SC 07 Bad Neuenahr: Traditionsverein bangt um Bundesliga

SC 07 Bad Neuenahr : Traditionsverein bangt um Bundesliga

Nachdem das Präsidium des SC 07 Bad Neuenahr beim Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler am Montag den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat, steht der Verein offensichtlich am Scheideweg.

Obwohl die Clubführung mit Hochdruck daran arbeitet, die Zukunft des Vereins, aber auch den Verbleib der ersten Mannschaft in der Frauenfußball-Bundesliga sicherzustellen, droht dem SC 07 der Zwangsabstieg in die 2. Bundes- oder gar Regionalliga. Die jüngsten Ereignisse bilden ein weiteres Kapitel in der ohnehin bewegten Geschichte eines Traditionsvereins, der zu den Gründungsmitgliedern der 1990 eingeführten eingleisigen Bundesliga zählt.

Historisches geleistet haben Bad Neuenahrer Frauen bereits vor 43 Jahren, als der SC 07 Bad Neuenahr Deutschland bei der ersten inoffiziellen Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Italien vertreten und damit das in Deutschland nach wie vor geltende Frauenfußballverbot ausgehebelt hatte.

Auch das Jahr 1978, als Bad Neuenahr die deutsche Meisterschaft gewann, bleibt nicht nur Fußballfreunden in der Kreisstadt unvergessen. Sportlich lief es bis zuletzt recht ordentlich. Obwohl man mit Leonie Maier, Almuth Schult und Celia Okoyino da Mbabi alle drei Nationalspielerinnen verloren hätte, wäre der Verein wohl mit einer vielversprechenden Mischung aus jungen Talenten und gestandenen Bundesligaakteurinnen in die kommende Saison gestartet - allen voran Patricia Hanebeck, die von Turbine Potsdam an die Ahr zurückkehren soll.

Die drohende Insolvenz hat hinter die aktuellen Planungen aber zunächst einmal ein dickes Fragezeichen gesetzt. Denn unabhängig von der Frage der Klassenzugehörigkeit steht der Club auch personell vor einem kompletten Neuanfang. Neben den bereits vollzogenen Abgängen wie denen von Nicole Rolser und Corina Schröder, die sich in der Winterpause dem FC Liverpool angeschlossen haben, und dem offiziell verkündeten Wechsel von Leonie Maier zum FC Bayern München steht jetzt auch der Abschied von Celia Okoyino da Mbabi fest.

Die Nationalspielerin will sich derzeit allerdings weder zur aktuellen Situation des Vereins noch zu ihrer eigenen sportlichen Zukunft äußern. "Celia braucht erst einmal Zeit, um die sich überschlagenden Ereignisse rund um ihren Club zu verarbeiten", sagt der Berater der 26-jährigen Ausnahmespielerin, Dominik Kaesberg.

Der Verein habe eine bis zum 30. April geltende Option, nach der sich der Vertrag der gebürtigen Bonnerin um ein Jahr verlängert hätte, nicht gezogen. Demnach könne die Kapitänin den SC 07 Bad Neuenahr ab 30. Juni ablösefrei verlassen. "Derzeit befinden wir uns mit Vereinen im In- und Ausland in Gesprächen", fügt Kaesberg gegenüber dem GAhinzu.

Von den Ereignissen der letzten Wochen überrollt wurde auch Trainer Colin Bell. Zwar kündigte Vize-Präsident Herbert Kommer an, dass die Vereinsführung sich am Montag mit dem Chefcoach zu einem Gespräch treffen werde.

Dennoch gilt als sicher, dass auch der 51-Jährige, der seit Sommer 2011 in Diensten des SC 07 Bad Neuenahr steht und erst im Januar seinen Vertrag um weitere zwei Jahre verlängert hat, den Verein verlassen wird. Bell, der mit dem Bonner SC in Verbindung gebracht wird, hat sich nach GA-Informationen bereits von der Mannschaft verabschiedet.

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