Telekom Baskets im europäischen Halbfinale: Eine historische Chance

Telekom Baskets im europäischen Halbfinale : Eine historische Chance

Nur die Telekom Baskets Bonn und die Riesen Ludwigsburg halten auf europäischer Basketball-Bühne die deutsche Fahne hoch. Die Bonner spielen am Mittwoch in Nanterre.

Für die Telekom Baskets Bonn ist die Welt sportlich aktuell in bester Ordnung. Nach einer Spielzeit voller Tristesse und der Krankmeldung von Cheftrainer Silvano Poropat 72 Stunden vor dem Saisonstart in Berlin liegt der Club stramm auf Playoff-Kurs.

Poropats Nachfolger Predrag Krunic hat mit dem von ihm übernommenen Team dazu manche begeisternde Heimspiel-Gala hingelegt und dabei den FC Bayern München ebenso aus der Halle gefegt wie den Erzrivalen Alba Berlin. Neben medi Bayreuth könnte man Bonn als das andere Überraschungsteam der laufenden BBL-Saison bezeichnen.

Auch im europäischen Wettbewerb Fiba Europe Cup begeisterten die Baskets, jedoch kommen deutsche Clubs hier meist nicht sonderlich weit. Sie sind im Wettstreit mit italienischen, spanischen, griechischen und türkischen Mannschaften wirtschaftlich (und damit auch sportlich) oft ziemlich unterlegen. Nun sind die Telekom Baskets bis ins Halbfinale vorgedrungen, und die vereinseigene Homepage spricht von einer „historischen Chance“.

Damit meint der Club, dass es in vielen Jahrzehnten erst vier Mal deutschen Clubs gelang, diesen Wettbewerb, der im sportlichen Ranking der niedrigste ist, zu gewinnen. Dem entspricht, dass das Team von Meister Bamberg in der Königsklasse wieder einmal die Euroleague-Playoffs nicht geschafft hat. So erging es auch allen anderen BBL-Clubs in verschiedenen europäischen Wettbewerben: FC Bayern, Ulm, Oldenburg, Berlin, Frankfurt – alle ausgeschieden. So gesehen sind die Baskets und Ludwigsburg (Champions League) die „letzten Mohikaner“, die europäisch überlebt haben.

Vor 22 Jahren gewann Alba Berlin den Korac-Cup. 1995 feierten 10.000 Zuschauer in der Deutschlandhalle den Coup über Stefanel Mailand. Es war der erste Triumph eines deutschen Clubs auf europäischer Ebene. Der Korac-Cup hieß später EuroChallenge und ist jetzt der Fiba Europe Cup. Neun Jahre später gelang es Mannschaften, denen man es nicht zugetraut hatte, als Sieger hervorzugehen: Mitteldeutscher BC (2004), BG Göttingen (2010), Skyliners Frankfurt (2016). Die Telekom Baskets sähen sich nur allzu gerne als deren Nachfolger, doch da gibt es ein Problem – ein französisches.

Im vergangenen Sommer eskalierte ein Streit über die Zuständigkeit für die europäischen Wettbewerbe, der noch nicht ausgefochten ist und wohl erst vom Europäischen Gerichtshof entschieden wird. Dort streiten die privatwirtschaftlich organisierte Uleb/Euroleague und die europäische Sektion des Weltverbands Fiba, der die nationalen Verbände dirigiert, um die Hoheit bei der Ausrichtung der europäischen Wettbewerbe. Im Sommer 2016 mischten sich auch die nationalen Verbände ein und befahlen, welche Wettbewerbe die Clubs belegen, oder gaben zumindest Empfehlungen. Der Verband Frankreichs, keine kleine Basketball-Macht, beorderte alle seine Spitzenteams in den Fiba Europe Cup. Mancher Experte sah deshalb ein rein französisches Finale bereits als gesetzt an.

Deshalb ist es keine Überraschung, dass JSF Nanterre, aktuell auf dem dritten Platz der Liga, Bonns Halbfinalgegner an diesem Mittwoch wurde, und Elan Chalon, aktuell Zweiter der französischen Liga, ebenfalls ins Halbfinale eingezogen ist. Nur Belgiens Spitzenclub Telenet Ostende (Halbfinale eins) und die Telekom Baskets (Halbfinale zwei) können den in diesem Wettbewerb dominanten Franzosen, vergleichbar mit München und Bamberg in der BBL, noch die Suppe versalzen.

Tickets für das Rückspiel der Baskets gegen Nanterre am 5. April um 19.30 Uhr im Telekom Dome gibt es bei allen Vorverkaufsstellen des General-Anzeigers.

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