die Freude im eigenen Lager groß, die Verwunderung nicht minder. Thompson war mit Bamberg zwei Jahre zuvor deutscher Meister geworden und hatte nicht zuletzt im Telekom Dome einen beeindruckenden Auftritt hingelegt. Ohne Frage: ein exzellenter Basketballer.

Doch mancher Skeptiker fragte sich: Wo ist der Pferdefuß bei der Verpflichtung des US-Amerikaners, der den Preis derart drückt, dass die Baskets sich einen Spieler leisten können, der eigentlich in die Preisklasse von Clubs wie dem FC Bayern München, Brose Bamberg oder ausländischen Schwergewichten etwa in Spanien oder der Türkei fällt?

Nach einem verkorksten Jahr in Serbien und der Türkei kam Thompson nach Bonn und eine Begründung für die Machbarkeit dieses Deals war, dass der 29-Jährige den Spaß am Basketball wiederfinden wollte. Es gab reichlich Spiele, in denen sah es nicht nur so aus, als sei das gelungen. Seine Spielfreude bereitete manchem Gegner arge Probleme und machte oft den kleinen Unterschied zu Baskets-Gunsten aus.

Thompson fehlt der Baskets-Spirit

Doch wer in der laufenden Saison ein bisschen zwischen den Zeilen las, der mag inzwischen einen Verdacht haben: Der Allrounder ist mit allem ausgestattet, was das Trainerherz erfreut. Aber ab und an entsteht der Eindruck, dass er in diesem Wissen, und wenn Basketball gerade keine Freude macht, eher 90 als 110 Prozent gibt. Oder, magenta-ausgedrückt: Ihm fehlt der Baskets-Spirit.

Hätte der unbestritten beste Basketballer im Bonner Team in der Anfangsphase der Partie gegen die EWE Baskets Oldenburg annähernd mit der Intensität agiert, mit der sein Trainer an der Seitenlinie Defense vorlebte, vielleicht wäre der Blitzstart der Gäste zu verhindern gewesen. So ging es rasend schnell: Rickey Paulding war schon heißgelaufen, da hatten kaum alle Zuschauer die Plätze eingenommen und der gebrauchte Tag von Thompson hatte begonnen.

Paulding war im Spiel, Paulding blieb im Spiel. Und Paulding nahm das Spiel mit nach Hause – und als Zugabe den fünften Platz, den die Bonner schon in Braunschweig und gegen Göttingen versäumt hatten, unter Dach und Fach zu bringen. Der Playoff-Gegner heißt nicht Bayreuth, sondern Bamberg, was eine Menge langer Gesichter mit sich brachte.

Trainer korrigierte Startformation

„Wir wollten von Anfang an wach und fokussiert sein und sie nicht in ihren Rhythmus kommen lassen“, sagte Oldenburg-Trainer Mladen Drijencic nach der Partie. Damit hatte er die gleiche Losung ausgegeben wie sein Gegenüber Predrag Krunic. Wenn zwei sich das gleiche vornehmen, kann nur einer sein Ziel erreichen. „Warum das Oldenburg war und nicht wir, ist eine gute Frage“, sagte Baskets-Spielmacher Josh Mayo. Hatte die Startformation schon das Spiel verloren? „Das kann man so sehen“, fand Mayo – wie immer einer der Fünf, denen Krunic das Vertrauen geschenkt hatte – nach kurzem Überlegen. Er hatte sich von Franz Massenat den Ball stehlen lassen, was zum 0:8 führte. „Wir haben uns von dem Fehlstart nie ganz erholt und am Ende war die Differenz fast genau die, die wir uns am Anfang eingefangen hatten.“

Krunic quittierte Thompsons Leistung unmittelbar mit nur 16 Minuten Spielzeit und am Tag danach mit einem knappen „Es war nicht sein Tag“. Der Trainer hatte die Startformation zügig korrigiert, aber da war der Rückstand schon gewaltig und das Ego der Donnervögel im Höhenflug.

Thompson war zerknirscht: „Das war definitiv nicht mein bestes Spiel“, erklärte er. „Ich habe gedacht, die Partie in Gießen wäre nicht nur fürs Team, sondern auch für mich ein Schritt vorwärts gewesen nach ein paar Wochen Auf und Ab. Aber das war definitiv nicht gut genug.“ Bei den Giessen 46ers waren es die Baskets gewesen, die gut ins Spiel kamen und die Hausherren dank überragender Trefferquoten chancenlos und mit verpasster Playoff-Qualifikation zurückließen. „Nach dieser Leistung von allen und den Trainingseindrücken hatte ich keinen Anlass anders aufzustellen“, sagte Krunic. „Ryan ist einer unserer wichtigsten Spieler.“

Blick richtet sich nach vorne

Auch die Tatsache, dass die Baskets sich zumindest defensiv erholten und die Viertel zwei und drei gewannen, reichte letztlich nicht. „Oldenburg ist ein gutes Team. Sie sind in der Lage, souverän zu bleiben, auch wenn wir den Abstand verkürzen“, erklärte Krunic und erläuterte weiter: „Weil wir immer hinten lagen und es unbedingt drehen wollten, haben wir dann auch in der Offensive Fehler gemacht. Es ist normal und richtig, dass man das Maximum will. Das haben wir nicht geschafft und waren enttäuscht. Aber wir sind in den Playoffs und daraus machen wir jetzt das Beste. Es gibt immer eine Chance.“

Vorbei. Der Blick richtet sich nach vorn. Eine Aussicht, die auch Thompson besser gefällt als der Blick in den Rückspiegel: „Wir wollten Platz fünf und Bayreuth, jetzt haben wir Platz sieben und Bamberg. Ein definitiv sehr starker Gegner. Die Vorbereitung beginnt jetzt.“ Findet er die Freude an den Playoffs, kann das nur hilfreich sein.

Es heißt, den Schalter umlegen und von der Enttäuschung auf Angriffsmodus zu stellen. Doch wie schnell geht das? „Schon passiert“, sagt Josh Mayo, der die Rolle der zentralen Figur im Spiel der Baskets längst von Thompson übernommen hat.

Playoffs live: Sport1 zeigt an den ersten drei Spieltagen des Viertelfinales fünf Spiele live. Los geht es mit dem Duell Bayreuth - Oldenburg am Freitag (18 Uhr, Live-Einstieg gegen 18.30). Des Weiteren überträgt Sport1 die Spiele Brose Bamberg - Telekom Baskets Bonn (Samstag, 15 Uhr),Ratiopharm Ulm - Riesen Ludwigsburg (Samstag, 16.45 Uhr), EWE Baskets Oldenburg - Medi Bayreuth (Dienstag, 9. Mai, 18.30 Uhr) und Ulm - Ludwigsburg (Samstag, 13. Mai, 18 Uhr, Live-Einstieg gegen 18.30 Uhr). Alle Begegnungen sind bei telekombasketball.de zu sehen.