Deutsche Post Marathon: Feuerwehr läuft Bonn-Marathon in Einsatzausrüstung

Deutsche Post Marathon : Feuerwehr läuft Bonn-Marathon in Einsatzausrüstung

Um Spenden zu sammeln, läuft ein Team aus Bonner Berufsfeuerwehr und freiwilliger Feuerwehr den Deutsche Post Marathon. Das Besondere: Sie gehen in kompletter Einsatzausrüstung an den Start.

Nach 19 Runden zeigt die Stoppuhr eine Zeit von 50 Minuten und 26 Sekunden an. Für eine Strecke von acht Kilometern entspricht das einem Schnitt von etwas mehr als sechs Minuten pro Kilometer. „Insgesamt acht Minuten schneller als beim letzten Mal“, bilanziert Sebastian Sedlacek von der Bonner Berufsfeuerwehr. Dabei ist die Zeit für das Team der Feuerwehr nur zweitrangig, primär geht es ums Ankommen. Schließlich gehen die Feuerwehrleute beim Deutsche Post Marathon in diesem Jahr unter erschwerten Bedingungen an den Start – und zwar in kompletter Einsatzausrüstung. Mit der Aktion wollen die Feuerwehrmänner für ihren Beruf werben, aber auch Spenden für Kinder mit Brandverletzungen sammeln.

Rund 15 Kilo wiegt die Arbeitskleidung aus Schutzjacke, Hose, Helm und Atemschutzgerät, mit der sie an diesem Abend trainieren. Nur beim Schuhwerk gibt es eine Ausnahme: Statt der schweren Sicherheitsstiefel tragen die Teilnehmer normale Laufschuhe. „Das Gewicht ist nicht das Problem, sondern die Kleidung“, sagt Frank Frenser, Pressesprecher der Bonner Feuerwehr. Die dicke Einsatzjacke hält Feuer und Hitze ab, das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass sie keine Hitze nach außen lässt.

„Der Hitzestau ist das größte Problem. Das stellt eine Herausforderung dar. Es wird schnell sehr warm “, erklärt Frenser. Mit dieser Montur wollen die Feuerwehrmänner jedoch nicht die volle Distanz bewältigen, sondern teilen sich die 42,195 Kilometer lange Strecke als Staffel auf: Acht Männer und eine Frau werden am Koblenzer Tor an den Start gehen. Ähnlich wie die Schulstaffeln müssen die Läufer dann eine Etappe von etwa fünf Kilometern zurücklegen.

Drei gemeinsame Trainingsabende bis zum Bonn Marathon

An diesem Abend wenige Wochen vor dem Marathon absolvieren die Feuerwehrmänner ihr zweites gemeinsames Lauftraining auf dem Sportplatz an der Elsa-Brändström-Schule in Tannenbusch. Das Team ist bunt gemischt – vom stellvertretenden Bonner Feuerwehr-Chef Carsten Schneider bis zu Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr. Mit Schneider laufen seine Kollegen Frenser und Sedlacek sowie Andreas Kirpal (Freiwillige Feuerwehr Dransdorf) sowie Thilo Wüstenberg und Matthias Duve (beide Freiwillige Feuerwehr Buschdorf).

Die Acht-Kilometer-Distanz, die sie sich vorgenommen haben, soll ihnen ein gutes Tempogefühl für den Wettkampf geben. Jeder Einzelne hat mit der Ausrüstung im Training schon deutlich längere Strecken geschafft. Das gibt Sicherheit. „Sollte jemand krank werden, muss ein anderer die zehn Kilometer laufen“, sagt Frenser. Während die Feuerwehrmänner ihre Runden auf der Aschenbahn drehen, spielt eine Jugendfußballmannschaft ein paar Meter weiter auf dem Rasenplatz. Spontan laufen einige Jungen eine Runde mit den Feuerwehrleuten zur Unterstützung mit.

Auf die Idee für die ungewöhnliche Laufaktion hatte die Feuerwehr ein Fernsehdreh mit dem WDR im vergangenen Jahr gebracht. Damals hatte sich die Feuerwehr ebenfalls auf das Lauf᠆event vorbereitet – jedoch noch in ganz normalen Sportsachen. Dabei kam schließlich der Vorschlag auf, einmal in kompletter Feuerwehrkluft zu laufen – so wie es andere Wehren bei vergleichbaren Laufveranstaltungen bereits getan haben.

Beispielsweise waren im vergangenen Herbst Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren aus Siegburg, Königswinter, Bad Honnef, Sankt Augustin und Bonn beim Siegburger Citylauf für die Opfer des Brandes entlang der ICE-Strecke angetreten. „Beim Firmenlauf waren wir auch schon einmal in Uniform unterwegs“, erzählt Schneider. Es gehe ihnen darum, auf die Arbeit der Wehrleute aufmerksam zu machen. „Hinzu kommt der angenehme Effekt, dass wir dadurch einen Verein fördern können, der uns am Herzen liegt“, so Schneider. Mit der Aktion sammelt das Team Spenden für den Verein Paulinchen.

Verein Paulinchen sammelt für Brandopfer

Dieser setzt sich für Familien von Kindern mit Verbrennungen ein. „Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat das Projekt 'Kommmitmensch' ins Leben gerufen. Diese Kampagne fördert das Miteinander in Unternehmen. Die Gesetzliche Unfallversicherung hat uns eine Spende für den Verein Paulinchen zugesagt, da unser Laufprojekt perfekt in das Bild passt“, erklärt Frenser. Vertreten wird die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung bei dieser Aktion von der CW Haarfeld.

Der Lauf ist gleichzeitig ein besonderer Test der eigenen Ausdauer. Körperliche Fitness gehört zum Job eines jeden Feuerwehrmannes dazu – egal ob Berufsfeuerwehrmann oder freiwilliges Mitglied. In einer 24-Stunden-Schicht haben die Berufsfeuerwehrmänner allein eineinhalb Stunden für Betriebssport vorgesehen. Daher gibt es auf jeder Wache einen Sportraum mit verschiedenen Fitnessgeräten – wie Laufbändern, Fahrradergometern oder Kraftgeräten.

Welcher Sport in den anderthalb Stunden absolviert wird, das kann sich dabei jeder selbst aussuchen und die Übungen einteilen. Auch während der Bereitschaftszeit nutzen die Mitglieder der Bonner Feuerwehr Möglichkeiten, um sich fit zu halten. Manchmal positionieren sich die Feuerwehrleute mit ihren Löschfahrzeugen in der Nähe von Sportplätzen, um die Zeit bis zum nächsten Einsatz mit Fußballspielen oder Laufen zu überbrücken.

Alle drei Jahre müssen sich die Berufsfeuerwehrleute zudem arbeitsmedizinisch untersuchen lassen. Dabei wird mittels Belastungs-EKG ihre Leistungsfähigkeit überprüft. Schließlich muss im Ernstfall der Körper großer Belastung standhalten. Außerdem steht bei der Einstellung ein Fitnesstest auf dem Programm – Ähnliches gilt für die Aufnahme in Freiwillige Feuerwehren.

Insgesamt zählt die Bonner Berufsfeuerwehr 400 Feuerwehrmänner, hinzu kommen 600 Mitglieder in den Löscheinheiten der Freiwilligen Feuerwehren in ganz Bonn.

Während das Staffelteam auf der Marathonstrecke unterwegs sein wird, stehen die Kollegen am Streckenrand bereit. Die Bonner Feuerwehr koordiniert nämlich beim Deutsche Post Marathon den kompletten Sanitätsdienst, der hauptsächlich von den Hilfsdiensten im Stadtgebiet übernommen wird. Zusätzlich steht die Freiwillige Feuerwehr mit ihren Löschfahrzeugen am Streckenrand – an solchen Stellen, die aufgrund der Straßensperrungen schlecht zu erreichen wären. Dadurch sollen die Fahrzeuge bei einem Brand schneller zum Einsatzort fahren können.

Im Training wird die Übergabe der Sauerstoffflasche geübt

Die meisten im Laufteam haben schon Halbmarathon-Erfahrung – sie sind in Bonn schon in den vergangenen Jahren an den Start gegangen. Für Thilo Wüstenberg und Matthias Duve von der Freiwilligen Feuerwehr Buschdorf ist es jedoch die erste Teilnahme an dem Lauf᠆event: „Im Endeffekt sind das zwei Hobbys, die man so verbinden kann“, sagt Wüstenberg. „Es ist mal etwas anderes“, sagt auch Andreas Kirpal von der Freiwilligen Feuerwehr Dransdorf.

Nach ein paar Runden tauschen die Läufer die schweren Sauerstoffflaschen auf dem Rücken mit ihren Mitstreitern und üben damit die spätere Übergabe an der Wechselstation. Anders als bei den Schulstaffeln gibt es hier keine Schärpe, die an den Nächsten weitergereicht wird. „Die Sauerstoffflasche ist unser Staffelstab“, erklärt Sedlacek. Das zweite gemeinsame Training nutzen sie auch, um zu testen, welcher Tragegurt für die Sauerstoffflasche beim Laufen am komfortabelsten ist. Während der acht Runden müssen sie die Gurte immer wieder nachziehen, damit die Flasche auf dem Rücken nicht hin- und herpendelt und sie aus dem Laufrhythmus bringt. Am Ende einigen sie sich auf eine Tragevariante.

Schwer atmend, aber sichtlich stolz über die geschaffte Distanz, kommen sie an diesem Abend ins Ziel. Noch eine Einheit mit voller Montur wollen sie bis zum Marathontag absolvieren, die restliche Zeit trainiert jeder für sich – dann aber lieber in normaler Laufbekleidung.

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