Kölner Haie: Ryan Jones will noch nicht aufhören

Kölner Haie : Ryan Jones will noch nicht aufhören

Eishockey: Der Kanadier hält die Haie im Wettbewerb. Das bedeutet für ihn, dass er sein Karriereende weiter hinauszögert. Am Freitag wollen die Kölner in Ingolstadt in der Playoff-Serie zum 3:3 ausgleichen.

Ryan Jones hatte viel Zeit zum Nachdenken. Die Kölner Haie waren in Spiel vier des Playoff-Viertelfinales gegen den ERC Ingolstadt nach Verlängerung mit 2:3 als Verlierer vom Eis gegangen und in der Best-of-seven-Serie mit 1:3 in Rückstand geraten. Noch eine Niederlage und die Saison wäre für den KEC beendet gewesen. Genau wie die Karriere von Ryan Jones. Der 34-jährige Kanadier hatte 2016 angekündigt, die Schlittschuhe nach Ablauf seines Dreijahresvertrages an den Nagel zu hängen. Auf der langen nächtlichen Fahrt am vergangenen Freitag von Ingolstadt nach Köln dürfte dem Ex-NHL-Profi einiges an Erinnerungen durch den Kopf gegangen sein. Als er um 4.30 Uhr in Köln aus dem Bus stieg, hatte der Stürmer sicher auch den Entschluss gefasst, das Ende seiner Laufbahn so lange wie möglich nach hinten zu verschieben.

„Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt, dass er es nicht verdient hat, so abtreten zu müssen“, berichtete Haie-Angreifer Kai Hospelt lächelnd. Zuvor hatten die Kölner mit einem leidenschaftlichen Auftritt in der fünften Partie der Serie das Saison-Aus mit einem 4:2-Heimsieg bravourös abgewendet. Ryan Jones schwang sich dabei zum Anführer auf. Der Kanadier spielte, als wäre es das letzte Mal und lief, als ginge es um sein Leben. Drei der vier Kölner Tore bereitete Jones vor, war kämpferisches Vorbild, ständiger Unruheherd für die Ingolstädter und ein wichtiges Steinchen im Unterzahl-Mosaik der Haie. „Das war sein bisher bestes Spiel in dieser Serie. Er ist ein Leader auf dem Eis und tut unserem Team auch in der Kabine gut“, adelte Coach Dan Lacroix den Routinier.

Gemeinsam mit Mike Zalewski und Fabio Pfohl, die nach Vorarbeit von Jones jeweils ihren ersten Treffer in dieser Serie verbuchten, bildete der ehemalige Spieler der Edmonton Oilers die gefährlichste und effektivste Sturmreihe der Gastgeber. Und Effektivität benötigen die Kölner gegen Ingolstadt dringend. Nach den vielen vergebenen Möglichkeiten in Spiel vier und dem unglücklichen „Sudden death“ am Freitag betrieben die Gastgeber auch am Sonntag vor 12 254 Zuschauern in der Lanxess Arena wieder Chancenwucher. „Wir haben viele Dinger liegen lassen und Ingolstadt nicht distanzieren können. Ich denke, es liegt eher an uns, ob wir gewinnen oder verlieren“, verwies Kapitän Moritz Müller auf die Überlegenheit des KEC.

Nach einem starken ersten Drittel überstanden die Haie ihre einzige Schwächephase des Spiels, nachdem Tim Wohlgemuth nur 47 Sekunden gebraucht hatte (24.), um Zalewski 2:1-Führungstreffer (23.) auszugleichen. „Da waren wir mental in Schwierigkeiten“, räumte Kai Hospelt ein. Der starke Goalie Gustaf Wesslau musste die Kölner im Spiel halten. Im Schlussabschnitt spielten die Haie wieder mit der Verzweiflung, die jedes Team zum Überleben braucht, wenn es in den Playoffs mit dem Rücken zur Wand steht. Freddy Tiffels (45.) und Jason Akeson tüteten (60.) den zweiten Kölner Sieg mit ihren Toren ein und machten die Serie wieder spannend.

Am Freitag (19.30 Uhr) geht es in Ingolstadt mit dem zweiten Matchball für den ERC weiter. „Unser Selbstvertrauen war in dieser Serie nie weg. Sie haben uns in ihrer Arena zweimal nur glücklich nach Verlängerung besiegt“, lautete Moritz Müllers Kampfansage für Spiel sechs. Und dann ist da ja noch Ryan Jones. Er wird am Freitag wieder alles geben und spielen, als wäre es nach 254 Partien im Haie-Trikot das letzte Mal in seiner Karriere. Moritz Müller fand am Sonntag die richtigen Worte: „Ich bin froh, dass Ryan seine Karriere verlängert hat.“

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