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Telekom Baskets: 67:97 in Oldenburg - Bonn steht vor dem Play-off-Aus

Telekom Baskets : 67:97 in Oldenburg - Bonn steht vor dem Play-off-Aus

Für die Fans der Telekom Baskets Bonn ist das Basketball-Leben derzeit ein leichtes: Egal, ob ihre Mannschaft gewinnt oder verliert, es gibt immer etwas zu feiern.

Seit die Bonner mit dem Erreichen der Play-offs in der Bundesliga ihr Saisonziel erreicht haben und von vornherein klar war, dass sie angesichts ihres verbliebenen kleinen Kaders im Viertelfinale gegen die EWE Baskets Oldenburg einen schweren Stand haben würden, können sie sich der rückhaltlosen Unterstützung ihrer Anhängerschaft sicher sein.

So war die Enttäuschung bei den 250 mitgereisten Fans nach der 67:97 (10:27, 23:14, 21:30, 13:26)-Niederlage der Baskets am Samstag im dritten Spiel der Serie in der EWE Arena nicht allzu groß. Die Mannschaft habe alles gegeben, meinte Christian Tuchbreiter, bei den Baskets für die Auswärtsfahrten verantwortlich, in einer Ansprache an die Bus-Gemeinde und wurde dabei mit Beifall unterstützt.

Wie schon in Spiel eins rannten die Bonner einem hohen Rückstand (10:27 nach dem ersten Viertel) hinterher. In der Offensive agierten sie zu harmlos, in der Defensive erlaubten sie den Gastgebern zu viele leichte Körbe. "Ihr könnt das Gleiche schreiben, was ich beim letzten Mal hier gesagt habe", scherzte Mike Koch unmitttelbar nach der Niederlage und beschrieb eine Art Déjà-vu.

Dann endlich konnten die Bonner den Rhythmus des Gegners brechen, spielten in der Verteidigung aggressiver, wobei sich die Einwechslung von Fabian Thülig besonders positiv auswirkte. Da gerade die langen Spieler, Chris Ensminger und Jonas Wohlfarth-Bottermann, Probleme hatten, spielten im Verlaufe des zweiten Viertels Jamel McLean als Center und Kyle Weems als Power Forward weiter. Auch die zwischenzeitliche Hereinnahme von David McCray für Jared Jordan im Spielaufbau brachte neue Impulse.

Nach einem 20:37-Rückstand kam Bonn folgerichtig besser ins Spiel und mit einem 8:0-Lauf zunächst auf 28:37 (17.) heran. Und Jordan verkürzte den Abstand kurz vor der Pausensirene auf acht Punkte: 33:41.

Die Phase gleich nach dem Seitenwechsel machte deutlich, was möglich gewesen wäre, hätten die Bonner mehr personelle Alternativen. Zwölf Punkte erzielten sie bis zur 23. Minute - Ensminger, McLean, Jordan und Benas Veikalas mit zwei Dreiern waren die Schützen - und waren beim 45:48 auf drei Punkte dran.

Die Magenta-Fraktion auf der Tribüne tobte, verzweifelte dann aber, weil sie ihr Team von den Schiedsrichtern benachteiligt sah. In der Tat gab es die ein oder andere Situation zum Kopfschütteln. Diverse Trikotzupfer bei Fastbreaks etwa, die nicht geahndet wurden, oder das vierte Foul von Benas Veikalas in dieser ganz wichtigen Phase des dritten Viertels. Die Gäste waren beim 46:52 (25.) gerade bemüht, nicht noch einmal den Anschluss zu verlieren, als Dru Joyce per Dreier zum 46:55 traf. Der Ball war noch gar nicht durch die Reuse gerauscht, da ertönte ein Pfiff. Veikalas soll abseits des Balles Chris Kramer gefoult haben. Resultat: zusätzlich Freiwürfe für Oldenburg: 46:57.

Das war der psychologische Knackpunkt. Denn neben Veikalas hatten kurz darauf auch Jared Jordan und David McCray vier Vergehen auf ihrem Konto. Mit kaum adäquaten Wechselmöglichkeiten lässt es sich dann gegen einen offensiv so stark aufgestellten Gegner nur noch unzureichend verteidigen. Es kam wie es kommen musste. Das Team von EWE-Trainer Sebastian Machowski spielte sich in einen Rausch und kam noch zu einem Kantersieg. Mike Koch brachte schon vier Minuten vor dem Ende Youngster Florian Koch aufs Feld und auch Luca Mertz aus der Regionalliga-Mannschaft.

"Ob wir mit einem Punkt oder mit 30 Punkten verloren haben, spielt keine Rolle. Es steht 1:2. Im vierten Spiel haben wir die Chance, vor eigenen Publikum zum 2:2 auszugleichen", sagte Mike Koch und blickte auf Mittwoch (19.30 Uhr) im Telekom Dome voraus. Was da nach ihrer Ansicht passieren wird, sangen die Fans schon vor Spielschluss in der EWE Arena lauthals heraus: "Nächsten Samstag sind wir wieder da." Gelingt den Baskets im Telekom Dome wie schon im zweiten Spiel (88:80) der Best-of-five-Serie ein Comeback, käme es in Oldenburg zum fünften und entscheidenden Spiel. Ansonsten ist die Saison für Bonn vorbei.

"Ich denke, man hat heute deutlich gesehen, dass es in den Playoffs einen großen Unterschied macht, ob man zuhause oder auswärts spielt. In dieser Serie hatten bisher beide Mannschaften auswärts weitaus größere Schwierigkeiten als vor eigenem Publikum", sagte Koch.

Es meinten . . .

Sebastian Machowski (Trainer Oldenburg): "Heute sind wir zum einen mit der nötigen Aggressivität ins Spiel gegangen. Das war im zweiten Spiel in Bonn nicht der Fall. Zum anderen haben wir in der Defensive nahezu alles richtig gemacht, um die Bonner zu schlagen. Ich gehe davon aus, dass wir am Mittwoch die Serie für uns entscheiden werden."

Benas Veikalas (Spieler Baskets): "Wir hatten große Probleme, mit unserer Offensive ins Rollen zu kommen und konnten in der Defensive die Fastbreaks der Oldenburger nicht stoppen. Dann ging ein Ruck durch die Mannschaft, und jeder war im Spiel. Mit den Foulproblemen konnten wir dann Oldenburgs Angriff nicht mehr kontrollieren. Aber wir haben keine Wahl, auch mit einer kleinen Rotation müssen wir aggressiv spielen - auch im vierten Spiel."

Jared Jordan (Spieler Baskets): "Unser Ziel war, den Rückstand einstellig zu gestalten. Das haben wir geschafft und waren dann auf drei Punkte heran. Die Foulpfiffe haben das Spiel dann verändert. Wir mussten uns dann zurückhalten. Aber die Serie ist noch nicht vorbei. Wir können noch ausgleichen."

Die Statistik

EWE Oldenburg: Kramer 15 Punkte, Joyce 6/1 Dreier, Chubb 6, Paulding 7/1, Burrell 10, Bahiense de Mello 9/1, Smeulders 19, Smit 4, Jenkins 18/3, Freese 3.

Telekom Baskets: Ensminger 7 (16:09 Spielzeit), Veikalas 13/3 (20:04), Jordan 15/1 (27:43), Weems 9 (33:31), McLean 13 (34:20), Thülig 4 (19:12), Koch 2 (4:16), Wohlfahrt-Bottermann 1 (12:47), Mertz (4:00).

Trefferquote: Oldenburg 61 % (34/56), Bonn 42 % (22/52). Dreierquote: Oldenburg 38 % (6/16), Bonn 35 % (6/17). Freiwurfquote: Oldenburg 70 % (23/33), Bonn 65 % (17/26). Rebounds: Oldenburg 33 - Beste: Kramer, Chubb je 5, Bonn 25 - Beste. Veikalas, McCray, Wohlfahrt-Bottermann je 5. Assists: Oldenburg 22 - Bester: Kramer 6, Bonn 6 - Bester: Jordan 4. Ballverluste: Oldenburg 10, Bonn 15. Ballgewinne: Oldenburg 7, Bonn 5. Fouls: Oldenburg 23, Bonn 29.