Fechten: Große Bühne auch für kleine Fechter

Fechten : Große Bühne auch für kleine Fechter

OFC Bonn zieht nach dem „Löwen von Bonn“ positive Bilanz. Lob von Sieger Davis.

„Et hätt noch immer joot jejange.“ Artikel drei des kölschen oder auch rheinischen Grundgesetzes fand am Wochenende im buchstäblichen Sinne beim Weltcupturnier „Löwe von Bonn“ Anwendung. Die 44. Auflage des traditionsreichen internationalen Herrenflorett-Wettbewerbs war für den ausrichtenden OFC Bonn zu einem besonderen Kraftakt geworden, weil der Club durch den Termin an Karneval besondere organisatorische Härten zu kompensieren hatte (der GA berichtete). Aber als am Sonntag beim Mannschaftswettbewerb der letzte Treffer gesetzt war und mit den Aufräumarbeiten in der Hardtberghalle begonnen wurde, konnte OFC-Präsidentin Gudrun Nettersheim ein rundum positives Fazit ziehen. „Am Ende hat fast alles reibungslos geklappt. Ich muss sagen, dass ich selten einen so ruhigen und gelassen verlaufenen Löwen erlebt habe“, stellte sie zufrieden fest.

Aus sportlicher Sicht besonders war auch der historische Sieg von James-Andrew Davis, der als erster Engländer den „Löwen“ gewann. Der Europameister von 2014 hat einen interessanten Lebenslauf, denn vor den Olympischen Spielen 2012 in London stand die Fechtkarriere des damals stark übergewichtigen Davis auf der Kippe. Sein Trainer stellte ihm ein Ultimatum: abspecken oder aufhören. Davis entschied sich für Ersteres und nahm 32 Kilogramm ab.

Über den Erfolg in Bonn freute er sich mehr, als es sein verhaltener Jubel nach dem entscheidenden Treffer aussagte. „Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel. Bonn ist eines der schönsten Turniere im Weltcup. Und jetzt bin ich der erste Engländer, der hier gewonnen hat“, sagte der 24-Jährige.

Seinem Finale gegen Chamley-Watson voraus ging die Entscheidung im vom OFC Bonn im Rahmen des Weltcups eingeführten Nachwuchsturnier „Kleiner Löwe von Bonn“. Die besten vier B-Jugendlichen durften auf der Hochbahn vor großem Publikum um den Sieg fechten. David Liebscher vom OFC setzte sich gegen seinen Vereinskameraden Noah Braun durch. Auf den dritten Platz kamen Toni Menzel (Burgsteinfurt) und Nick-Malte Lenschow (Soltau).

Beim großen „Löwen“ freute sich der OFC Bonn über einen Rekord. „219 Fechter aus 43 Nationen, so viele Fechter hatten wir nicht, seitdem vor langer Zeit eine Teilnehmerbeschränkung eingeführt wurde“, sagte Andreas Müller, Vizepräsident des Vereins.

Die deutschen Herrenflorettfechter um Bundestrainer Uli Schreck dürfen nicht lange der verpassten Teilnahme am olympischen Mannschaftswettbewerb nachtrauern. Das Weltcup-Leben geht weiter. Als nächstes steht im März der Grand Prix von Havanna auf dem Programm, bei dem nur im Einzel gefochten wird.

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