Spitzensport in Bonn: Taekwondo trifft Basketball

Spitzensport in Bonn : Taekwondo trifft Basketball

Anfang April übernehmen die weltbesten Taekwondoka für den Presidents Cup den Telekom Dome.

Die Katakomben unter dem Telekom Dome wirken verlassen. Nur zwei Profis machen sich auf den Weg in die Halle. Eine schwere Türe und dann Stille. Dunkelheit. Das Licht geht an, 6000 verlassene Plätze. Nicht nur für Baskets-Flügelspieler Florian Koch ist der leere Dome ein ungewohntes Bild, auch Taekwondoka Yanna Schneider kennt die Arena von den Heimspielen der Baskets nur voll besetzt.

Verschiedener könnten die beiden Leistungssportler kaum sein. Er misst 1,97 Meter, sie bringt es auf 180 Zentimeter. Kochs Stärke ist das zielsichere Handgelenk, Schneiders Waffe ist der gezielte Einsatz mit dem Fuß. Er ist ein absoluter Teamplayer, sie in ihren Kämpfen ganz auf sich alleine gestellt. Und doch verbindet die beiden eins: Das Heimspiel im Telekom Dome.

Zumindest kurzfristig. Denn vom 7. bis 10. April ist die Taekwondo-Elite zu Gast in der Heimstätte des Basketball-Bundesligisten. Zu Gast beim Presidents Cup. „Die Stimmung ist sensationell. Vor 6000 Zuschauern, wenn die Halle voll ist. Die Kulisse ist einfach atemberaubend“, gibt Koch der Taekwondoka schon einen kleinen Vorgeschmack. „Wenn man unten auf dem Feld steht, im Rampenlicht. Das ist schon was Einzigartiges.“

Einzigartig ist bislang auch das Turnier. Bei den European Games in Baku wurde die Entscheidung getroffen, zukünftig dieses neue Turnier auszutragen. Die Idee: Die vier Medaillisten jeder Gewichtsklasse qualifizieren sich direkt für die in dem jeweiligen Jahr stattfindenden Europa- oder Weltmeisterschaften.

Die Europäische Taekwondo Union (ETU) hatte das Turnier im vergangenen Jahr ausgeschrieben. Beim Masters in der Bonner Hardtberghalle zeigte Organisator Dimitrios Lautenschläger im September den Verantwortlichen der ETU, wie gut sich Bonn als Austragungsort eignen würde. Schon damals reifte die Idee, das Turnier im Telekom Dome auszutragen. „Ich habe den Herren den Dome gezeigt. Die waren direkt Feuer und Flamme“, so Lautenschläger. Bonn erhielt tatsächlich den Zuschlag.

Mehr als 2000 Sportler aus bis zu 100 Nationen werden also an der Spielstätte der Baskets erwartet. Dort wo sonst Körbe erzielt werden, wird nun das Who is Who der südkoreanischen Kampfsportart vertreten sein. „Das Turnier wird das bestbesetzte Turnier des Kontinents sein“, so Lautenschläger, schließlich geht es auch um Punkte für die Weltrangliste. Die Hardtberghalle geht auch nicht leer aus. Eine Woche zuvor findet dort der Formen Cup, ein traditioneller Wettbewerb, bei dem festgeschriebene Bewegungsfolgen absolviert werden.

Feste Spielfolgen stehen im Telekom Dome an der Tagesordnung. An dem Wochenende im April nicht. „In dem Zeitraum, wo der Presidents Cup hier ist, sind wir zu Gast bei Alba Berlin“, so Koch. Daher war es auch kein Problem für die Baskets, Lautenschläger und der ETU den Schlüssel für den Dome zu übergeben.

„Warum soll die Halle nicht anders vermarktet werden? Das ist ja auch Werbung für den Verein“, so Koch. Und der Flügelspieler hat bereits Sympathien für den anderen Sport geweckt. „Ich finde Taekwondo schon sehr interessant. Wenn wir nicht in Berlin wären, hätte ich es mir definitiv angesehen.“

Nicht nur für die Baskets und Taekwondo ist das Turnier Werbung. „Mit diesem Turnier präsentiert sich Bonn als Stadt des Taekwondo Sports. Rund 2000 Sportler aus mehr als 100 Nationen tragen den Namen von Bonn in die ganze Welt“, so Michael Scharf, Vorsitzender des Stadtsportbundes. „Von daher tut Bonn als Sportstadt gut daran, ein guter Gastgeber zu sein und den ausländischen Sportlern, die teilweise schon einige Tage vor dem Turnier anreisen, um in Bonn zu trainieren um sich zu akklimatisieren, um gute Sportstätten anzubieten.“ Der Leiter des Olympiastützpunkts Rheinland zieht den Hut vor der Arbeit, die Lautenschläger und sein Team bei der Organisation übernehmen.

Ganz ohne Hilfe geht das natürlich nicht. Daher such Lautenschläger noch Freiwillige, die hinter den Kulissen eines Großevents arbeiten wollen. Eine Idee: Flüchtlinge aus der Region könnten bei Interesse Aufgaben übernehmen und würden dafür mit Verpflegung und T-Shirts versorgt.

Auch Yanna Schneider wird an dem Turnier teilnehmen. Als sie sich in der Halle umblickt ist die Vorfreude groß. „Die Kulisse wird einfach der Hammer. Das wird aufregend und spannend werden“, sagt sie. Und: „Für mich wird es aber ein echtes Heimspiel.“