Premiere geglückt: Hertha Bonn bietet erstes integratives Training an

Premiere geglückt : Hertha Bonn bietet erstes integratives Training an

Am Sonntag fand bei Hertha Bonn das erste inklusive Fußballtraining im Bonner Raum statt. 14 Jungen und Mädchen mit und ohne Behinderung sind zum Schnuppertraining gekommen.

Ein lauter Pfiff ertönt, der das Training auf dem Aschenplatz des FC Hertha Bonn beendet. Erschöpft kommen die Nachwuchsfußballer in einem Kreis zusammen. Das Trainerteam richtet ein paar abschließende Worte an die Mannschaft, Spieler und Betreuer klatschen sich gegenseitig ab, dann folgt der Weg zum Spielfeldrand, um einen erfrischenden Schluck aus der Trinkflasche zu nehmen.

Ein gewöhnliches Szenario, das täglich Dutzende Male auf den Bonner Fußballplätzen zu beobachten ist. An diesem Sonntagnachmittag findet in Dottendorf jedoch etwas Außergewöhnliches statt: Das erste inklusive Fußballtraining im Bonner Raum.

Beim Schnuppertraining kommen dafür 14 Jungen und Mädchen im Grundschulalter mit und ohne Behinderung zusammen. Unter Anleitung der Trainer Ole Hotz, Max Ruhr und Enrico Wildenberg wird gedribbelt, geschossen und nach erzielten Toren ausgiebig gejubelt. Fachmännische Unterstützung erhalten die drei Nachwuchstrainer von Joshua Espeter, der für den gemeinnützigen Verein TABALiNGO arbeitet und Vereinen bei der Planung von integrativ-inklusiven Sportangeboten hilft.

Den Anstoß für die Initiative bei der Hertha hat Melanie Bernard gegeben, Mutter eines Nachwuchskickers, indem sie mit ihrem Anliegen an den Verein herantrat: „Mich haben am Spielfeldrand immer wieder Eltern angesprochen, dass sie sich ein inklusives Fußballtraining für ihre Kinder wünschen. Daraufhin habe ich mich an den Vorstand gewendet und wir haben die Aktion ins Leben gerufen.“

FC Hertha Bonn und Bonner Lebenshilfe

„Wir“, das sind auf der einen Seite natürlich der FC Hertha Bonn und auf der anderen Seite die Bonner Lebenshilfe, für die Melanie Bernard als Sozialpädagogin tätig ist. „Für unseren Club ist solch ein Angebot absolutes Neuland. Deswegen sind wir froh, dass uns die Bonner Lebenshilfe dabei zur Seite steht. Wichtig ist, dass unsere Trainer im Bereich Inklusion ausreichend geschult sind“, so Jörg Michael, 2. Vorsitzender.

Diese Schulung führte Joshua Espeter im Vorfeld des Schnuppertrainings durch, indem er die drei Nachwuchstrainer im Theorieunterricht auf die Aufgaben und Herausforderungen im gemeinsamen Umgang mit Kindern mit und ohne Behinderung vorbereitete. „Die Schwierigkeit ist es, darauf zu achten, dass sowohl Unter- als auch Überforderung weitestgehend vermieden werden“, sagt Espeter. „Die Übungen müssen so gestaltet sein, dass sie schnell vereinfacht und erschwert werden können. Ansonsten kommt es bei den Spielern einerseits zu Frustration und andererseits zu Langeweile.“

Was in der Theorie trivial erscheint, bereitet bereits in der ersten Trainingsform Probleme. Mit dem Ball in der Hand soll durch eine Koordinationsleiter gehüpft werden, danach kommt der Ball an den Fuß und es folgt das Durchdribbeln von Hütchen mit abschließendem Torschuss auf ein kleines Tor. Für die einen ein angemessener Schwierigkeitsgrad, andere wiederum haben mit der Komplexität von drei Stationen in einer Übung zu kämpfen – schnell staut es sich am Hütchenparcours.

Das Trainerteam entscheidet, dass der Ball im Parcours auch in die Hand genommen werden darf. „Das sind Herausforderungen, an die wir vorher überhaupt nicht gedacht haben. Daran muss man sich auch als Trainer erst einmal gewöhnen“, sagt Hotz und Ruhr fügt hinzu: „Wir haben schnell gemerkt, dass man mit kleinen Veränderungen wieder einen harmonischen Übungsablauf herstellen kann. Das ist ein guter Lerneffekt für uns.“

Um ihr Repertoire an Übungen und den Umgang mit Kindern mit und ohne Behinderung noch weiter zu verbessern, sind die Trainer bald auf einer zweiwöchigen Fortbildung vom Fußball-Verband Mittelrhein (FVM), bei der auch das Thema Inklusionsfußball vertieft werden soll.

Auch Bernd Neuendorf, der neue Präsident des Verbandes, war am Sonntag auf dem Platz, um sich selbst einen Eindruck von dem Angebot zu machen: „Solch eine Aktion ins Leben zu rufen, ist natürlich eine super Initiative. Großes Lob an Hertha Bonn und an die Bonner Lebenshilfe.“

Und des kam vor allem beim finalen Abschlussspiel nicht zu kurz. Die Trainer stellen zwei ausgeglichene Mannschaften zusammen und die wilde Jagd nach Ball und Toren beginnt. Auch wenn so manch ein Nachwuchskicker zwischenzeitlich lieber bei den Eltern neben als auf dem Platz stehen will oder bei einem Spieler, zum Zeitpunkt des Rückstandes seines Teams, der Wunsch aufkommt, in die andere Mannschaft zu wechseln, waren die Freude während des Spiels und der Stolz danach deutlich zu erkennen. Ab dem 16. September findet immer montags von 15.30 bis 17 Uhr das Training statt. Bei ausreichend vielen Anmeldungen wird der Inklusionsfußball beim FC Hertha Bonn ein fester Bestandteil. So wird das Außergewöhnliche zur Gewohnheit.

Informationen und Anmeldung nach einer E-Mail an inklusion@herthabonn.de oder unter 0228/555840.

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