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Promi-Darts-WM im Maritim in Bonn: 2000 Fans verwandeln Hotel in Tollhaus

Promi-Darts-WM in Bonn : 2000 Dartfans verwandeln das Hotel Maritim in ein Tollhaus

Bei der Promi-Darts-WM im Bonner Maritim haben 2000 Fans singend und grölend für Partystimmung gesorgt. Viele Besucher reisten kostümiert an. Es wurde aber auch Darts gespielt.

Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm. Oder: Wer früh genug die Tickets für die vierte Ausgabe der Promi-Dart-WM des TV-Senders ProSieben gebucht hat, saß im großen Ballsaal des Bonner Maritims in der ersten Reihe – ganz nah an der Bühne, auf der die sechs Dartprofis und ihre prominenten Partner die Pfeile warfen. Alexander Radloff und seine Kumpels Patrick, Lennart und Moritz reisten aus Arnsberg im Sauerland an. „Bonn ist ja nicht weit“, sagte Alexander, der als Pabst verkleidet aus der Menge der meist kostümiert singenden und grölenden Darts-Fangemeinde herausstach.

Im letzten Frühjahr hatte die Gruppe aus dem Sauerland einen Abstecher zur Dart-Premier-League nach Liverpool gemacht. „Ich mag es, beim Dart Kostüme zu tragen, die skurril sind. Und die Promi-Dart-WM in Bonn bekommt auf jeden Fall meinen Segen.“ Die Arnsberger zählten zu den rund 2 000 Dartfans, die das Maritim mehr als vier Stunden lang in ein echtes Tollhaus verwandelten. „Wenn ich oben auf der Bühne die Gesänge höre, kriege ich Hühnerpelle“, meinte Sportkommentator Frank „Buschi“ Buschmann, der gemeinsam mit Max Hopp, Deutschlands bestem Dartprofi, angetreten war.

Selbst die langen Werbepausen hielten die Fans nicht vom Singen und Feiern ab und boten ausreichend Gelegenheit, sich, ohne vom Spektakel etwas zu verpassen, mit Bier und Essen zu versorgen. Das Personal an den diversen Zapfstellen in den Fluren leistete jedenfalls Schwerstarbeit. Stimmte die eine Seite des Saals einen Song über den frisch gebackenen Weltmeister Peter Wright an, ließ sich die andere Hälfte nicht lange lumpen. Man feierte sich selbst. „Snakebite“ Wright fand das Bonner Publikum jedenfalls „amazing“. Einzig diejenigen unter den Freunden des Dartsports, die die neue Dart-Queen Fallon Sherrock sowie TV-Sternchen Sarah Harrison während einiger ihrer Würfe mit „Ausziehen“-Rufen belästigten, taten dem Image der deutschen Dartfan-Gemeinde wahrlich keinen Gefallen.

Dabei hatte kein Geringerer als Michael van Gerven, die Nummer eins der Professional Darts Corporation (PDC), die Fans am Ende des Events in den höchsten Tönen gelobt. „Bonn ist der neue Ally Pally“, radebrechte der am 1. Januar von Peter Wright entthronte dreifache Weltmeister und meinte damit die legendäre Spielstätte der richtigen Dart-WM in London. Wenige Minuten zuvor, die Uhr zeigte 0.30 Uhr, hatte „Mighty Mike“ mit Handball-Weltmeister Pascal Hens die Promi-WM im Finale gegen das Duo Harrison und Gerwyn Price mit 3:1 gewonnen.

Der Waliser Price ist die Nummer drei der Welt und der Bad-Boy der illustren Dart-Szene, gab sich aber im Maritim besonders handzahm. Das lag wohl auch an Harrison, die als Model, Reality-TV-Teilnehmerin und als so genannte Influencerin auf diversen Social-Media-Kanälen unterwegs ist.

Auch wenn sich der sportliche Wert der Promi-WM zumindest für die Dart-Profis in überschaubaren Grenzen hielt, entfaltete der nicht ganz ernst gemeinte Titel des Promi-Dart-Weltmeisters für van Gerven so etwas wie heilende Wirkung. „Der Sieg hier ist für mich ein kleiner Trost“, meinte „MVG“ und nahm Pascal Hens in den Arm. „Er wirft besser, als dass er tanzt“, scherzte der gut gelaunte Holländer in Anspielung an die Lets-Dance-Meriten des einstigen Handball-Profis. Van Gerven begeisterte die Bonner Dartgemeinde im Übrigen mit vier der sechs geworfenen „180er“. Das erste Maximum von drei Treffern ins Tripple-20-Feld war Fallon Sherrock gelungen. Maximum Nummer sechs warf Price im Finale.

Die 25-jährige Sherrock, die mit Ex-Fußballprofi Luca Toni angetreten war, hatte mit zwei Siegen gegen ihre männliche Konkurrenz während der WM in London Dart-Geschichte geschrieben. Dort hatte der Holländer van Gerven in seinem fünften WM-Finale den vierten Titel und damit den Siegercheck von 500 000 britischen Pfund an Peter Wright mit 3:7-Sätzen verloren.

Der wegen seines ersten WM-Titel lautstark bejubelte Schotte Wright war in Bonn im Halbfinale mit seinem Partner, dem Fußball-Profi Max Kruse an Harrison/Price gescheitert. In Bonn reichten diesmal im Finale drei Legs, in denen die Spieler von 501 Punkten auf Null spielen mussten. „Das macht die Sache noch spannender“, fand Dart-Fan Radloff. Zudem waren die Promis von der Regel befreit, mit einem Treffer in eins der Doppelfelder das Leg beenden zu müssen.

So durften die nicht immer treffsicheren Harrison, Hens und Co. so manches Mal über einen entscheidenden Treffer jubeln. Während die Dartprofis van Gerven, Wright, Price, Sherrock, Hopp und der 16-fache Weltmeister und Dartlegende Phil Taylor die Sache mit den Pfeilen nicht ganz so ernst nahmen, hatte die Promi-Schar mehrheitlich der Ehrgeiz gepackt. „Was ist das für eine Wurfbewegung“, schimpfte Sportmoderator Buschmann lautstark über sich selbst.

Spaß und gegenseitiger Respekt hielten sich auf der Bühne des Maritims die Waage. So nahm sich auch Comedian Markus Krebs, der an der Seite von Dartexperte Elmar Paulke das Geschehen im Maritim kommentierte, mit seinen berüchtigten Witzen zurück. Lediglich die häufiger eingestreuten Fehlwürfe von Sarah Harrison, die auch schon mal jenseits des Boards stecken blieben, lockten Krebs aus der Reserve. „Zwei Pfeile hätten für sie heute Abend auch gereicht.“ Profis und Promis zogen am Ende eine positive Bilanz. „Die Profis geben uns Sicherheit und Ruhe“, sagte Buschmann. „Es entspannt mich, wenn ich mit einem Pascal Hens über Handball sprechen kann“, meinte Profi Max Hopp.

Der 16-fache Weltmeister Phil Taylor, der seit dem verlorenen WM-Finale 2018 gegen Rob Cross nur noch Showturniere spielt, genoss sichtlich den Jubel der Fans und schrieb fleißig Autogramme. „Ich vermisse den Druck bei den PDC-Turnieren. Aber für die anstrengenden Qualifikationen bin ich zu alt“, sagte der 59-Jährige, der sich in diesem Jahr einer Hüftoperation unterziehen muss. „Gäbe es eine Wild Card, würde ich wieder spielen. Aber ich genieße solche Events, wie das hier in Bonn.“