FC Blau-Weiß Friesdorf: U14-Team wegen Streit mit Eltern abgemeldet

Jugend-Bezirksliga : Friesdorf meldet nach Streit mit Eltern U14-Team ab

Nach Streitigkeiten mit den Eltern ihrer U14-Junioren hat der FC Blau-Weiß Friesdorf die Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet. Vorausgegangen war die Entlassung des bei Mannschaft und Eltern sehr beliebten Trainerduos.

Als der Schiedsrichter abpfeift, brechen die Spieler der U13-Junioren des FC Blau-Weiß Friesdorf in lauten Jubel aus. Mit einem 2:0-Sieg im Finale gegen die JSG Beuel gewinnt die Mannschaft des Trainerteams Souhail Benhsain/Muzaffer Öztürk im vergangenen Juni den D-Jugend-Pokal. Es ist die Krönung einer sportlich starken Saison, in der die Friesdorfer Nachwuchskicker auch den Aufstieg in die Bezirksliga schaffen. Nach der Partie wird gefeiert, die Stimmung könnte nicht besser sein.

Nicht mal ein halbes Jahr danach ist von dieser Freude und Ausgelassenheit keine Spur mehr. Das Team der Blau-Weißen ist Geschichte, weil vom Spielbetreib in der Bezirksklasse abgemeldet. Statt auf dem Friesdorfer Platz an der Margaretenstraße trainiert die heutige U14 mit Benhsain und Öztürk privat. Mal in der Rheinaue, mal auf einem freien Kunstrasenplatz.

Grund für den Abschied sind tiefgreifende Differenzen zwischen Spielern, Eltern und den Trainern auf der einen und dem Verein auf der anderen Seite. Auslöser ist die vom Club vollzogene Trennung von Benhsain und Öztürk am 10. Oktober, die Spieler und Eltern bis heute nicht nachvollziehen können und deshalb nicht akzeptieren wollen. Die Friesdorfer Jugend-Verantwortlichen, bestehend aus Jugendleiter Thomas Hansen, Geschäftsführer Kay Kirschner und Jugendkassenwart Gunnar Bach, begründen die Entscheidung mit zwei Kritikpunkten: Zum einen habe das Trainerteam die Vorgaben des sportlichen Konzepts wiederholt nicht wie gewünscht umgesetzt, zum anderen habe die bisweilen ruppige Gangart der Mannschaft gepaart mit disziplinlosem Verhalten während der Spiele zu Beschwerden gegnerischer Teams geführt.

Vorfall beim Spiel gegen den FC Hennef

„Wir akzeptieren keine Disziplinlosigkeiten und haben mehrmals mit den Trainern darüber gesprochen“, sagt Jugend-Geschäftsführer Kirschner. Als Beispiel nennt er einen Vorfall aus dem Bezirksliga-Spiel gegen den FC Hennef Ende September. Dort hatte ein Spieler eine obszöne Geste in Richtung einiger Zuschauer gezeigt und den Schiedsrichter beleidigt, wofür er die Rote Karte gesehen und später eine sechswöchige Sperre erhalten hatte.

Dass die Mannschaft aggressiven, körperbetonten Fußball gespielt habe, will Luis Ferreira, der an der Spitze der protestierenden Eltern steht, nicht bestreiten. Ihn stört jedoch eine generelle negative Darstellung des Teams. „Die Jungs waren nie unfair oder unverschämt“, betont Ferreira, der darauf verweist, dass es auch in den Spielberichten keine entsprechenden Einträge durch die Schiedsrichter gebe. Unverständlich ist für ihn und die weiteren Eltern auch, warum der Verein ihnen gegenüber nie ein Fehlverhalten der Jugendlichen angesprochen habe. Kirschner hat dazu eine klare Meinung: „Das ist Sache des Trainers.“

Was die Kritik an der Arbeit von Benhsain und Öztürk betrifft, verweist Ferreira auf einen Bericht auf der Internetseite des Vereins. In diesem stellten die Friesdorfer vor der Saison die Trainerbesetzungen der einzelnen Jugendmannschaften vor und schrieben zur U14: „Nach einer herausragenden Entwicklung und Leistung in der vergangenen Spielzeit begleitet Erfolgstrainer Souhail Benhsain den Jahrgang 2006 von der U13 in die U14 und soll auch in der neuen Spielzeit seine sehr gute Arbeit fortsetzen.“

Handfester Streit beim FC Blau-Weiß Friesdorf

Unmittelbar nach seiner Entlassung informierte Benhsain alle Eltern, die von der Entscheidung überrascht waren. „Wie kann ein Verein zwei solche Trainer entlassen, die alles für die Mannschaft gegeben haben?“, ärgert sich Ferreira. Trotz mehrmaliger Bemühungen gelang es ihm nicht, die Verantwortlichen zu einem persönlichen Gespräch mit den Eltern zu bewegen. „Wir haben klargemacht, dass wir über alles reden können, aber nicht über eine Rückholaktion der Trainer“, erzählt Kirschner. Die machten die Eltern jedoch zur Bedingung für eine weitere Mitgliedschaft ihrer Kinder. Nachdem am 22. Oktober keiner der Spieler zum ersten Training nach der Trennung von den beiden Trainern erschienen war, entschieden sich die Friesdorfer Verantwortlichen dazu, die Mannschaft vom Spielbetrieb abzumelden. „Wenn die Jungs da erschienen wären, hätten wir mit dem Team weitergemacht. Doch so mussten wir die Mannschaft zurückziehen“, sagt Kirschner.

Die anfänglichen Verstimmungen zwischen beiden Seiten haben sich mittlerweile zu einem handfesten Streit entwickelt. Bereits drei Tage vor der Trainerentlassung hatte Ferreira dem Vereinsvorsitzenden Toni Schlotterbeck stellvertretend für die Eltern eine Liste mit Fragen überreicht, die unter anderem die Einnahmen der Mannschaftskasse thematisieren. Nach der Trennung von beiden Übungsleitern beklagte Ferreira in einem Brief an den Verein fehlende Einladungen zu den Mitgliederversammlungen der vergangenen Jahre und forderte eine außerordentliche Versammlung innerhalb der folgenden 14 Tage. Daraufhin erhielt er ein Schreiben des Friesdorfer Rechtsanwalts, in dem wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ empfohlen wurde, getrennte Wege zu gehen.

Der Konflikt hat auf beiden Seiten Spuren hinterlassen. „Es gibt nichts Schlimmeres, als eine Jugendmannschaft abzumelden“, sagt Jugend-Vorstandsmitglied Gunnar Bach, „uns bricht dadurch ein kompletter Jahrgang weg.“ Ferreira, der aktuell mit anderen Vereinen in Gesprächen wegen einer Aufnahme der Jugendlichen samt dem Trainerduo ist, meint: „Die Jungs wissen überhaupt nicht, was sie falsch gemacht haben sollen. Zweieinhalb Jahre gute Arbeit sind mit einem Schlag für die Katz.“ Einig sind sich beide Seiten nur in einem Punkt: Verlierer sind die Spieler.

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