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Friesdorfer Torwart zu libyscher Nationalelf eingeladen

Abduelrihim Eldaghais : Friesdorfer Torwart zu libyscher Nationalelf eingeladen

Abduelrihim Eldaghais steht in der Fußball-Mittelrheinliga beim FC Blau-Weiß Friesdorf im Tor. Bald muss das Team allerdings auf seinen libyschen Stammkeeper wegen einer Länderspieleinladung verzichten.

Am 10. März geht für Abduelrihim Eldaghais ein lang gehegter Traum in Erfüllung. An diesem Tag startet in der Nähe der tunesischen Hauptstadt Tunis ein zehntägiges Trainingslager der Fußball-Nationalmannschaft Libyens. Mit dabei: der Torhüter des Mittelrheinligisten FC Blau-Weiß Friesdorf.

Der Anruf eines Angestellten des libyschen Nationaltrainers Faouzi Benzarti erreichte den 32-Jährigen Anfang Februar. Der Tunesier Benzarti trainierte Libyen bereits von 2007 bis 2009. „Ich konnte es erst nicht glauben, dass ich dabei bin“, erinnert sich Eldaghais. „Aber es ist wahr. Ich darf mit den Nationalspielern meines Heimatlandes trainieren.“

Wegen des aktuellen Bürgerkrieges ist Fußball Nebensache

Das Nationalteam des vom Bürgerkrieg erschütterten Landes in Nordafrika steht in der Rangliste der afrikanischen Staaten auf Platz 21. Nur Äthiopien ist schlechter. Kein Wunder, denn Truppen und Milizen der Regierung Fayiz as-Sarradsch und des Machthabers Ost-Libyens, Chalifa Haftar, kämpfen um die Vorherrschaft. Fußball spielt nur eine Nebenrolle.

In der Rangliste des Weltfußballverbandes Fifa wird Libyen aktuell auf Platz 101 geführt, vor Armenien und hinter Mauretanien. Noch nie war das Land für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert. Am Afrika-Cup nahm Libyen zweimal teil: 1982 erreichte das unbekannte Team als Gastgeber des Turniers überraschend das Finale, verlor erst im Elfmeterschießen gegen Ghana. 2006 qualifizierte sich Libyen zum zweiten Mal, konnte sich aber in der schweren Vorrundengruppe mit den späteren Finalisten Ägypten und Elfenbeinküste nicht durchsetzen.

Eldaghais bereits in den U-Auswahlen im Einsatz

Damals lebte Eldaghais in Libyen, galt als vielversprechendes Torhütertalent. Für die U17 und U21 Libyens absolvierte der Schlussmann 15 Spiele. Dann aber brach die sogenannte Revolution des 17. Februar im Zuge des Arabischen Frühlings aus. Der politische Konflikt eskalierte zur militärischen Auseinandersetzung. Eldaghais kämpfte und wurde durch einen Granatsplitter schwer am Bein verletzt. „Damals habe ich viele meiner Freunde verloren“, erinnert er sich. Über die Türkei flüchtete der damals 26-Jährige 2013 nach Deutschland.

Seine Fußballkarriere schien aufgrund der schweren Verletzung beendet. „Viele haben damals gesagt, dass es keinen Sinn mehr macht“, erinnert sich Eldaghais. Der Torhüter aber wollte nicht aufgeben. Im Juni 2015 – Eldaghais spielte damals unter Schmerzen in der Kreisliga A für den VfL Meckenheim – operierte Thomas Kälicke, Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie den Torhüter. Mit Erfolg. Der Libyer erholte sich schnell von dem Eingriff und wechselte nach Friesdorf, spielte in der Saison 2015/2016 zunächst in der zweiten Mannschaft.

Seit der Rückrunde die Nummer Eins im Tor

2017/2018 war Eldaghais hinter David Weidner die Nummer zwei im Kader der Erstvertretung, seit der Rückrunde der Spielzeit 2018/2019 ist er die Nummer Eins im Tor der Blau-Weißen. In der Hinrunde dieser Saison absolvierte Eldaghais, der am Silvestertag 2019 Vater einer gesunden Tochter wurde, alle Spiele.

„Er ist ein Torhüter, der Ruhe ausstrahlt, und abseits des Platzes ein sehr freundlicher Mensch“, sagt FC-Trainer Thomas Huhn über seinen frischgebackenen Nationalspieler. „Wir drücken ihm sämtliche Daumen, dass es mit der Nationalelf klappt.“

Am 9. März startet Eldaghais Richtung Tunesien. In einem ersten Testspiel gegen eine tunesische Vereinsmannschaft soll der Friesdorfer Schlussmann das Tor hüten. „Danach wollen die Trainer entscheiden, wie es weitergeht“, sagt Eldaghais. Gelingt die Premiere, winken zwei Länderspiele am 23. und 28. März gegen Äquatorialguinea.

„Ich kann es kaum erwarten“, sagt Eldaghais, mittlerweile Kapitän der Friesdorfer. „Und ich hoffe sehr, dass sich Friesdorf während meiner Abwesenheit in der Mittelrheinliga behauptet.“