Ringen: Die Existenz steht auf dem Spiel

Ringen : Die Existenz steht auf dem Spiel

Resignation beim TKSV Duisdorf: Von der Schließung der Halle an der Schmittstraße sind auch 600 Kinder betroffen

Nach mehr als 100 Jahren sportlicher Tradition steht der Ringersport beim TKSV Duisdorf vor dem Aus. Am 29. Februar wird die viel frequentierte Sporthalle an der Schmittstraße für das Duisdorfer Vereinsleben geschlossen. Danach werden dort 150 Flüchtlinge einquartiert, sodass die Heimstätte den Ringern in den kommenden Jahren wohl nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

Da die Zahl der Asylbewerber nicht zurückgeht – pro Tag kommen weiterhin mehr als 3000 Flüchtlinge nach Deutschland – und auch die Stadt Bonn kaum Wohnraum anbieten kann, dürften bald alle Turnhallen besetzt sein, die auf der Liste der Stadt stehen.

„Da gibt es nichts schönzureden. Die Lage bei uns und auch im Gesamtverein TKSV ist dramatisch“, unterstreicht Dirk Schubert, Abteilungsleiter Ringen. Eigentlich hatte sich der TKSV für die im August beginnende Saison in der Oberliga sportlich Großes vorgenommen und sogar den Aufstieg in die Zweite Bundesliga angepeilt. Aber das ist abgehakt.

Schubert: „Es ist ja nur eine Frage der Zeit, bis auch die Hardtberghalle als mögliches Ausweichquartier geschlossen wird. Dann können wir nicht mehr am Ligabetrieb teilnehmen.“ Derzeit müssten Ringer-Trainer Daniel Persch und Abteilungsleiter Dirk Schubert eigentlich am Kader für die kommende Saison schrauben. Doch nachdem feststeht, dass die Schmitthalle nicht mehr zur Verfügung steht, ist daran kaum noch zu denken. Schubert: „Ich kann unseren Sportlern keine Perspektiven bieten. Und auch der Nachwuchs bleibt auf der Strecke.“

Sollte der TKSV für die Oberliga 2016 melden, müssten die Bonner Ringer diese Saison auch zu Ende bringen. Würde der Verein während der Saison zurückziehen, wäre er Absteiger und müsste zudem ein Strafgeld von 2500 Euro an den Ringerverband bezahlen. Sollte die Hardtberghalle erst 2017 zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert werden, könnte der TKSV zumindest noch eine Saison dort ringen.

Doch Schubert weiß, was mit einem Umzug verbunden wäre: „Wir hätten dort viel weniger Zuschauer, somit viel weniger Einnahmen und könnten unseren vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Die Situation ist katastrophal. Die Konsequenzen sind weitreichend.“ Von der Schließung der Halle Schmittstraße sind laut Schubert im Gesamtverein ab März alleine mehr als 600 Bonner Kinder betroffen, die in Zukunft ohne ihren Sport auskommen müssen. Kapazitäten in anderen Sporthallen gibt es nicht.

Hinzu kommt der Wegfall des Seniorensports. Gerade für viele ältere Menschen sei die Sportgruppe der wichtigste Freizeitkontakt in der Woche. Dirk Schubert: „Eines ist klar – der TKSV ist in seiner Existenz bedroht, und die Entscheidung der Stadt wirkt sich nachhaltig auf das Privatleben vieler Menschen aus.“

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