Kölner Haie: Seltene Derby-Momente von Hannibal Weitzmann

Hannibal Weitzmann : So sicher spielt der Ersatz-Torwart der Kölner Haie

Vor dem Spiel gegen die Schwenninger Wild Wings hatte sich Gustaf Wesslau verletzt. Der Moment für Hannibal Weitzmann, aus dem Schatten zu treten, und sein Können unter Beweis zu stellen - zum Beispiel im 4:1-Sieg gegen die Düsseldorfer EG im Rahmen der Deutschen Eishockey Liga.

Aus der Nummer kam Hannibal Weitzmann nicht mehr raus. Der Goalie der Kölner Haie hatte das Megaphon gezielt in die Hand gedrückt bekommen, weshalb die Botschaft keine andere Deutung zuließ. Nach dem 4:1-Sieg im großen rheinischen Prestigeduell der Deutschen Eishockey Liga (DEL) über die Düsseldorfer EG war dem 24-Jährigen die Aufgabe übertragen worden, die „Humba“ mit den Fans anzustimmen. Stürmer Sebastian Uvira empfand die Wahl als „verdient“, denn Weitzmann hatte aus der Kölner Mannschaft herausgeragt. „Hanni hat extrem gut gespielt und wahnsinnige Paraden herausgeholt. Das hat uns noch einen richtigen Schub gegeben“, klopfte der Torschütze zum Endstand seinem Schlussmann verbal kräftig auf die Schulter.

Es waren seltene Momente der Aufmerksamkeit, die Hannibal Weitzmann am Sonntag in der Lanxess Arena zuteil wurden, steht die Kölner Nummer zwei üblicherweise doch deutlich im Schatten des unantastbaren Gustaf Wesslau. In der Hauptrunde der vergangenen DEL-Saison hatte Weitzmann in lediglich einer Hand voll Hauptrundenpartien die Chance erhalten, Spielpraxis zu sammeln. In dieser Runde, das hatte der neue Haie-Coach Mike Stewart bereits im Sommer angekündigt, sollen es ein paar mehr werden.

Dass der frühere Junghai dann gleich in einer solch bedeutsamen Begegnung wie gegen den Erzrivalen Düsseldorf zum Zug kam, war jedoch auf andere Umstände zurückzuführen. Vor der Partie am Freitag gegen die Schwenninger Wild Wings (2:1) hatte sich Stammtorhüter Wesslau im Training eine Fußverletzung zugezogen. Wie die Haie am Montag auf Anfrage mitteilten, wird der Schwede ganz so schnell nicht zurückkehren und voraussichtlich bis zur Deutschland Cup-Pause Anfang November pausieren müssen. Weitzmann wird demnach wohl auch in den kommenden vier Begegnungen das Kölner Gehäuse bewachen.

Eine Aufgabe, die der gebürtige Berliner gegen Schwenningen solide und gegen Düsseldorf bravourös löste. Als die Kölner im Derby in Rückstand geraten waren (30.) und die DEG auf ein schnelles zweites Tor gedrängt hatte, wendete Weitzmann mehrmals eine mögliche Vorentscheidung ab. „Hannibal hat uns im Spiel gehalten“, sprach Mike Stewart seinem Schlussmann ebenfalls ein großes Kompliment aus. Angesichts von lediglich zwei kassierten Gegentreffern in zwei Spielen zeigte sich der KEC-Coach aber auch mit Weitzmanns Vorderleuten zufrieden. „Zwei Gegentore in zwei Spielen zeigen, dass sich die Jungs auf die Defensive konzentrieren. Wir haben gegen Düsseldorf sehr aggressiv gespielt und gut gestanden“, erklärte Stewart.

Nach Jason Basts Ausgleichstreffer zu einem psychologisch enorm wertvollen Zeitpunkt Sekunden vor der zweiten Drittelpause bekamen die bis dato vor allem kämpferisch dagegenhaltenden Kölner Oberwasser und überzeugten fortan auch spielerisch. „Alles war ein bisschen schneller und stärker“, beobachtete Stewart, dessen Team durch einen Doppelschlag der Verteidiger Kevin Gagné und Jakub Kindl (48./51.) entscheidend nachlegte. „Wir haben nicht gezaubert, sondern einfach gespielt und hart gearbeitet. Dafür sind wir belohnt worden“, fasste Sebastian Uvira den Auftritt des KEC zusammen.

Durch den dritten Sieg in Folge und das Vorrücken ins Tabellenmittelfeld haben sich die Kölner eine Grundlage geschaffen, um in etwas entspannterer Atmosphäre auf die Aufgabe am Freitag (19.30 Uhr) bei Schwergewicht Red Bull München hinarbeiten zu können. Mike Stewart sieht seine Mannschaft nach scheinbar abgehaktem Fehlstart grundsätzlich auf einem „guten Weg“, mahnt aber auch, „die Konzentration jetzt nicht zu verlieren“. Schließlich steht hinter der Kölner Bande seit diesem Sommer ein Perfektionist. „Es ist noch nicht komplett nach meinem Geschmack“, sagte Stewart denn auch. „Aber wir nähern uns meinen Vorstellungen.“