Kampfsport: Fünf nervenaufreibende Runden

Kampfsport : Fünf nervenaufreibende Runden

Der Sinziger Mohamed Abdallah ist neuer Weltmeister im K-1-Kampfsport. Dabei wäre er im zweiten Abschnitt fast K.o gegangen.

Der Sinziger Mohamed Abdallah ist der neue Weltmeister im K-1-Kampfsport, der unter anderem Techniken von Kickboxen, Muay Thai und Taekwondo verbindet. Beim Schwergewichts-Kampf des Verbands WMAO in der Rheinhalle Remagen besiegte der 22-Jährige den Türken Bugra Tugay Erdogan. Nach fünf nervenaufreibenden Runden entschied sich ein Punktrichter für den angereisten Erdogan, die beiden anderen stimmten hingegen knapp für Abdallah, was ihm den Sieg bescherte.

Dass Erdogan der Gegner von Abdallah wurde, entschied sich erst zehn Tage vor dem Aufeinandertreffen. Der ursprüngliche Kontrahent, Taha Efe, erhielt kein Visum und konnte nicht antreten. Die Umstellung auf den neuen Kontrahenten war für Abdallah ein Problem: „Taha wäre kleiner gewesen, Tugay ist sogar noch etwas größer und schwerer als ich. Das ändert vieles an der Herangehensweise.“ Über eine Absage habe er dennoch nicht nachgedacht. „Ich habe den Ersatzgegner angenommen, ohne mit der Wimper zu zucken. Wir hatten schon Hunderte Karten verkauft und viele haben sich auf den Kampf gefreut. Außerdem habe ich mich monatelang auf diesen Tag vorbereitet“, so Abdallah.

Keine optimale Vorbereitung

Die Wochen vor dem Kampf liefen ebenfalls keineswegs ohne Komplikationen ab. Der Sportler musste mehrmals Antibiotika nehmen, lag wegen einer Mandelentzündung fünf Tage im Krankenhaus und verletzte sich anschließend an der Schulter. „Ich habe vier Wochen nicht trainieren können und war dann direkt wieder eingeschränkt. Das war unglaublich frustrierend“, blickt er zurück. Im Abschlusstraining, wenige Tage vor dem WM-Kampf, ist der Sinziger gestürzt und schlug sich das linke Bein auf, was ihn einschränkte. „Im Ring habe ich nur ein einziges Mal mit links getreten. Das ist mir gar nicht aufgefallen, aber ich hatte eine mentale Blockade.“

Vor allem in den ersten Runden schien sich die unvorteilhafte Vorbereitung auszuwirken. Zum Ende des zweiten der fünf Abschnitte traf Erdogan den Lokalmatadoren mit einem Haken am Kopf. Abdallah war sichtlich benebelt und wurde angezählt. „Das war das erste Mal in meiner Karriere, dass mich ein Ringrichter angezählt hat. Ich war verzweifelt und wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte“, beschrieb er die Situation. Der Gong rettete ihn jedoch vor einer möglichen Niederlage.

Sowohl sein Betreuerstab als auch die 500 Zuschauer in der Rheinhalle stärkten ihm den Rücken: „Die Halle hat gebebt und meine Ecke hat mich wieder aufgebaut. Danach habe ich ein unglaublich hohes Tempo gefahren und den Gegner auch einige Male zum Taumeln gebracht.“ Das Tempo sollte gerade so hoch genug sein, die Punktentscheidung war denkbar knapp und Abdallah siegte mit dem Vorsprung einer einzigen Wertung.

Fokus auf die nächste Veranstaltung

Erdogan zeigte sich als vorbildlicher Sportsmann und gratulierte Abdallah. Am Morgen nach dem Kampf trafen sich die beiden zusammen mit ihren Trainern in einem Café zum Frühstück. „Ich lege ganz viel Wert darauf, mich mit meinen Gegnern zu verstehen“, meint der frisch gebackene Weltmeister. „Auch wenn vor unserer Disziplin die Vorsilbe Kampf steht, ist es ein Sport. Und da geht es für mich um Fairness, Respekt und Disziplin.“

Trotz des großen Erfolg möchte der 22-Jährige keineswegs herunterschalten. Nach einer Woche Trainingspause und dem anschließenden Urlaub gehe direkt die Vorbereitung auf die nächsten Veranstaltungen los: „Es gibt noch größere Verbände, in denen man Titel holen kann. Der nächste Termin ist im März. Da steigt ein Turnier in Bochum, der Gewinner von dort darf in Rotterdam um ein wirklich hohes Preisgeld kämpfen. Das ist ein riesiger Ansporn, direkt weiter zu machen.“

Und Ansporn dürfte auch sein, dass Abdallah dann als Weltmeister präsentiert wird.