Zweijährige Fußballer in Rheinbach: Vereinsliebe: Die Mini-Kicker des SV Wormersdorf

Zweijährige Fußballer in Rheinbach : Vereinsliebe: Die Mini-Kicker des SV Wormersdorf

Reines Fußball-Training für Kleinkinder macht keinen Sinn. Dennoch kann auch ihnen schon der Weg zumspäteren Sporttreiben im Verein geebnet werden. Wie, zeigt das Beispiel der Mini-Bambini des SV Wormersdorf.

Lautes Gelächter tönt über den Wormersdorfer Sportplatz. Es ist Samstag, viertel vor zehn am Morgen. Die Mini-Bambini des SV Wormersdorf trainieren. Sie sind 2012 geboren. Die Eltern begleiten ihre Kinder - und beteiligen sich an den Übungen. Manche Kinder haben auch Geschwister mitgebracht. Die Atmosphäre gleicht der bei einem Familienausflug. Heute wird ein neues Spiel getestet: "Küchenschlacht".

Auf Kommando müssen sich die Kinder, natürlich auch die Eltern, beispielsweise als "Plattfisch" auf den Boden legen, als "Wackelpudding" herumzappeln - oder als "Rollmops" herumrollen. Auch einfaches Ballzuwerfen sowie Hin- und Herpassen mit dem Fuß gehören zum Grundrepertoire des Trainertandems Sebastian Schmidt und Hans Henn.

Mit derlei Übungen sollen die Zwei- und Dreijährigen ihren Körper kennenlernen - und ein Gefühl für den Ball entwickeln. Es geht noch nicht darum, technische oder taktische Fertigkeiten zu schulen. Im Gegenteil: Die Kids sollen einfach Freude an der Bewegung erleben. Das sieht auch Trainer Schmidt so: "Alle haben Spaß. Am Ende ist es eher einen Familien-Event als ein Fußballspiel."

Auch die Eltern tollen sichtlich gerne mit ihren Kindern auf dem Sportplatz herum. Dass sie alle Übungen mit ihren Kindern zusammen machen, hat einen Grund. "Um Vertrauen zu finden, ist es am besten für die Kinder, mit den Eltern zu üben", sagt Schmidt und erzählt: "Wir machen das jetzt seit vier Wochen. Nach und nach führen wir die Kinder immer einen Meter weiter weg von den Eltern, damit sie immer mehr Vertrauen in den Trainer finden."

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Vertrauen ist das Schlüsselwort, das immer wieder fällt. Denn nicht alle Kids sind in der Motorik oder den kognitiven Fähigkeiten gleich weit. In dem Alter hat jedes Kind sein eigenes Tempo, die Anwesenheit der Eltern ist daher sinnvoll. "Die Kinder irgendwo hinstellen und sagen: So macht ihr das jetzt! Das funktioniert nicht", erklärt Schmidt.

Das Training mit Kleinkindern zu planen und gestalten, ist nicht so leicht, wie es vielleicht klingen mag. Nur wenige gehen mit Kindern in diesem Alter zum Spielen auf den Fußballplatz. Die Vorbereitung des Training ist schwierig, Vergleichsmöglichkeiten existieren kaum. "Es gibt keine ausgearbeiteten Konzepte für dieses Alter. Wir müssen einfach Lernen: Wo geht es hin? Was funktioniert? was funktioniert nicht?", so Schmidt. Also lautet das Motto: Learning by doing.

Die "Küchenschlacht" hat gut funktioniert. "Die Kinder fanden es toll. Also machen wir es weiter. Das hätte aber auch genauso gut anders aussehen können", sagt Schmidt. Das Trainer-Team muss flexibel sein. Denn nicht alles, was man sich vorher überlegt, ist umsetzbar. Hans Henn erzählt von den Erfahrungen mit dem Spiel "Herr Wolf, Herr Wolf, wie spät ist es?", das bei den Bambini normalerweise sehr beliebt ist. Bei den Mini-Bamini kam das Spiel allerdings weniger gut an. Einige Kinder fürchteten sich so sehr, dass sie das Spiel abrechen mussten. Es soll ja Spaß machen.

Prof. Daniel Memmert leitet das Institut für Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln. Er weiß, wie sinnvoll sportliche Aktivitäten schon im frühen Kindesalter sein können. "Damit kann man generell nie zu früh anfangen. Eigentlich nur zu spät. Besonders bei der Koordination und der Kreativität ist das besonders wichtig", sagt Memmert.

Die Mini-Kicker des SV Wormersdorf stehen erst am Anfang. "Wir haben jetzt einigermaßen regelmäßig acht Kinder und wollen bis zu zehn aufnehmen, um die Gruppe zu etablieren."

Das Trainer-Duo Schmidt/Henn möchte die Mannschaft gerne über längere Zeit betreuen und Fortschritte erreichen. Auch wenn sie die Übungseinheiten als Experimentierfeld begreifen, so können Sie ihr Wirken immerhin an wissenschaftlichen Leitlinien orientieren. "Es gibt verschiedene Prinzipien, die besonders wichtig sind", sagt Memmert. Der Kölner Forscher erläutert: "Zum Beispiel Vielfalt, nicht angeleitetes und beiläufiges Lernen und durch Experimentieren Interesse wecken. Im Alter von zwei bis sieben bilden sich sehr viele Synapsen. Dies ist das Baumaterial, um verschiedene Eindrücke abzuspeichern. Daher sind Kreativität und Vielfältigkeit beim Training mit Kleinkindern besonders wichtig."

Dies zeigt sich auch an diesem Samstagmorgen in Wormersdorf: Neben kleineren Spielereien und Übungen haben Kinder und Eltern genügend Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die Kinder haben zudem den Freiraum, ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln. Was ist sehr wichtig ist. Denn, so Memmert: "Reines Fußball-Training kann ich für Kleinkinder nicht empfehlen. Zu früh anzufangen, ist nicht zielführend." Das gelte selbstverständlich auch für Handball und Basketball. Wissenschaftliche Studien untermauern dies laut Memmert. Abwechslung sei wichtig. Memmert hat deshalb das Modell "Abenteuer Bewegung" entwickelt (siehe Info-Box).

Das Training in Womersdorf dauert jetzt schon fast eine Stunde, immer wieder gibt es Trink- und Essenspausen. Die Kinder lachen und tollen herum. Zum Abschluss der Übungseinheit bilden Eltern und Kinder gemeinsam einen Kreis und verabschieden sich. Die Spiele und Erfahrungen haben allen viel Freude bereitet - die strahlenden Gesichter beweisen es.

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