Mit Wut im Bauch zum Titel: Siegburger City-Lauf-Sieger verpasst WM-Norm knapp

Mit Wut im Bauch zum Titel : Siegburger City-Lauf-Sieger verpasst WM-Norm knapp

So ganz kann er sich leider nicht über seinen Sieg beim City-Lauf in Siegburg freuen. Einen Tag bevor er dort als Erster die Ziellinie überquerte, bekam er die Nachricht, die WM-Qualifikation verpasst zu haben - um zwei Hundertstelsekunden.

Amanal Petros war glücklich - und dann doch wieder nicht. Einerseits freute sich der 24-Jährige vom TV Wattenscheid in Siegburg über den Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Straßenlauf über zehn Kilometer. Aber da war auch noch die negative Nachricht, die er kaum 24 Stunden zuvor bekommen hatte. Um zwei Hundertstelsekunden hatte Petros die 5000-Meter-Norm für die Weltmeisterschaften Ende des Monats in Doha (Katar) verpasst.

Und auch im Nachrückverfahren bekam der Schützling von Tono Kirschbaum keinen Startplatz. "Ich bin sehr enttäuscht. Ich hatte riesengroße Hoffnungen, dass ich mitgenommen werde. Dass ich nicht nominiert wurde, war ein Schock. Ich habe mich dann am Samstagabend um 18 Uhr entschieden, die DM in Siegburg zu laufen", erzählte Petros.

Eine gute Entscheidung! Bei optimalen äußeren Bedingungen ging das Hauptlauffeld vor dem Siegburger Amtsgericht auf den viermal zu durchlaufenden 2,5-Kilometer-Parcours. "Es hat Spaß gemacht. Die Atmosphäre war toll und die Strecke gut", lobte Petros die DM-Organisatoren des LAZ Puma Rhein-Sieg.

Schon nach der Hälfte der Distanz führte Petros eine nur noch vierköpfige Führungsgruppe an. Den Endspurt entschied er mit der Endzeit von 28:54 Minuten vor den beiden Regensburgern Simon Boch (28:56) und Dominik Notz (28:56) für sich. "Die letzten 700, 800 Meter habe ich mich entschieden, noch ein bisschen schneller zu laufen", erklärte Petros seine Taktik.

Bei den Frauen feierte Favoritin Miriam Dattke (ebenfalls LG Telis Finanz Regensburg) einen Start-Ziel-Sieg vor Katharina Steinruck-Heinig. Allerdings wusste die 21-Jährige wie Petros, dass sie die Konkurrenz nicht unterschätzen durfte. "Ich habe mir die ganze letzte Runde gedacht: Miri, du darfst jetzt nicht rausnehmen. Du musst die ganze Zeit durchdrücken. Nicht, dass hintenraus noch irgendjemand kommt", erzählte Dattke. Das Resultat bestätigte, dass sie nicht übervorsichtig war. Steinruck-Heinig machte auf den letzten 2500 Metern noch neun Sekunden gut. Die Tochter der Marathon-Olympiadritten von Seoul 1988, Katrin Dörre-Heinig, jubelte nur vier Sekunden hinter ihr über eine neue persönliche Bestzeit von 32:47 Minuten.

Hinter der Regensburgerin Anja Scherl (33:06) belegte die aus Niederkassel stammende Deborah Schöneborn in 33:15 Minuten den vierten Platz. Mit ihrem Team der LG Nord Berlin wurde sie hinter dem deutschen Rekord laufenden Regensburgern (1:41:02 Stunden) Vizemeisterin. Beste Teilnehmerin aus einem Verein des ehemaligen Leichtathletikkreises Bonn/Rhein-Sieg war Maike Schön (LAZ) als 18. in 35:51 Minuten.

Im kurz vor elf Uhr bei schon sommerlicheren Temperaturen gestarteten Seniorenlauf holte Susanne Hahn den Titel bei den über 40-Jährigen nach Meckenheim. Die zweimalige Marathon-Olympiateilnehmerin, die sich als dreifache Mutter nur noch als Freizeitläuferin sieht, lief in 37:16 Minuten die zweitbeste Zeit der regionalen Teilnehmerinnen. Sie gewann den Titel mit 20 Sekunden Vorsprung vor Christel Dörschel (SG Wenden). Dioni Gkorla (LAZ) belegte in 38:12 Minuten den achten Platz in der Wertung der Altersklasse U 23.

Das M-35-Seniorenteam des LAZ mit Christian Gemke, Jens Röskens und Thaddäus Cuypers wurde Vizemeister. Die M-40-Mannschaft mit Dirk Breunung, Daniel Weiser und Dennis Klusmann Dritte. Norbert Tesch (41:05 Minuten), Bernd Nitsche (41:07) und Herbert Engels (45:07) von der LLG St. Augustin wurden mit der Mannschaft der 60- bis 69-Jährigen deutscher Vizemeister. In der Altersklasse M 55 schrammte Norbert Müller in 37:31 Minuten sowohl in der Einzelwertung als auch mit dem M-50/55-Team des SSG Königswinter an der Bronzemedaille vorbei. Sie teilten dieses Schicksal mit den 50- bis 59-jährigen SSG-Seniorinnen.

Apropos Medaillen: Die gab es diesmal nicht. Die Einfuhr wurde vom Berliner Hauptzollamt derart verzögert, dass die speziellen, vom Siegburger Künstler Volker Bremer entworfenen Plaketten nicht rechtzeitig am Rhein eintrafen und nachgeschickt werden müssen.

Einzig Miriam Dattke durfte sich mit zwei Jahren Verspätung über U-20-EM-Gold freuen. Die vor zwei Jahren eigentlich als Europameisterin geehrte Italienerin wurde nachträglich wegen Dopings disqualifiziert.

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