Zwei Siegburger nehmen an "Polizei-Spielen" in Vancouver teil

Zwei Siegburger nehmen an "Polizei-Spielen" in Vancouver teil

Aus dem Streifenwagen aufs Rennrad

Sankt Augustin. Für ihren Sport tun sie (fast) alles: Regelmäßig geht's für Heike und Michael Jakob (39 und 40 Jahre alt) aus dem Streifenwagen aufs Rennrad. Egal ob nach Früh-, Spät- oder Nachtdienst, bei 30 Grad oder Regen. Dann geht's ins Bergische Land und wieder zurück.

Gut 10 000 Trainingskilometer haben die beiden seit Januar zurückgelegt. Abstrampeln für ihr großes Ziel: die "World Police and Fire Games" (WPFG) im kanadischen Vancouver (31. Juli bis 9. August). In fünf Disziplinen wollen sie an den Start gehen, an fünf aufeinanderfolgenden Tagen: im Einzelzeitfahren über 20 Kilometer, Bergzeitfahren über 5 km, im 60-Minuten-Kriterium, Rundstreckenrennen über 80 km und im Sprint.

Und Heike Jakob, Polizeioberkommissarin in der Wache Sankt Augustin, setzt noch einen drauf und tritt beim Triathlon (1000 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 000 Meter Laufen) an. Dafür haben die beiden nicht nur auf dem Rennrad gesessen, sondern ihr Training für Vancouver umfasste auch Laufen und Schwimmen. Und zwischendrin ging's in den Kraftraum.

Heike Jakob ist nicht nur mit der 6. Disziplin, in der sie bei den WPFG an den Start gehen will, ihrem Mann - er ist Hauptkommissar und macht auf der Wache der Autobahnpolizei in Sankt Augustin Dienst - ein Stück voraus, auch beim Erfolg. Bei den WPFG vor zwei Jahren in Adelaide (Australien) holte sie viermal Gold und einmal Silber.

Der 40-Jährige schaffte es nicht unter die ersten Drei. Doch er war auch mit einem vierten, sechsten und achten Platz zufrieden, zumal die Konkurrenz bei den Männern sehr viel größer sei, wie seine Frau zugibt. Sein Ziel für Vancouver: "Ich will vorne mit dabei sein." Seine Frau hatte mit dem Radrennfahren eigentlich schon abgeschlossen, als sie sich 1988 bei einem Sturz schwer verletzte.

Doch 1991 holte sie das Rad wieder aus dem Keller und gewann auf Anhieb ein Rennen. Die "Polizisten-Spiele" wurden zum ersten Mal in den 80-er Jahren in den USA, veranstaltet. In Vancouver werden sich rund 10 000 Polizisten, Berufsfeuerwehrleute, Zoll- und Justizbeschäftigte in rund 70 Sportarten messen. Darunter fallen laut Heike Jakob auch berufsspezifische wie Treppenläufe und Hundewettbewerbe, aber auch in ländertypischen Sportarten träten die Beamten an.

In Vancouver seien das unter anderem Cricket und Hufeisenweitwurf. Die WPFG finden alle zwei Jahre statt. Während für nicht wenige Sportler, auch einige aus Deutschland, die Kosten für die Spiele übernommen werden, finanzieren die Jakobs' alles selbst. Das sind, wie sie sagen, etwa 4 500 Euro für die Flüge. Hinzu kommen Übernachtungs- und Verpflegungskosten.

Das einzige, um das sie sich im Vorfeld nicht zu kümmern brauchten, war die Unterkunft. Michael Jakob: " Der Veranstalter hat 30 000 Hotelzimmer geblockt." Die je 2 000 Euro teuren Rennräder nimmt das Ehepaar mit. Auch wenn das Sondergepäck im Flugzeug, mit dem sie am 28. Juli nach Kanada abheben, zusätzlich Geld kostet.

"Vor zwei Jahren in Adelaide haben wir uns Räder geliehen, doch wir sitzen lieber auf unseren eigenen", so der Hauptkommissar. Das einzige, was ihnen das Düsseldorfer Innenministerium zugesteht, sind nach Angaben des Ehepaares fünf Tage Sonderurlaub. Die hängen sie inklusive ihres normalen Urlaubs an die Wettkämpfe in Vancouver dran. Und selbst dann werden die beiden Räder nicht in der Ecke stehen bleiben.

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