Wachtberger Springreiter überrascht mit Platz drei beim CHIO in Aachen

Wachtberger Springreiter überrascht mit Platz drei beim CHIO in Aachen

Beim weltberühmten Turnier hat Christoph Brüse mit Stute Audrey Ludger Beerbaum und Co. das Nachsehen gegeben - Meredith Michaels-Beerbaum gewinnt vor Franzosen Bost

Aachen. Das kann getrost als kleine Sensation bezeichnet werden: Der Wachtberger Springreiter Christoph Brüse (20) belegte am Dienstag im S-Springen beim weltberühmten CHIO in Aachen um den Stawag-Preis völlig überraschend Platz drei.

Publikums-Liebling Meredith Michaels-Beerbaum gewann die schwere Prüfung strafpunktfrei in glatten 76 Sekunden mit ihrem Wallach Checkmate vor dem Franzosen Roger-Yves Bost mit Ideal de la Loge, der das Eröffnungsspringen am Vormittag (allerdings mit einem anderen Pferd, nämlich Jovis de Ravel) für sich entscheiden konnte.

Christoph Brüse im roten Rock musste mit seiner Stute 13-jährigen Stute Audrey um kurz nach halb zwei Uhr am Mittag als zweiter Starter auf dem weltberühmten weitläufigen Rasenplatz in der Aachener Soers antreten. Und die Stute wusste, dass es ein besonderer Wettkampf ist: Sie war angriffslustiger als sonst.

Auf einer Strecke von 560 Metern hatte Cours-Deesigner Frank Rothenberger zwölf Hindernisse mit insgesamt 15 Sprüngen mit bis zu 1,55 Höhe und 1,90 Meter (!) Tiefe verteilt. Besonders kniffelig: die dreifache orange-weiße Kombination mit Tripplebarre, zwei Galoppsprünge, Steilsprung (1,55 m), ein Galoppsprung und noch mal Steilsprung (wieder 1,55 m) sowie die Distanz zwischen den beiden Oxern (jeweils 1,50 m x 1,70 m) Nr. neun und zehn.

Nach 76,73 Sekunden war der für den RJC Rodderberger startende BWL-Student mit seinem Lieblingspferd im Ziel, und sein Name leuchtete auf der überdimensionalen Anzeigentafel. Und das blieb auch so bis zum Ende der Prüfung um 16 Uhr. Allerdings hatten sich die weltbeste Amazone und der hurtige Franzose vor ihn geschoben, wobei Bost gerademal eine Hundertstel Sekunde, also noch nicht einmal einen Wimpernschlag langsamer war als die zierliche gebürtige US-Amerikanerin, die den CHIO bei der Siegerehrung als ihr „absolutes Lieblingsturnier mit dem besten Publikum der Welt“ betitelte.

Mit seinen 20 Jahren gehört Brüse zu der Garde der Jungen Reiter und ist als solcher zum zweiten Mal nach 2007 zum CHIO eingeladen worden. Was ihn überraschte - so direkt hintereinander. Die weiße Schleife für den dritten Platz am Dienstag gibt seinen Befürwortern Recht. Am Morgen war er mit seinem Trainer Karl Schneider den Parcours abgegangen, und die Fachsimpelei zwischen den beiden hielt auch auf der Teilnehmertribüne im Verlauf der Prüfung lange an.

Hätte er die Distanz zwischen den Hindernissen neun und zehn doch „Strich reiten“ sollen, mit sechs statt sieben Galoppsprüngen? Wäre das der Sieg gewesen, oder hätte er dann eher einen Fehler riskiert, weil Audrey alias „Mary“ zu flach, weil zu schnell geworden wäre? Wenn und hätte...

Auch so ließ er Ludger Beerbaum mit Goldfever, Marcus Ehing mit Küchengirl, Albert Zoer mit Okidoki, Otto Becker, Franke Sloothaak, Jos Lansink, Christian Ahlmann, Holger Wulscher, Marco Kutscher und viele andere prominente Reiter hinter sich und heimste auch von Bundestrainer Kurt Gravemeier ein dickes Lob ein. So kann es weitergehen: Am Mittwoch steht die nächste Qualifikation für den Großen Preis am Sonntag an. Vermutlich mit der Stute Atlanta, mit der Brüse im Eröffnungsspringen ohne Fehler blieb und 13. von mehr als 80 Startern wurde. Ein Auftakt nach Maß also.

Das war auch die farbenfrohe offizielle Eröffnung des Kult-Turniers in Aachen. Zehntausende Zuschauer erlebten die abwechslungsreiche Präsentation beim Weltfest des Pferdesports am Nachmittag live im Stadion.

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