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Keine Unruhe bei den Kölner Haien

Misere der Eishockeymannschaft : Keine Unruhe bei den Kölner Haien

Die Kölner Haie stecken in der Krise, doch Geschäftsführer Philipp Walter mahnt zur Besonnenheit und stellt sich vor die sportliche Führung.

Philipp Walter ist ein sehr bedachter Mensch. Dass der Geschäftsführer der Kölner Haie moderate Töne bevorzugt, mag von seiner vorherigen Tätigkeit als Kommunikationschef des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg in besonderem Maße herrühren. Dieser Vorgehensweise bleibt Walter auch in Zeiten der sportlichen Krise treu, die sich für den KEC am vergangenen Wochenende gefährlich verschärft hat.

Obwohl die Haie ihren freien Fall in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) durch Niederlagen gegen die direkten Pre-Playoff-Konkurrenten Augsburger Panther (2:3) und Nürnberg Ice Tigers (3:6) ungebremst fortgesetzt hatten, war Walter am Montag wie immer um eine ruhige Einordnung der Dinge bemüht. „Wir stecken in einer sehr schwierigen Situation mit frustrierenden Ergebnissen“, erklärte der 45-Jährige, nachdem der Negativlauf auf acht Pleiten in Folge angewachsen war. Als Ausweg aus der prekären Lage sieht Walter indes nur eine Möglichkeit als hilfreich an: „Wir müssen geschlossen und sachlich mit dieser Situation umgehen.“

Dazu gehört für Philipp Walter, sich nicht den Mechanismen des Geschäfts zu beugen. Trotz der bereits zweiten großen Misere in dieser Saison ist das Vertrauen in den vor Rundenbeginn als ausdrücklichen Trainer-Wunschkandidaten verpflichteten Mike Stewart (47) ungebrochen groß. „Mikes Verhältnis zur Mannschaft ist absolut intakt“, meint Walter. Als Beleg dafür nimmt der Geschäftsführer die kämpferische Vorstellung am Sonntag in Nürnberg, wo die Kölner zweimal einen Rückstand wettgemacht hatten. „Die Leistung war über weite Strecken gut. Das zeigt mir, mit welcher Bereitschaft alle daran arbeiten, aus diesem Tal herauszukommen“, sagt Walter.

Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass es Mike Stewart bislang nicht gelungen ist, eine klare Handschrift erkennen zu lassen. Das von ihm geforderte schnelle, aggressive Eishockey war nur in der Phase des sportlichen Hochs von Anfang November bis Mitte Dezember dauerhafter Bestandteil des Kölner Spiels. Nach mehr als zwei Drittel der absolvierten Hauptrundenpartien hat der Kanadier in der Zusammenstellung seiner Reihen zwar viel hin- und hergeschoben, aber noch keine Lösung dafür gefunden, um das bei der Effizienz in den einstelligen Prozentbereich abgestürzte Powerplay in zumindest halbwegs akzeptable Bahnen zu lenken. Die Haie hielten in Nürnberg zwar lange mit, offenbarten bei den Special Teams aber einmal mehr entscheidende Nachteile – und sind seit mittlerweile 44 Überzahl-Versuchen ohne Torerfolg.

Ein Grund dafür ist, dass es dem Haie-Kader seit den Abgängen von Distanz-Spezialisten wie Shawn Lalonde, Fredrik Eriksson oder Christian Ehrhoff an treffsicheren Scharfschützen fehlt. Dieses Defizit fällt wiederum in den Verantwortungsbereich von Mark Mahon (54). Der Sportdirektor wird im Club-Umfeld auch deshalb zunehmend kritisch gesehen, weil er seit seinem Amtsantritt Anfang 2016 bei der Auswahl der Importspieler aus ausländischen Ligen selten ein glückliches Händchen bewiesen hat.

Dass der Kölner Kader gerade auf den Ausländerpositionen qualitativ einfach nicht gut genug besetzt ist, macht sich vor allem in der Offensive auf eklatante Weise bemerkbar. Mit nur 2,4 erzielten Treffern pro Partie stellt der KEC den drittschlechtesten Angriff der Liga. Der aktuelle Kölner Topscorer Jason Akeson liegt mit 24 Punkten (sieben Tore, 17 Vorlagen) im ligaweiten Gesamtranking ebenfalls nur auf Platz 50.

Doch Philipp Walter stellt sich schützend vor seinen Sportdirektor, dessen Vertrag noch bis 2021 läuft: „Ich bin kein Freund davon, einzelne Personen herauszupicken“, betont der Geschäftsführer. Der Sprung aus der Krise soll also zumindest vorerst ohne personelle Konsequenzen gelingen. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am Donnerstag (19.30 Uhr, Lanxess Arena) erneut gegen Nürnberg.