Rollstuhlbasketball beim ASV Köln: Die Unbeugsamen

Rollstuhlbasketball beim ASV Köln : Die Unbeugsamen

Die Rollstuhlbasketballer des ASV Bonn wollen nach ihrer Rückkehr in der Bundesliga bestehen. Die Chancen für das junge und ambitionierte Team stehen nicht schlecht.

Ob sie dort in Tannenbusch die Hefte mit dem kleinen Helden Asterix und seinem großen, vollschlanken Freund (Obelix schätzt es gar nicht, wenn man ihn als dick bezeichnet) gerade verschlingen, ist nicht bekannt. Dass aber durchaus Parallelen bestehen zwischen den unbeugsamen Bewohnern des gallischen Dorfes, gelegen in Aremorica und umzäunt von wuchtigen Holzpalisaden, und den Bonner Rollstuhlbasketballern, steht fest. Diesen Eindruck zumindest vermittelt die Selbsteinschätzung der Verantwortlichen des ASV.

Nun ist es natürlich nicht so, dass Hinkelsteine, geschweige denn stinkende Fische durch die Halle am Schulzentrum in Tannenbusch fliegen. Aber, das betont Trainer Jörg Hilger, „wir fahren in der kommenden Spielzeit in jedem Spiel als Außenseiter aufs Feld“. Das tun sie ab diesem Samstag in der 1. Bundesliga – nach fünf Jahren Abstinenz vom Oberhaus. Da ist das Zurückziehen in die Außenseiterrolle nachvollziehbar. Zumal bislang noch kein zaubertrankbrauender Druide dort, rund um die Heimspielstätte, gesichtet wurde – und „wir den kleinsten Etat der Liga haben“, wie Vorstandsmitglied Helmut Beines berichtet.

Die Bonner, neben den Rhine River Rhinos aus Wiesbaden der zweite Aufsteiger in den elitären Zirkel der Rollstuhlbasketballer, haben ihr Saisonziel klar definiert: den Klassenerhalt. Einen ersten Schritt haben sie dabei schon gemacht, da die Rolling Devils Kaiserslautern ihren Rückzug aus der 1. Liga bereits vor dem ersten Hochball bekanntgegeben haben und als Absteiger feststehen.

Den zweiten Schritt wollen die Unbeugsamen um den früheren Nationalspieler und Co-Trainer Thomas Becker in der Saison folgen lassen, die an diesem Samstag um 16 Uhr mit der Partie gegen die BSC Rollers aus Zwickau beginnt. Gegen die scheinbar übermächtigen Widersacher im Oberhaus hält der ASV an der in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Marschroute fest, mit einem jungen, talentierten und ambitionierten Team aufs Parkett zu rollen.

„Wir wissen, dass unser Ziel, den Klassenerhalt zu schaffen, zwar schwer, aber nicht unmöglich ist“, sagt Coach Hilger, neben Becker und Sven Fischer der einzige, der auf Erstligaerfahrung blicken kann. Und dafür werde man in jeder Partie vollen Einsatz zeigen, damit „wir am Ende der Saison die Analysen der vielen Rollstuhlbasketballexperten erfolgreich widerlegen können“. Will heißen: Mit dem ihnen verpassten Stempel als Absteiger wollen sich die Bonner nicht abfinden – auch ganz ohne Zaubertrank.

Im Kampf gegen die Großen erhält der Aufsteiger Unterstützung durch Rückkehrer Oliver Hoffmann, der ebenso wie Marcel Gerber von den Rhine River Rhinos nach Bonn wechselte. Zudem stieß Sören Müller dazu, der mit einer Doppellizenz für den BBC Warendorf in der 2. Liga und für den ASV spielt. Den Verein verlassen haben Maike Norgall, Peter Grabosch (Ziele unbekannt), Holger Wunder hat sich der zweiten Mannschaft des ASV angeschlossen.

Die Verteidigung des eigenen „Dorfes“, sprich: der eigenen Zone, soll künftig die Basis bilden, um auch den stärksten Gegnern Widerstand leisten zu können. Mit zwei Centern in der Formation will Hilger gehörigen Druck auf den Gegner aufbauen und ihn unter dem Korb nicht zur Entfaltung kommen lassen. Dabei hat der Trainer reichlich Auswahl: Hannfrieder Briel, Becker, Müller und Hoffmann stehen für diese wichtigen Position zur Verfügung.

Gerade auf die Erfahrung von Ex-Nationalspieler Becker setzt die junge Mannschaft auch gegen die Gäste aus Zwickau, die ihrerseits auf ein sehr routiniertes Quintett vertrauen. Neben Rotislav Pohlmann, Andy Orthmann und dem Litauer Vytautas Skucas stießen in der Sommerpause der 1,95 Meter große Center Jan Gans sowie der lettische Nationalspieler Karlis Gabranovs zum von Marco Förster trainierten Team aus der Muldestadt. „Die Duelle zwischen Zwickau und Bonn haben in der 1. RBBL eine lange Tradition“, sagt Hilger, „und wir freuen uns, dass diese nunmehr fortgesetzt werden kann.“

Die Geschichte hat gerade erst begonnen. Doch bleibt zu hoffen, dass beim Schlussbankett alle Bonner glücklich die Tassen heben. Auf den Ligaverbleib.

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