Berufswunsch Profifußballer: Der ganz große Traum

Berufswunsch Profifußballer : Der ganz große Traum

Mick Gudra aus Hersel kickt für die Schalker U 17 und will es bis in die Bundesliga schaffen.

Früher maß Mick Gudra seinen abgetragenen Fußballschuhen nicht allzu viel Bedeutung bei. Etliche Paare hat er in seiner rund elfjährigen Fußballerlaufbahn schon verschlissen. Doch neuerdings versieht er die aussortierten Stollenschuhe gelegentlich mit seiner Unterschrift – und verschickt sie per Post an einen Fan.

Seit Mick in der U 17 des FC Schalke 04 spielt, erreichen ihn hin und wieder solche Anfragen. Er unterschreibt auf Postern, Autogrammkarten – und manchmal eben auch auf Fußballschuhen. Doch so etwas genießt der 16-jährige, der am 1. Januar 2001 geboren wurde und im Bornheimer Ortsteil Hersel aufwuchs, nur am Rande. Denn er hat ein klares Ziel vor Augen: Er will Fußballprofi werden. „Davon habe ich immer geträumt“, sagt Mick.

Dass er es ernst meinte mit seinem Traum, daran hatten bald auch seine Eltern keinen Zweifel mehr. „Mick brauchte kein Spielzeug. Er hat sich immer nur mit dem Ball beschäftigt“, erinnert sich Mutter Heike (50). Knapp vier Jahre kickte der ehrgeizige Stürmer für seinen Heimatverein TuS Germania Hersel auf dem Tennenplatz am Rhein. Damals schon spielte er aufgrund seiner körperlichen Konstitution und seiner Leistung immer eine Jahrgangsstufe höher. Trainiert wurde er von seinem Vater Frank, der ihn schließlich auch bei seinem Wechsel zum SC Fortuna Köln unterstützte. „Beim Probetraining war ich der einzige von etwa 50 Jungen, der ausgewählt wurde“, erzählt Mick.

Unter Trainer Jari Richardson kickte er neun Monate für die Fortuna, ehe er 2011 an die Jugendfußball-Schule Köln wechselte. Ein Jahr später streckte Fortuna Düsseldorf die Fühler nach dem gerade einmal elfjährigen Nachwuchskicker aus. Dort spielte er in der U 12 und U 13, kam danach aber nicht in die U 14, sondern direkt in die U 15. Im Herbst 2014 klopften dann gleich mehrere Bundesligavereine an die Tür der Familie Gudra. „Wir haben viele Gespräche geführt und uns die Vereine genau angeschaut“, berichtet Mutter Heike. „Letztlich haben wir, vor allem aber Mick, auf unser Herz gehört und uns für den FC Schalke entschieden.“ Der Verein habe das Gefühl vermittelt, dass ihm etwas an dem Jungen liegt. „Man hat uns den Vorschlag gemacht, dass Mick erst einmal nicht im Internat, sondern bei einer Gastfamilie wohnen kann“, erzählt Frank Gudra (53). „Uns war es wichtig, dass er weiterhin in familiären Strukturen lebt und es auch einen Alltag abseits vom Fußball für ihn gibt.“

Mick selbst fühlt sich in der Gastfamilie pudelwohl. Sein Tag beginnt morgens um 7.10 Uhr, wenn er von einem Fahrer abgeholt und zur Gesamtschule Berger Feld, 200 Meter Luftlinie von der Schalker Veltins-Arena entfernt, gebracht wird. Vormittags sind drei Trainingseinheiten pro Woche angesetzt, nachmittags wird unter U 17-Trainer Stephan Schmidt viermal trainiert. Für seine Eltern bedeutete Micks Wechsel zum FC Schalke den Abschied von endloser Fahrerei. Jahrelang bestimmte das Hobby des jüngsten Sohnes das Familienleben. 50.000 Kilometer pro Jahr kamen für Fahrten zum Training und zu Spielen zusammen.

Wenn ihr Sohn am Wochenende im Schalke-Trikot aufläuft, sitzen die Eltern auf der Tribüne. „Das ist ja die einzige Möglichkeit, ihn noch zu sehen“, erklärt Mutter Gudra. Sogar für die Jugend-Nationalmannschaft war Mick Gudra schon im Einsatz. 2016 stand er zweimal gegen die Niederlande auf dem Platz. Dem Druck und der ständigen Beobachtung durch Trainer und Scouts ausgesetzt zu sein, macht dem Schüler nichts aus: „Ich mache einfach mein Ding.“

Wie es weitergehen soll, ist für den Torjäger keine Frage: Die Profilaufbahn hat er weiterhin fest im Blick. Im Sommer wird er seinen Schulabschluss in der Tasche haben. Doch dann müssen er und seine Familie wieder eine wichtige Entscheidung treffen. Ist eine Ausbildung zum Koch, die Mick als Möglichkeit in Betracht zieht, der richtige Weg? Oder soll er lieber all seine Kraft in die Fußballkarriere stecken? Betrachtet man seinen Werdegang, wäre letzteres die logische Konsequenz. Doch auch diese Entscheidung wird Familie Gudra gemeinsam und nach reiflicher Überlegung treffen. „Die einfachste Lösung ist nicht immer die Richtige“, meint Heike Gudra.

Seinen ersten Sponsorvertrag mit Adidas hat Mick jedenfalls schon an Land gezogen. Der Nachschub an Fußballschuhen dürfte somit gesichert sein.

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