Sieg ebnet Sturm den Weg zum großen Geld

Sieg ebnet Sturm den Weg zum großen Geld

Nach dem Sieg gegen Gevor winkt dem Weltmeister ein Kampf gegen Pavlik

Nürburgring. Lukas Podolski verfolgte am späten Samstagabend in seiner roten VIP-Box gut gelaunt und lässig beim großen Boxabend "Universum Champions Night" den Richterspruch in der neuen Ring-Arena am Nürburgring.

Für den Fußball-Nationalspieler und Köln-Heimkehrer gab es keinen Zweifel, dass sein Kumpel Felix Sturm nach zwölf harten Runden seinen Mittelgewichts-Weltmeistertitel des Verbandes World Boxing Association (WBA) erfolgreich verteidigt hatte.

Ganz anders sah dies Sturms abgekämpfter Herausforderer Khoren Gevor. Er war nach dem einstimmigen Urteil der Punktrichter (115:113, 115:113, 117:111) zu Gunsten des Leverkuseners Felix Sturm in der mit 5 500 Zuschauern ausverkauften Ring-Arena außer sich.

"Den Kampf hat er niemals gewonnen. Wenn er ein Mann ist, dann würde er eine Revanche machen", wollte es Khoren Gevor nach seiner ambitionierten Vorstellung nicht wahr haben und legte später sogar noch nach: "Ich bin enttäuscht von der Veranstaltung.

Die haben mich richtig verarscht." Doch mit diesem Fazit stand der dreifache Familienvater, der nach dem Kampf viele Pfiffe und Buh-Rufe erntete, alleine da. Treffender formulierte es "Prinz Poldi": "Khoren war aktiv und war immer nah dran, aber Felix hatte die klareren Treffer.

Eigentlich hätte man Khoren verwarnen müssen, weil er immer mit dem Kopf voran auf Felix losgegangen ist. Aber das ist wie im Fußball. Wenn der Schiri das Foul nicht pfeift, muss Du auch weitermachen."

Um den Titelverteidiger, der jetzt 33 Siege aus 36 Kämpfen vorzuweisen hat, zu entthronen, fehlten dem Herausforderer in der zweiten Hälfte des Kampfes augenscheinlich die Argumente. Rechtsausleger Gevor begann allerdings stürmisch und druckvoll.

Immer wieder hechtete der 30-jährige verbissen, mit tiefem Kopf voraus, in den Infight, um Sturm mit schnellen Händen zu beeindrucken. "Wir wussten, dass Khoren viel Druck macht und versucht, seinen Gegner zu zermürben.

Aber wir haben versucht, mit der gleichen Waffe gegenzuhalten", beschrieb Sturms Trainer Michael Timm die gewählte Taktik, den Gegner Kopf an Kopf hauteng heranzulassen, mit dichter Doppeldeckung konsequent zu agieren und auf sich bietende Lücken per Aufwärtshaken zu warten.

Sturm schien bis zur dritten Runde dennoch beeindruckt vom Vollgas-Boxen seines Gegners. Die lautstarken Fans von Gevor in Rang B witterten Morgenluft.

Als der Leverkusener vier Sekunden vor Ende der dritten Runde zu Boden ging, vollführte das Gefolge des Herausforderers Luftsprünge. Aber es handelte sich lediglich um einen Ausrutscher von Felix Sturm nach einer Ringereinlage von Gevor.

Die "Felix - Felix"-Rufe im weiten Hallenrund wurden jetzt immer lauter. Und der Champion bekam das Geschehen mit fortwährender Kampfdauer immer besser in den Griff, während der Armenier ab der sechsten Runde zunehmend schwere Arme bekam.

"Nimm die Deckung hoch", schallte aus der Ecke von Fritz Sdunek. Doch der Champion punktete ab Runde sieben immer wieder mit linken Jabs (abrupt geschlagenen Geraden mit der Führhand) gegen Gevor und war jetzt auch im Infight der bessere Mann.

"Um Weltmeister zu werden, muss man mehr machen, als mit dem Kopf zu stoßen", resümierte Sturm im Ringinterview und forderte mehr Fairness und Einsicht von seinem Stallkollegen ein.

Sturm, der nach dem Kampf aufgrund eines Hämatoms am Ohr noch kurz ins Krankenhaus geschickt wurde, untermauerte mit dem Sieg im schweren Pflichtverteidigungskampf der WBA nicht nur seine Vormachtstellung bei Universum sondern ebnete sich selbst und seinem Boxstall den Weg zum ganz großen Kampf und zum großen Geld.

Da der deutsch-armenische IBF-Mittelgewichtsweltmeister Arthur Abraham nach zehn erfolgreichen Titelverteidigungen seinen WM-Titel niedergelegt hat und zukünftig im Super-Mittelgewicht boxen will, dürfte es in naher Zukunft zum Mittelgewichts-Topkampf zwischen WBA-Weltmeister Felix Sturm und dem Amerikaner Kelly Pavlik - Mittelgewichtsweltmeister der Verbände WBC und WBO - kommen.

Das wird sich Kumpel Poldi sicherlich nicht entgehen lassen, der sich am Samstag auch über die in die VIP-Box zugeworfenen Boxhandschuhe des Siegers freuen durfte.

Mehr von GA BONN