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Handball-Regionalliga: HSG Siebengebirge gewinnt Lokalderby

Handball-Regionalliga : HSG Siebengebirge gewinnt Lokalderby

In einem bis in die Schlusssekunde dramatischen Bonn-Sieg-Lokalderby unterlagen die mittlerweile vom Pech verfolgten Handballer des TV Rheinbach M 1883 vor gut 400 Zuschauen in eigener Halle der ebenfalls ersatzgeschwächten HSG Siebengebirge mit 25:26 und befinden sich als Tabellenzwölfter weiterhin in höchster Abstiegsgefahr. Der TSV Bonn rrh. spielte unentschieden.

Die Siebengebirgler behielten ihren fünften Tabellenrang. Die TSV Bonn rrh. musste nach dem 26:26-Remis beim TV Aldekerk die Tabellenführung an die SG Langenfeld abgeben, die nach Pluspunkten zu den Beuelern aufgeschlossen hat, aber bei einem Spiel Rückstand zwei Minuspunkte weniger aufweist.

TV Rheinbach M 1883 - HSG Siebengebirge 25:26 (13:12): Hängende Köpfe und Fassungslosigkeit auf der einen, eine Jubeltraube auf der anderen Seite – Sekunden nach dem Schlusspfiff entluden sich die Emotionen eines spannenden und dramatischen Lokalderbys, dessen Zutaten Einsatz und Kampf bis an die Schmerzgrenze waren. Gerade die letzten Aktionen zeigten, wie nahe in diesem Spiel Sieg und Niederlage beieinander waren. So krachte 30 Sekunden vor Schluss ein fulminanter Unterarmwurf von René Lönenbach an die Unterkante der Torlatte, sprang aber wieder ins Feld. Im Gegenzug gab es mit dem Abpfiff einen Siebenmeter für die HSG, den der junge Oliver Dziendziol eiskalt zum 26:25-Siegtreffer verwandelte.

So unglücklich das Spiel auch für die konsternierten Rheinbacher endete, letztlich war es ein verdienter Sieg der Siebengebirgler, die über weite Strecken das spielerisch bessere Team waren. Beide Mannschaften traten ersatzgeschwächt an, wobei der RTV mit Philipp Breuer, Christian Dobbelstein und Florian Genn auf drei Akteure verzichten musste. Die HSG traf es mit den fünf Ausfällen Felix Heldmann, Andre Kirfel, Malte Mondry, Bjarne Steinhaus und vor allen Dingen Spielmacher und Haupttorschütze Edgar Schulz noch härter. Dennoch war die HSG in den ersten 20 Minuten aufgrund aggressiver Abwehrarbeit und eines beweglichen, die Positionen ständig wechselnden Angriffs, der von Bastian Willcke umsichtig dirigiert wurde, die bessere Mannschaft. Dagegen war die Rheinbacher Abwehr zu behäbig gegen den HSG-Rückraumschützen Alexander Telohe und ließ dem unermüdlich ackernden Kreisspieler Nils Grunwald zu viel Spielraum. Dazu häuften sich im Angriff des RTV die technischen Fehler. Die logische Folge war eine 10:7-Führung (19.) der Gäste.

Nun brachte RTV-Trainer Dietmar Schwolow den immer noch leicht angeschlagenen Lönenbach als Vorgezogenen der vom 6:0- auf ein offensiveres 5:1-System umgestellten Abwehr. Eine wirksame Maßnahme, denn angetrieben von dem in der ersten Halbzeit überragenden Florian Feindt legte der RTV mit einem 6:1-Lauf auf 13:11 (26.) vor. Willi Meiling verkürzte noch zur knappen 13:12-Halbzeitführung des RTV.

In der Pause dann der nächste Schock für Rheinbach. Oliver Dasburg musste mit einer nach 15 Minuten erlittenen Fußverletzung ins Krankenhaus, sodass der RTV nur noch über sieben Feldspieler verfügte. Nach dem Wechsel verfielen die Rheinbacher wieder in ihr Phlegma, und die hellwachen Siebengebirgler setzten sich mit einem pausenübergreifenden 6:1-Lauf auf 18:14 (38.) ab. In den folgenden vier Minuten spielte der RTV in doppelter Überzahl, die er zum 18:18 (42.) nutzte. Die Partie war jetzt völlig ausgeglichen, und auch das bisher recht ruhige Rheinbacher Publikum wachte auf. Mit der Unterstützung der Fans egalisierte der RTV bis zum 22:22 (50.) jeweils einen Ein-Tore-Rückstand. Obwohl Martin Schwarz nach zwei Zeitstrafen in Folge die Rote Karte sah, legte Rheinbach in Unterzahl mit einem Doppelschlag des bärenstarken Kreisspielers Daniel Fischer und des trotz seiner Verletzung stark aufspielenden Lönenbach über 24:23 (54.) nach zwei Holztreffern der Gäste auf 25:24 (58.) vor.

Doch dann entschied Rheinbacher Wurfpech die Partie. Erst scheiterte Rechtsaußen Thorben Reyer freistehend an HSG-Torwart Timo Adeyemi, dann Lönenbach an der Unterkante der Torlatte. In beiden Gegenangriffen erarbeiteten sich die Siebengebirgler einen Siebenmeter, Dziendziol verwandelte jeweils sicher – die Entscheidung.

„Wir haben einfach die Seuche“, meinte RTV-Trainer Dietmar Schwolow. „Wieder ein Spiel knapp verloren, dazu mit Dasburg ein weiterer Ausfall wegen Verletzung. In punkto Einstellung und Kampf kann ich der Mannschaft aber nur ein Kompliment aussprechen.“ HSG-Trainer Bastian Hoffmann sprach von einem verdienten Sieg: „Durch die Fehler haben wir uns das Leben selbst schwergemacht. Allerdings fand ich es schon beeindruckend, dass wir nach dem Rückstand in der Schlussphase Moral bewiesen und uns wieder ins Spiel gekämpft haben.“

TV Rheinbach: Funke, Thürnau (beide Tor), Oliver Dasburg, (1/1), Feindt (8), Fischer (6), Hammann (1), Lönenbach (4/2), Reyer (3), Martin Schwarz, Timm Schwolow (2).

TV Aldekerk - TSV Bonn rrh. 26:26 (10:11): „Das Ergebnis geht in Ordnung. Mit besserer Chancenauswertung wäre mehr drin gewesen, wobei wir am Ende etwas Glück hatten, noch einen Punkt zu holen“, hielt sich die Enttäuschung von TSV-Trainer David Röhrig wegen des Punktverlustes in Grenzen. Da die Beueler Abwehr einige Probleme mit Aldekerks Rechtsaußen Thomas Plhak hatte und auch die Torleute während des gesamten Spiels kein Rückhalt waren, geriet die TSV 2:3 (10.) in Rückstand. Allerdings vergaben die Beueler in der Anfangsphase vier hochkarätige Chancen (zwei Siebenmeter, zwei Gegenstöße), hätten also klar führen müssen.

Danach wurde die Chancenauswertung besser, und die Beueler kamen über 8:8 (20.) zu einer knappen 11:10-Pausenführung. Nach dem Wechsel erhöhte die TSV zunächst auf 15:12 (35.). Doch dann wurden mehrere Chancen versiebt, darunter wieder ein Strafwurf, sodass der TVA zum 16:16 (45.) ausglich. Die Gastgeber gingen 15 Sekunden vor Schluss sogar mit 26:25 in Führung. Den schnellen Anwurf der Beueler versuchte ein Aldekerker regelwidrig im Mittelkreis zu verhindern. Den daraufhin fälligen Siebenmeter verwandelte Nils Bullerjahn nervenstark zum 26:26-Ausgleich.

TSV Bonn rrh.:Rieder, Schäper (beide Tor), Benninghoff-Lühl (3), Bullerjahn (2/1), Labes (4/4), Lauktien (2), Maeser (4), Palmen (2), Rath (3), Simon Röhrig (1), Rohloff (1), Struif (1), David Terehov, Wilhelms (2).