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Erfahrungsbericht Marathon-Vorbereitung: Wahrlich kein Zuckerschlecken

Erfahrungsbericht Marathon-Vorbereitung : Wahrlich kein Zuckerschlecken

GA-Leser Thomas Schüller blickt auf die letzten drei Monate zurück und berichtet über seine persönlichen Trainingserfahrunen. Trotz eines Ermüdungsbruchs startet er am Sonntag über die Halbmarathon-Distanz.

Es wird kein Zuckerschlecken! Das war der Titel des Auftaktartikels in der Weihnachtsausgabe des General-Anzeigers, die uns pünktlich zu Heiligabend 2015 unsere Teilnahme an der Aktion „Fit für den Marathon“ bescherte. Die Schlagzeile zitierte unseren Lauftrainer Thomas Eickmann, der damals schon warnte, „dass Laufdistanzen von über 20 Kilometern ordentlich vorbereitet werden müssen“. 14 Wochen später weiß ich: Der Titel hätte nicht treffender formuliert sein können.

Mit der Weihnachtsausgabe freute ich mich riesig, dass meine spontane Bewerbung an der GA-Aktion erhört worden war – das Bedürfnis nach Fitness und Gesundheit war das Hauptmotiv für mich als sporadischer Hobbyläufer gewesen. Und für die Teilnahme am Halbmarathon in meiner Geburtsstadt Bonn brauchte ich eben „äußeren Trainingsdruck“. Den hatte ich jetzt! Die Motivation war riesig! Freunde und Kollegen hatten natürlich von dieser Aktion gelesen und fieberten gleich von Anfang an mit.

Ein zaghaftes Kennenlernen fast aller Teilnehmer der GA-Aktion fand zum Bonner Silvesterlauf statt. Spontan bildeten wir eine WhatsApp-Gruppe mit dem programmatischen Namen „Zuckerschlecken“, in der von nun an reger Austausch über Trainingserlebnisse, Geheimtipps in Sachen Ingwer, Höhen und Niederlagen stattfinden sollte. Ein unglaublicher Zusammenhalt und gegenseitige Stütze standen innerhalb der Gruppe von Anfang an auf dem Plan, begleitet von viel Witz, Humor und Selbstironie – als würden wir uns schon Ewigkeiten kennen. Nachdem wir unsere neuen Laufschuhe aussuchen durften und uns der Leistungsdiagnostik im Bonner Zentrum für ambulante Rehabilitation (BZfAR) in Pützchen unterzogen hatten, erstellte uns unser Trainer den heiß ersehnten individuellen Trainingsplan.

Es hätte nun richtig losgehen können: die höchste Motivationsstufe aber wurde jäh durchkreuzt von einer dicken Erkältung. Zwei Wochen Sportverbot vom Arzt. Als es dann losgehen durfte, beherzigte ich den wichtigsten Hinweis im Trainingsplan nicht, der da lautete: „Lasse Dir Zeit und laufe nicht zu schnell. In den nächsten Monaten solltest Du Deinen Trainingsumfang langsam steigern“. Doch der Ehrgeiz war erwacht und der Blick von der Uhr ließ mich schon jetzt nicht mehr los. Es lief sich wie von selbst. Sogar das Intervalltraining im Regen fühlte sich – zumindest im Nachhinein – einfach nur gut an.

Von nun an stand das Training im Familienmittelpunkt – auch zu Lasten meiner Frau und der Kinder. Aber alle zogen und fieberten mit. Im Büro hatte ich die frühe Arbeitsstunde für mich entdeckt. Der innere Schweinehund hatte keine Chance! Kaum erwarten konnte ich deshalb die Karnevalszeit. Endlich ein paar freie Tage zum Trainieren! Karnevalsfreitag ging es los. Ein schöner Dauerlauf im Wald stand auf dem Programm. Doch was zwickte da im linken Fuß? Leicht ignorant lief ich meine zwölf Kilometer.

Es folgte der Karnevalssamstag. Weil gefühlt das erste Mal im Jahr herrlich die Sonne schien, zog ich den für Sonntag avisierten 15 km-Dauerlauf vor. Aus einem Zwicken wurde leichter Schmerz. Nicht zu ignorieren, aber ich hielt durch. Abends war der Fuß leicht geschwollen. Praktisch, dass für die Kinder stets ein Kühlpack im Gefrierfach liegt …

Ein vermeintlicher Kaltstart am Rosenmontag machte mir Sorgen. Gleich nach den ersten Schritten wollte ich abbrechen. Aber der freie Tag wollte genutzt werden. Ich probierte, über den Vorfuß zu laufen – siehe da, der Schmerz ließ nach. Was mir später am meisten wehtat, vermag ich nicht zu sagen: Meine Waden jedenfalls drohten nach zwölf Kilometern auf dem Vorfuß zu platzen. Der Fuß nahm ungeahnte Maße an und ich hatte kapiert: Okay, da stimmt was nicht.

Relativ schnell kam mir dann das Angebot von BZfAR-Geschäftsführer Andreas Stommel in den Sinn: Nach der Leistungsdiagnostik hatte er uns angeboten, ihn bei Problemen jederzeit anrufen zu können. Von da an ging alles ganz schnell, ein Netz an Unterstützung tat sich mir auf. Zunächst diagnostizierte Dr. Prange, Orthopäde in Mehlem und selbst Läufer, der bei der GA-Aktion mitfieberte, einen Ermüdungsbruch. Sechs Wochen Sportverbot – ich musste ganz schön schlucken. Auch wenn viele Menschen in Sachen Gesundheit um ganz andere Dinge kämpfen: Ein persönlicher, kleiner Traum schien geplatzt.

Nach einer Woche des Humpelns, Kriechens und Grübelns waren Schwellung und Schmerz zurückgegangen, und nach dem Besuch beim Orthopäden war mein Entschluss gereift: ich gebe nicht auf! Unterstützt von Andreas Stommel, der fest an mich glaubte, sattelte ich auf alternatives Training um. Hieß: Laufen im Wasser, vor der Arbeit oder danach. Wann immer möglich.

Aqua-Jogging will geübt sein. Nur mit Anleitung lässt sich die richtige Technik erlernen. Im Rückblick bin ich erstaunt, wie ich das durchgezogen habe. Wie gesagt, ich hatte die beste Unterstützung, die man sich denken kann. Wenn ich mich mal nicht überwinden konnte, ins kalte Nass zu fahren, dann habe ich meinen A…tritt aus der WhatsAppGruppe bekommen und via Foto beweisen müssen, dass ich meinen Schweinehund besiegt hatte.

Am 19. März – drei Wochen vor dem Halbmarathon – durfte ich erstmals wieder die Laufschuhe schnüren. Herrlich! Zwar nur für fünf Kilometer und die sehr langsam, aber es klappte. Beim nächsten Mal setzte ich dann gleich einen Kilometer drauf – mit erhöhter Geschwindigkeit, obwohl ich mir das Gegenteil vorgenommen hatte. Unglaublich, was mit Vorsätzen beim Laufen passiert. Die Vernunft wird ins hinterste Gehirnzentrum geschüttelt – die Ungeduld: schon wieder da! Doch bis eine Woche vor dem Tag X ist alles gut gegangen.

Nach alledem bin ich voller Aufregung und Vorfreude auf diesen 10.April, auch wenn es mir tatsächlich „nur“ noch ums Mitmachen geht. Mal gespannt, ob und wie sich meine Ziele während des Halbmarathons dann verändern. Ich habe da so eine kleine Idee, wo meine Vernunft wieder hingeschüttelt wird.