Nico Mausch startet beim härtesten Radrennen der Welt

Radsport : Nico Mausch startet beim härtesten Radrennen der Welt

Um beim „Race Across America“ bestehen zu können, bedarf es einer Top-Kondition und einer ausgeprägten Willenskraft. Nico Mausch aus Ahrweiler benötigt beides, um die Rennzeit von 288 Stunden bewältigen zu können.

Eine solche Distanz legt man nicht aus Spaß zurück. Auch nicht einfach mal so. Um 4800 Kilometer nonstop auf dem Rad bewältigen zu können, muss ein Athlet viel Zeit ins (Konditions-)Training investieren und darf auch bei schlechtem Wetter nicht davor zurückschrecken, in den Sattel zu steigen. Ein ausgeprägter Wille, eine solche Herausforderung zu bestehen, versteht sich von selbst.

Dass diese Willenskraft bei ihm vorhanden ist, hat Nico Mausch inzwischen bereits mehrfach unter Beweis gestellt, seitdem er 2017 beim „Race Across the Alps“ (RATA) erfolgreich finishte. Nun hat sich der Bad Neuenahrer Extremsportler zum Ziel gesetzt, nonstop von der West- zur Ostküste der USA zu radeln – beim berühmt-berüchtigten „Race Across America“ (RAAM), das am 16. Juni im kalifornischen Oceanside startet.

Damit erfüllt sich der Traum, am härtesten Radrennen der Welt teilzunehmen, schneller, als der 48-Jährige je zu träumen gewagt hatte. Möglich wird dies nicht zuletzt durch die Unterstützung seiner Familie und Freunde, die den gebürtigen Dresdner nach der erfolgreichen Teilnahme am „Race Around Austria“ 2019 sofort in seinem Vorhaben bestärkten.

Erlebnisse schaffen

Was mit einer fixen Idee anfing, sollte allmählich Realität werden. 2018 bestritt der ausgebildete Notfallsanitäter, der eigenen Angaben zufolge schätzungsweise 20.000 Kilometer pro Jahr auf dem Rad absolviert, die erste RAAM-Qualifikation im Rahmen des italienischen Alpenrennens Dolomitica. 2019 sollten nach dem „Race Across Germany“ von Aachen nach Görlitz und nach dem „Race Around Austria“ zwei weitere Einladungen folgen.

Die Frage sei erlaubt: Warum tut ein Mensch solche für „Normalsterbliche“ wahnwitzigen Dinge? Nico Mausch beantwortet sie mit einem Lächeln. „Das schafft Erlebnisse.“ – Erlebnisse, die er während des Rennens mit seinem achtköpfigen Betreuerteam teilen wird und die sicherlich für immer im Gedächtnis bleiben werden. „Du musst es wirklich wollen, und das mit aller Konsequenz“ – so lautet sein Leitspruch.

Im Vorfeld eines solchen Extrem-Rennens investiert jedes Teammitglied eine Menge Zeit. So treffen sich Mausch und seine Betreuer seit November 2019 monatlich, um alle relevanten Themen zu besprechen, Aufgaben zu verteilen und taktische Dinge zu diskutieren. Auch teambildende Maßnahmen spielen eine große Rolle, denn auch die Crew wird während der 288 Stunden Rennzeit (!) an ihre Grenzen stoßen. Sowohl physische als auch psychische Belastungen werden bei allen sehr groß sein.

Wechselnde Klimazonen

Kein Wunder: Innerhalb weniger Stunden wechseln die Klimazonen – von der Wüste Arizonas, in der zwischen 40 und 50 Grad Celsius herrschen, bis in die Rocky Mountains mit ihren über 3000 Meter hohen Pässen und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Mangelnder Schlaf wird bei der Durchquerung von vier Zeitzonen sicherlich nicht nur zum Problem des Akteurs auf dem Rad, auch die Betreuer werden damit zu kämpfen haben.

Ohnehin gibt es für die Betreuer während des Rennens schon genug zu tun, weiß Crew-Chef Thomas Küpper, der auch bei der Umrundung Österreichs im vergangenen Jahr dabei war, zu berichten. Jeweils zwei Betreuer begleiten den Fahrer permanent mit dem sogenannten Pacecar, versorgen ihn mit Nahrung und Getränken und sorgen für seine Sicherheit – ein ausgeklügeltes Schicht-System mit insgesamt sechs Personen macht’s möglich.

Zwei weitere Begleiter sind mit einem Camper, einem circa neun Meter langen Wohnmobil, unterwegs, in dem Radfahrer und Crew kurze Schlafpausen abhalten werden. Aber auch das Essen zubereiten, die Wäsche waschen und Einkaufen zählen zu ihren Aufgaben. Auch Mauschs Leistungsdaten müssen permanent kontrolliert werden; dafür zeichnen seine beiden Trainer verantwortlich. „Mit einem Physiotherapeuten und einem Fachmann für medizinische Notfälle werden wir auch auf diesem Sektor gut aufgestellt sein“, sagt Küpper. Bei einem Test-Rennen über mehr als 24 Stunden will das gesamte Team verschiedene Situationen durchspielen, Navigation und Kommunikation testen.

Natürlich ist ein solches Rennen auch eine finanzielle Herausforderung. Nicht weniger als eine mittlere fünfstellige Summe kostet eine Teilnahme samt Logistik. Doch mit ein wenig Stolz sagt Mausch: „Es gibt Menschen, die Spaß haben, diesen Weg gemeinsam mit mir zu gehen.“