Bonner Vereine zeigen sich solidarisch: TuS Roisdorf startet Aktion für krebskrankes Kind

Bonner Vereine zeigen sich solidarisch : TuS Roisdorf startet Aktion für krebskrankes Kind

Der Fußball-Kreisligist TuS Roisdorf unterstützt mit einer einmaligen Aktion den schwer erkrankten Sohn eines Mannschaftskollegen. Eine Vielzahl von Vereinen aus dem Kreis Bonn zeigt sich solidarisch.

Es ist ein grauer Nachmittag. Nieselregen hat den sommerlichen Herbstbeginn endgültig vertrieben. Auch auf dem Sportplatz herrscht grauer Kreisliga-Alltag. In der Begegnung zwischen dem SV Ennert und dem TuS Roisdorf in der Kreisliga B deutet viel auf ein Remis hin. 3:3 steht es nach 90 Minuten. Dem TuS drohen im Auswärtsspiel wichtige Punkte im Kampf um den Aufstieg in die A-Klasse verloren zu gehen.

Bunt geht es dagegen wenige Kilometer nördlich zu. In Köln feiern zig Tausend Menschen ausgelassen dem Wetter zum Trotz den Beginn der Karnevalszeit. Den Roisdorfern ist an diesem Elften im Elften wahrlich nicht nach Feiern zumute. Am traurigen Gemütszustand kann auch Sascha Dalmus' Treffer in der Nachspielzeit zum 4:3 für die Gäste nichts ändern. Denn während Roisdorf Woche um Woche um den Aufstieg in die Beletage der Kreisklasse kämpft, kämpft der kleine Leon gegen eine schwere Krankheit. Weiterhin.

Das Schicksal des achtjährigen Sohnes eines ihrer Mitspieler bringt die Welt des TuS ins Wanken. Wie die Mannschaft in der Woche zuvor erfahren hat, ist der kleine Junge an Krebs erkrankt. „Nachdem mich diese schreckliche Nachricht erreicht hat, habe ich mir sofort Gedanken gemacht, wie wir helfen können“, sagt TuS-Trainer Florian Oberndorf. Gedacht – getan: Nach dem 4:3-Erfolg sammeln sich die Spieler am Spielfeldrand und senden einen Gruß an Leon. Auf DIN A4-Blättern steht geschrieben: „Du packst das! zsmmn.“ Zsmmn, der Slogan, den sich die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Russland zu eigen machte, steht für den Zusammenhalt einer Mannschaft. Eben jenen Zusammenhalt, den der TuS Roisdorf zurzeit eindrucksvoll demonstriert. „Wir wollten zeigen, dass wir gemeinsam eine starke Löwenfamilie sind“, sagt Oberndorf. „Und, dass wir für die Familie da sind.“

Enormer Zusammenhalt

Der TuS ruft daraufhin eine einmalige Spendenaktion ins Leben, lässt blaue Bänder anfertigen, die er für eine Mindestspende von fünf Euro vertreibt. „Wir glauben an dich“ und „Bleib stark kleiner Kämpfer“ steht in weißer Schrift auf den Bändern. „Als wir anfänglich von der Aktion erfahren haben, waren wir alle sehr erfreut und auch sehr bewegt und aufgewühlt“, heißt es von der betroffenen Familie. „Als wir aber im Laufe der Zeit erfuhren, dass sogar noch weitere Vereine und auch fremde Menschen die Aktion voller Hingabe unterstützen, sind uns allen die Tränen gekommen.“

Der Zusammenhalt im Verein ist enorm, doch die Aktion zieht viel größere Kreise. Unter anderem der FV Endenich, Rot-Weiß Merl, der VTA Bonn, die Sportfreunde Ippendorf – das Gros der Vereine aus dem Fußballkreis Bonn sendet Grüße, trägt die Bändchen – oder schickt Foto-Botschaften. Egal, ob Junioren-, Senioren-, Herren- oder Damenmannschaften – die Anteilnahme ist riesig. „Wir waren und sind immer noch total überwältigt von der großen Solidarität der Vereine“, heißt es aus dem Kreis der Familie. „Diese große Anteilnahme gibt uns und vor allem Leon große Kraft, täglich aufs Neue gegen die Krankheit zu kämpfen.“

Tatsächlich demonstriert der Fußballkreis eine selten dagewesene Geschlossenheit. Konkurrenzdenken und Wettkampf werden zur Nebensache. Der Fußball kennt für diesen Augenblick keine Gegner mehr. Die Resonanz ist so groß, dass zwischenzeitlich die Bänder vergriffen sind. Es werden neue angefertigt. Insgesamt sind es 850 Stück. „Wir werden die restlichen am Sonntag beim letzten Heimspiel der Saison verteilen. Dann machen wir einen Cut“, sagt Oberndorf. „Dann geben wir die Aktion weiter.“ Denn dem Verein geht es nicht um das Geld. Es geht darum, ein Zeichen zu setzen. „Wir sind für die Familie da. Das wollten wir zeigen“, sagt Oberndorf.

„In den Farben getrennt – im Herzen vereint“, schreibt die Damenmannschaft des TV Rheindorf bei Facebook. Das spiegelt sich auch in den Bändern wieder. Weiße Schrift auf blauem Hintergrund. Im Vergleich zu den Roisdorfer Vereinsfarben Gelb-Schwarz ein im Fußball seltenes Szenario. Doch die Farbkombination hat einen Grund: Leon ist Schalke-Fan.

„Das sind wir fast alle“, sagt der Trainer des TuS. „Darum hatten wir noch eine weitere Idee.“ Ein Bekannter Oberndorfs hat ein Schalke-Trikot mit zum Trainingsplatz nach Gelsenkirchen genommen. Die Spieler schrieben bereitwillig ihre Autogramme auf das Jersey, S04-Verteidiger Benjamin Stambouli sowie Amine Harit schickten sogar persönliche Grüße vom Trainingsplatz via Smartphone.

Fußball gerät zur Nebensache

„Wir wissen gar nicht, wie wir uns bei so viel Solidarität der Menschen bedanken können“, schreibt die Familie dem General-Anzeiger. Und: „Gibt es für eine solch große Geste der Zusammengehörigkeit überhaupt die richtigen Worte des Dankes?“

Wahrscheinlich nicht – die benötigt es aber auch nicht. Denn für viele Menschen aus dem Kreis ist die Hilfe eine Selbstverständlichkeit. „Es gibt viele gute Gründe, diese Aktion zu unterstützen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des FV Endenich, Hansi Langen. „Wir wollen einer Familie helfen und zeigen, dass sie in dieser schwierigen Zeit nicht alleine ist.“

Jeden Tag treffen neue unterstützende Worte ein, die Posts werden zigfach geteilt. Dabei betonen Verein und Familie, dass es vorerst keine weiteren Spendenaktionen geben soll. „Wir sind der Meinung, dass echte Freundschaft und Gesundheit das Wichtigste auf dieser Welt sind“, schreibt die Familie. „Sehr viel wichtiger als Geld.“ Und eben auch als der Fußball.