Sebastian Vettel verpasst Heimsieg knapp

Sebastian Vettel verpasst Heimsieg knapp

Vor 100 000 Zuschauern fuhr der Deutsche hinter seinem Teamkollegen Mark Webber auf Platz zwei

Nürburgring. Bis Australien ist es ein weiter Weg. Und doch wurde Mark Webber so laut, als hoffte er, dass seine Landsleute ihn down under hören könnten. "Yes, yes, yes", schrie er immer und immer wieder.

28 Jahre nach Alan Jones in Las Vegas war Webber am Sonntag beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring der erste Australier, der wieder ein Formel-1-Rennen gewinnen konnte. Sehr zum Leidwesen von Sebastian Vettel.

Der deutsche Hoffnungsträger wollte das Heimspiel in der Eifel vor 100 000 Zuschauern unbedingt gewinnen, musste letztlich aber die Überlegenheit seines Teamkollegen anerkennen und freute sich ehrlich über seinen zweiten Platz.

Fotos Bilder vom Formel-1-Rennen, dem neuen Nürburgring und dem Eifeldorf "Grüne Hölle"Denn in der Gesamtwertung der Weltmeisterschaft hat er den Rückstand auf den führenden Jenson Button (Brawn GP), der nur Fünfter wurde, auf 21 Punkte verkürzt. Button führt nun mit 68 Punkten vor Vettel (47) und Webber (45,5).

Mit Nico Rosberg (Williams) und Adrian Sutil (Force India) zogen zwei weitere Deutsche die Aufmerksamkeit auf sich - im positiven wie negativen Sinne. Der Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg fuhr ein bravouröses Rennen und wurde schließlich hinter dem Brasilianer Felipe Massa (Ferrari) Vierter.

Kommentar Lesen Sie dazu auch " Konkurrenz im Team"Sutil war im Begriff, in seinem unterlegenen Auto Geschichte zu schreiben. Im turbulenten Qualifying war er am Samstag auf Platz sieben gefahren, lag im Rennen in der 27. Runde sogar auf Platz zwei, ehe er nach seinem ersten Tankstopp ungestüm aus der Box zurück auf die Strecke fuhr, mit Kimi Räikkönen (Ferrari) kollidierte und sich den Frontflügel abfuhr. Damit hatte er sich aller Chancen auf Punkte beraubt.

Eine Schwäche beim Qualifying, ein verpatzter Start und ein kleiner Knopf verhinderten den ersten deutschen Heimsieg auf dem Nürburgring seit Michael Schumacher beim Großen Preis von Europa 2006. Im Regen-Roulette war Vettel am Samstag nur auf Platz vier gefahren.

Notizen Lesen Sie dazu auch " Ring-Splitter"Webber dagegen fuhr mit seiner letzten Runde die schnellste Zeit, zwischen den beiden lagen Button und Barrichello.

Dem Deutschen war schon etwas mulmig zumute, hatte er doch die mit dem Energie-Rückgewinnungssystem KERS ausgestattete Konkurrenz von Ferrari und McLaren-Mercedes im Nacken. Einmal aufgeladen, liefert KERS auf Knopfdruck bis zu 82 zusätzliche PS für einen Zeitraum von 6,6 Sekunden.

Dieses Leistungsplus ließ beim Start sowohl die McLaren-Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen als auch Felipe Massa an Vettel vorbeifliegen. Hamilton katapultierte sich sogar raketenartig bis ganz nach vorn, beschädigte sich aber bei einer Berührung mit Webber den rechten Hinterreifen.

Vettels Renn-Analyse"Mark war heute unschlagbar. Er war schneller als wir alle. Gestern in der Qualifikation hat er den besseren Job gemacht, deshalb hat er den Sieg verdient. Letztlich bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Natürlich hätte ich heute lieber gewonnen. Dennoch denke ich, dass es ein sehr, sehr gutes Resultat ist, für mich, für uns. Wenn ich jemandem die Schuld geben muss, dass ich nicht gewonnen habe, dann mir. Ich hätte den Wagen auf die Pole setzen können, aber ich habe in der Qualifikation keine perfekte Runde geschafft."

Der Australier wiederum lieferte sich vor der ersten Kurve ein packendes Duell mit Barrichello. Als der Brasilianer neben Webber auftauchte, zuckte dieser nach links und drückte den Brawn-GP-Boliden fast von der Strecke.

Reflexartig verhinderte Webber Schlimmeres und musst sich als Zweiter hinter Barrichello einreihen. Es folgten Kovalainen, Button, Massa und erst auf Platz sechs Vettel.

Da Barrichello schon sehr früh zum Tanken musste, war der Weg für Webber frei. Der 32-Jährige, der sich im Winter bei einem Sturz mit dem Rad einen Bein- und einen Schulterbruch zugezogen hatte, war auch von einer Durchfahrtstrafe wegen der Kollision mit Barrichello nicht aufzuhalten, fiel nur kurzzeitig zurück und lieferte bis zum Ende ein fehlerloses Rennen.

Vettel dagegen wurde zu Beginn von Massa aufgehalten. Der Deutsche war zwar der Schnellere, aber immer, wenn er zum Überholen ansetzte, konnte sein Konkurrent auf KERS bauen - alles Knopfsache.

Im Zuge der Boxenstopps kam es aber ständig zu Verschiebungen. Vettel führte vor seinem ersten Stopp in Runde 21 sogar kurzzeitig, Rosberg war einmal auf Platz zwei. Entscheidend für Vettel war schließlich, dass Barrichello und Button auf einer Drei-Stopp-Strategie waren.

Sie hatten damit zu kämpfen, dass in der kühlen Eifel bei ihren Wagen die Reifen mit der harten Gummimischung nicht heiß genug wurden. In der Schlussphase des Rennens sah man Button sogar Schlangenlinien fahren, um die Reifen aufzuwärmen.

Als die beiden Brawn-GP-Piloten auf den Plätzen zwei und drei liegend zehn Runden vor dem Ende nacheinander noch einmal zum Tanken mussten, war der Weg für Vettel in Richtung Platz zwei frei. Auch Massa und Rosberg zogen noch vorbei.

Die anderen beiden deutschen Piloten, Timo Glock (Toyota) und Nick Heidfeld (BMW-Sauber), landeten als Neunter und Zehnter außerhalb der Punkteränge.

Für Glock dennoch ein Achtungserfolg, hatte er doch nach einer verpatzten Qualifikation und einer Strafe aus der Box starten müssen.

Formel 1 in ZahlenGrand Prix von Deutschland auf dem Nürburgring
(60 Runden à 5,148 km/308,863 km):

1. Mark Webber (Australien) Red Bull 1:36:43,310 Std. (Schnitt: 191,598 km/h); 2. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull + 9,252 Sek.; 3. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 15,906; 4. Nico Rosberg (Wiesbaden) Williams + 21,099; 5. Jenson Button (Großbritannien) Brawn GP + 23,609; 6. Rubens Barrichello (Brasilien) Brawn GP + 24,468; 7. Fernando Alonso (Spanien) Renault + 24,888; 8. Heikki Kovalainen (Finnland) McLaren-Mercedes + 58,692; 9. Timo Glock (Wersau) Toyota + 1:01,457 Min.; 10. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) BMW-Sauber + 1:01,925; 15. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India + 1:11,941; ...18. Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes + 1 Runde.