Tour-Kolumne von Christian Knees: Dramatik ist Programm

Tour-Kolumne von Christian Knees : Dramatik ist Programm

Am Samstag beginnt in Brüssel die diesjährige Tour de France. Der Rheinbacher Radprofi Christian Knees gibt in seiner Kolumne einen Ausblick auf den Start und nennt seine Favoriten auf den Gesamtsieg.

Die tolle Stimmung bei der Mannschaftspräsentation hat schon einmal einen kleinen Vorgeschmack geliefert. Ich bin mir sicher, alle Teilnehmer der Tour werden das Bad in der Menge genossen haben. Denn nun steht ein hektischer Tourstart auf ihrem Programm.

Vor dem Start einer Gran Tour reist man schon Mittwochs an, die Tage kommen einem dann unendlich lang vor und man fiebert dem Start entgegen. Selbst wenn die Tage voll gepackt sind mit Meetings, Pressekonferenz und Teampräsentation, kann man den Startschuss kaum erwarten.

Die erste Etappe am Samstag sieht auf den ersten Blick zwar nicht spektakulär aus, wenn man aber die Straßenverhältnisse in Belgien kennt, ist Dramatik programmiert. Es gibt viele Hindernisse auf den Straßen, wie Inseln, Einbuchtungen oder Kreisverkehre, die von den Fahrern höchste Konzentration fordern. Dazu noch das typisch nervöse Fahrerfeld.

Es geht direkt um viel

Da es noch keine Abstände in der Gesamtwertung gibt, kämpft jeder um eine gute Position im Feld. Es gilt, sich an einem vermeintlich sichereren Platz aufzuhalten. Denn es geht bereits um viel. Keiner der Favoriten möchte schon am ersten Tag wichtige Zeit verlieren. Für die Sprinter geht es dagegen um das begehrte Gelbe Trikot. Gerade die Männer mit den schnellen Beinen haben nicht oft die Chance, sich das Jersey des Gesamtführenden überzustreifen. Die Risikobereitschaft im Finale wird dementsprechend extrem hoch sein. Klar ist, am Ende wird es zu einem Sprint kommen.

Schon am Sonntag folgt dann der erste Test für die Gesamtwertung: das Mannschaftszeitfahren. Dort kann man als starkes Team direkt mal etwas Zeit auf die Konkurrenz herausholen. Es ist ein langer Tag, um „nur“ knapp 30 Kilometer Rad zu fahren. Wenn man allerdings nicht der beste Zeitfahrer ist, muss man ständig am Limit fahren. Dann werden die 30 Kilometer zur Hölle.

Für Buchmann ist Top fünf möglich

Durch den schweren Sturz meines Teamkollegen Froome wird einer der Topfahrer und Anwärter auf den Titel fehlen, bei meinen Favoriten bleibe ich trotzdem teamintern: Egan Bernal hat mich bei der Tour de Swiss überzeugt, er könnte den ganz großen Durchbruch schaffen. Und auch Geraint Thomas, der Pech bei der Swiss hatte und stürzte, würde ich nicht außer Acht lassen. Bei der Konkurrenz tippe ich auf Rigoberto Uran, Adam Yates und Richie Porte.

Aus deutscher Sicht denke ich, dass Emanuel Buchmann eine starke Top-10-Platzierung schaffen kann – und wenn alles optimal läuft, sogar Top Fünf – aber ich würde ihn nicht als Anwärter auf den Sieg nennen.

Bereits bei der zweiten Etappe sind die ersten wichtigen Abstände in der Gesamtwertung zu erwarten. Sicherlich noch keine riesen Abstände, aber Sekunden, die später die Entscheidung bringen können.

Der Rheinbacher Radprofi Christian Knees kommentiert in seinen GA-Kolumnen das aktuelle Geschehen bei der Tour de France. Dabei gibt der 38-Jährige vom Team Ineos Einschätzungen zum Abschneiden der Top-Favoriten sowie der deutschen Fahrer ab und beschreibt, worauf es bei den Etappen ankommt.

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