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Lohmar: Leonie Fiebig tritt bei der Bob-WM an

Bobfahrerin aus Lohmar : Leonie Fiebig tritt bei der Bob-WM an

Ein Uni-Projekt macht Leonie Fiebig aus Lohmar zur Bob-Fahrerin. Am Wochenende tritt sie bei der WM in Altenberg an.

Selten passt der Ausdruck „irgendwie so reingeschlittert“ besser als bei der Sportkarriere von Leonie Fiebig. Nach anfänglichen Turnversuchen und späteren Erfolgen in der Leichtathletik musste sie verletzungsbedingt ihr Leichtathletik-Sportstipendium in den USA abbrechen. Später war der Leistungssport dann endgültig vom Tisch und die gebürtige Ostwestfälin, die von der zweiten Klasse bis zum Abitur im Lohmarer Raum gelebt hat und bis zur Oberstufe in Lohmar zur Schule gegangen ist, widmete sich der akademischen Laufbahn.

Mit Anfang 20 startete sie ihr Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln. Bachelor, Master und im besten Fall noch eine Promotion sollten die nächsten Schritte sein. Und lange Zeit lief alles nach Plan: Den Bachelor in der Tasche, schien auch der Abschluss des Masterstudiengangs nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Lediglich die Masterarbeit stand Ende 2016 noch aus, als ein wissenschaftliches Projekt alles veränderte.

Zu diesem Zeitpunkt begleitete Fiebig als wissenschaftliche Hilfskraft ein Projekt, das Skifahrer, Snowboarder und eben Bobfahrer einband. Sie selbst war zu der Zeit auf Sportarten-Suche, um sich neben dem Studium „einfach etwas fitzuhalten“. Auf einer Autofahrt nach Berchtesgaden, wo mit den Bobfahrern Messungen gemacht werden sollten, ging sie mit einer Mitarbeiterin verschiedene Optionen durch. „Dabei habe ich auch den Bobsport in den Raum geworfen, aber eher als Schnapsidee“, sagt Fiebig. Während der Messungen ließ sie dann aber fallen, dass sie von der Statur her und wegen ihrer leichtathletischen Vorausbildung wahrscheinlich auch für den Sport geeignet wäre. Kurzerhand wurde daraufhin noch am selben Abend ein erster Crashkurs für sie angesetzt.

Zunächst einmal den Start testen

„Im Stockdunkeln bin ich mit einem Trainer in eine Kaserne der Bundeswehr gegangen, um auf einer Anschubstrecke erst einmal den Start zu testen“, erinnert sich die 29-Jährige. „Dort habe ich dann Spikes bekommen, die viel zu groß waren, der Bob war unglaublich schwer und wir mussten die Bahn mit dem Auto beleuchten, da die Lichter schon ausgeschaltet waren.“ Doch ihr Ehrgeiz war geweckt. Zurück in der Domstadt rief Fiebig Thomas Prange an – einen Leichtathletiktrainer, der auch als Schnittstelle zum Bobsport fungiert – und plante mit ihm das weitere Vorgehen, um als Anschieberin den Sprung in den Zweierbob zu schaffen.

Daraufhin startete sie mit dem Training, ehe eines Abends der Anruf ihres Trainers kam, der ihr mitteilte, dass am nächsten Tag ihre erste Testfahrt in Winterberg sei. Sie solle einen Protektor und Baumwollsachen anziehen, da sie sich ansonsten bei einem Sturz aufgrund der starken Reibung auf dem Eis Verbrennungen zuziehen könnte. „So etwas will man eigentlich nicht hören, bevor man sich das erste Mal in einen Eiskanal stürzt“, sagt Fiebig und kann bei der Erinnerung mittlerweile lachen. „Aber damals hatte ich schon echt Horror vor der Fahrt. Es war dann auch total unruhig im Bob, ich hatte keine Ahnung, wo genau auf der Strecke wir sind und mir war unwohl, weil ich die Kontrolle abgeben musste. Doch aus irgendeinem Grund bin ich unten mit einem Grinsen ausgestiegen und wollte wieder hoch zum Start.“

Von da an ging alles ganz schnell

Und von da an ging alles ganz schnell. In der Saison 2017/2018 startete Fiebig, die für den BSC Winterberg fährt, zuerst im Europacup, ehe sie eine Saison später mit ihrer damaligen Pilotin Anna Köhler im Weltcup antrat. Im Herbst 2018 wurde sie als Sportsoldatin in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen und wird seitdem finanziell unterstützt. Dadurch ist Fiebigs Studienlaufbahn während der Saison nun weitestgehend redensartlich aufs Eis gelegt und ihre sportliche Karriere auf Echtes verlegt worden.

Spätestens seit diesem Winter ist sie mit ihrer aktuellen Pilotin Stephanie Schneider in der absoluten Weltspitze angelangt. Ein vierter und zwei dritte Plätze stehen in dieser Saison zu Buche – im französischen La Plagne stellten Schneider/Fiebig sogar einen neuen Startrekord auf.

Ein Highlight jagt das nächste

Ein Highlight jagt das nächste, doch der Höhepunkt der Saison steht am kommenden Wochenende erst noch bevor: Die Weltmeisterschaft im sächsischen Altenberg. Dort geht es zum Saisonabschluss um Medaillen – wovon Fiebig allerdings nichts hören will: „Um genaue Platzierungen mache ich mir keinen Kopf“, sagt sie. „Ich gebe immer mein Bestes. Wenn ich das geschafft habe, nehme ich das Ergebnis so wie es kommt.“ Anders ausgedrückt: „Et kütt wie et kütt.“ Die Wahlkölnerin transportiert das Kölsche Grundgesetz auf die Bahn. Aber nach ihrem letzten von insgesamt vier WM-Läufen am Samstag weiß Fiebig genau „wie et kütt“: „Für mich geht es an dem Abend zeitig ins Bett, damit ich am Sonntag früh zurück nach Köln fahren und noch zwei Tage Karneval feiern kann“, sagt sie und lacht. „Man muss eben seine Prioritäten setzen.“

Diese werden in den zwei Jahren danach allerdings wieder voll auf dem Bobsport liegen. Fiebigs großes Ziel sind die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking: „Darauf richte ich alles aus. Nächste Saison kann ich mich noch ausprobieren, aber für Olympia muss dann alles passen, damit ich als Anschieberin im Bob sitzen kann“, sagt sie. Zeit für karnevalistische Aktivitäten wird es neben den Wettkämpfen, dem täglichen Sprint- und Krafttraining, dem Techniktraining auf der Bahn, den Terminen bei der Physiotherapie und ausreichend Schlaf kaum geben. Denn quasi aus dem Nichts ist Leonie Fiebig in den Profisport geschlittert – und will eben das so schnell es geht auch auf der Bahn zwischen Start und Ziel tun.