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Hilfe durch Sport: Stadtsportbund Bonn erleichtert Flüchtlingen das Ankommen

Hilfe durch Sport : Stadtsportbund Bonn erleichtert Flüchtlingen das Ankommen

Fußball & Co. erleichtern die Integration von Flüchtlingen. Beim Stadtsportbund in Bonn bringt Katja Brender als Fachkraft Menschen und Sport zusammen. Der Landessportbund finanziert die Halbtagesstelle.

Als Djamal nach Bonn kam, hatte er nicht viel mehr als – Hoffnung. Wenig Selbstbewusstsein, keine Sprachkenntnisse, allenfalls eine vage Idee, wie es weitergehen könnte. Er war 15, allein und einfach nur froh, aus Syrien raus zu sein.

Es gibt dann viele Möglichkeiten, wie es für einen 15-jährigen Flüchtling aus Syrien weitergehen kann. Gute und schlechte. Djamals Geschichte zeigt, dass Sport eine gute Möglichkeit ist. Er lernte Schwimmen, machte den Übungsleiterschein und schaffte auch die DLRG-Prüfung. Heute, zwei Jahre später, engagiert er sich im Post SV Bonn und bringt anderen das Schwimmen bei. „Er ist viel selbstbewusster geworden“, sagt Katja Brender.

Die 25-Jährige arbeitet beim Stadtsportbund Bonn (SSB) als „Fachkraft Integration durch Sport“. Ein etwas sperriger Titel, der gleichwohl viel mit der Praxis zu tun hat. Brender bringt Menschen – nicht nur Flüchtlinge – und Sport zusammen. Djamal hat sie von Anfang an begleitet, weil sie selbst beim Post SV Übungsleiterin war und dort Integrationsarbeit leistete. „Es ist schön zu sehen, was aus Djamal wurde“, sagt sie. „Er will etwas zurückgeben und bringt 50-Jährigen aus seiner Heimat Schwimmen bei. Dazu gehört schon was.“

Dajmal heißt eigentlich nicht Djamal. Aber der Name tut auch nichts zur Sache. Der junge Syrer steht exemplarisch dafür, wie Sport beim Ankommen helfen kann. „Viele sind am Anfang noch nicht bereit für den Sport, jedenfalls nicht für den Vereinssport“, hat Brender erfahren. „Sie brauchen niederschwellige Angebote.“ Vor allem bei Frauen aus arabischen Ländern ist das so.

In Tannenbusch bietet der SSB regelmäßig solche Bewegungsmöglichkeiten an, die keine hohen Hürden aufbauen. Ein Treffpunkt für Frauen aus Syrien, Irak, Iran oder auch Afrika, überschrieben mit dem Titel „Hip Hop, Tanzen, Fitness“, ohne Vereinsbindung. Oft kommen 20 Frauen, manchmal 35. „Der Übungsraum darf nicht einsehbar sein und es braucht natürlich einen weiblichen Übungsleiter. Dann legen die Frauen ihre Kopftücher ab“, erzählt Brender. „Für viele ist es die einzige Möglichkeit, mal zwei Stunden nur für sich zu haben.“

Die Sportmanagement-Studentin am RheinAhrCampus Remagen kam vor anderthalb Jahren zum SSB. Es war die Zeit, als alle noch von der „Flüchtlingswelle“ sprachen. Katja Brender würde das nie so sagen. „Welle“ schon gar nicht, und auch den Begriff „Flüchtling“ nimmt sie nicht in den Mund. Allenfalls spricht sie von „geflüchteten Menschen“, lieber aber von „Menschen“ oder „Mitmenschen“. Sie meint: „Die Flucht sollte nicht im Vordergrund stehen.“

Damals, als Hunderttausende integriert werden mussten, waren viele Kommunen hilflos. Da kaum Unterkünfte zur Verfügung standen, wurden die Menschen in Sporthallen untergebracht. Aber der Sport dachte über den Tag hinaus. Seit Sommer 2016 finanziert der Landessportbund Nordrhein-Westfalen in den 54 Stadt- und Kreissportbünden halbe Fachkraftstellen, um die Integration der neuen Mitbürger zu fördern. Eine davon besetzt Katja Brender.

Zwar läuft die Befristung im nächsten Sommer aus, doch die Stelle bleibt wohl erhalten. Verlängert die Landesregierung im Februar den „Pakt für den Sport“ – und davon ist auszugehen –, wäre die Finanzierung gesichert. Insgesamt fließen in Nordrhein-Westfalen drei Millionen Euro pro Jahr in Projekte zur Integration durch Sport. Der Bund überweist 11,4 Millionen an den Deutschen Olympischen Sport Bund, der das Geld an die Landessportbünde weiterleitet. 1,8 Millionen davon landen in NRW. Von der Landesregierung kommen 1,2 Millionen Euro über den „Pakt des Sports“.

Brender arbeitet exakt 19,5 Stunden pro Woche beim SSB, mehr darf sie als Studentin nicht. In ihrem Büro herrscht nicht allzu viel Publikumsverkehr, nur wenige Flüchtlinge kommen persönlich zur SSB-Geschäftsstelle im Frankenbad. „Die meisten schicken eine Mail oder nehmen über Facebook Kontakt auf“, erzählt Brender. „Außerdem haben wir unseren Flyer in sieben Sprachen übersetzen lassen.“

In den vergangenen anderthalb Jahren hat der Stadtsportbund ein Netzwerk aufgebaut, das die Vermittlung von Menschen erleichtert, die irgendwo irgendeinen Sport betreiben wollen. Mit der LAV Bad Godesberg, Jawanan Bonn (Fußball), TKSV Duisdorf, RC Bonn/Rhein-Sieg, Bonn Gamecocks, MSV Bonn, TV Rheindorf oder Bonner SC gibt es acht sogenannte Stützpunktvereine, die spezielle Angebote machen. Diese Vereine behalten ihren Status für fünf Jahre und können während dieser Zeit Zuschüsse vom LSB beantragen. Und es gibt Projektvereine wie den Post SV Bonn, bei denen die fünf Jahre abgelaufen sind, die sich aber weiter engagieren.

Ehrenamtliches Engagement kennt Katja Brender von zu Hause. Sie stammt aus Wegberg am Niederrhein und erlebte dort, wie sich ihr Vater im Fußball- und ihre Mutter im Schwimmverein einbrachte. Die Arbeit mit Flüchtlingen stellt allerdings besondere Anforderungen. „Kinder aus Syrien sind es nicht gewohnt, beim Sport angeleitet zu werden. Sie haben zum Beispiel Basketball gelernt, indem sie den Älteren zuschauten“, weiß Brender. Ungewöhnlich auch die Einstellung zum Radfahren: „Das ist dort nicht so beliebt. Denn wer mit dem Rad fährt, hat keine Zeit. Und wer keine Zeit hat, hat kein Geld.“

Es gibt viel zu lernen bei der Arbeit mit Flüchtlingen. Und viel zu berücksichtigen. Es gibt wunderbare Erfolgserlebnisse. Aber auch immer wieder die Erfahrung, an (kulturelle) Grenzen zu stoßen. „Eigentlich“, sagt Katja Brender, „ist da genug Arbeit für eine volle Stelle.“