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Sportmediziner Wilhelm Bloch im Interview: "Das Problem mit diesem Virus ist, wir kennen es nicht"

Sportmediziner Wilhelm Bloch im Interview : "Das Problem mit diesem Virus ist, wir kennen es nicht"

Der Kölner Professor Wilhelm Bloch spricht im Interview über die Gefahren des Coronavirus für Hobby- und Leistungssportler. Von Sportarten mit viel Körperkontakt rät er aktuell ab.

Das Coronavirus führt weltweit zu großer Verunsicherung. Das gilt auch für den Sport. GA-Redakteur Simon Bartsch sprach mit dem Kölner Sportmediziner Professor Wilhelm Bloch über das richtige Verhalten von Hobby-Sportlern und die Auswirkungen des Virus auf Leistungssportler.

Der Hals kratzt ein wenig, ab und an wird trocken gehustet. Auf der anderen Seite soll das Immunsystem gestärkt werden. Sollte ich bei leichten Symptomen in diesen Zeiten Sport treiben?

Wilhelm Bloch: Grundsätzlich empfehlen wir bei Krankheitssymptomen mit dem Sport auszusetzen. Trockener Husten ist ja eins der Schlüsselsymptome. Da sollte man sich strikt dran halten.

Also besteht eine gesundheitliche Gefahr, wenn ich bei leichten Symptomen Sport treibe?

Bloch: Die Gefahr ist sicherlich überschaubar. Ein leichtes Training auf dem Stepper wird vermutlich nicht schaden. Das Problem mit diesem Virus ist, wir kennen es nicht. Man weiß bislang einfach zu wenig darüber. Deswegen ist es auf jeden Fall ratsam, die Belastung so gut es geht runterzufahren.

Würden Sie denn aktuell von Sportarten mit Körperkontakt abraten? Beispielsweise Judo oder Taekwondo?

Bloch: Bei den Fußballprofis kann man sicherlich darüber diskutieren, ob eine Austragung der Geisterspiele sinnvoll ist. Da geht es ja auch um einen Unterhaltungscharakter für die Fans. Grundsätzlich würde ich aber der Allgemeinheit schon raten, von Kontaktsportarten abzusehen. Die Nähe zum Gegner ist riskant. Wenn man bedenkt, dass das Infektionsrisiko bei einem Abstand von einem Meter rund ein Prozent beträgt, kann man sich ausmalen, dass es bei 30 bis 40 Zentimetern deutlich größer ist.

Leistungssportler sind durchtrainiert, strotzen vor Gesundheit. Sind sie trotzdem gefährdet?

Bloch: Das Virus macht natürlich keinen Unterschied, ob es sich bei dem Mensch um einen Sportler oder nicht handelt. Der Sportler ist in der Öffentlichkeit mitunter ja sogar einem größeren Risiko ausgesetzt. Die Frage ist, wie reagiert das Immunsystem auf das Virus. Und das Immunsystem sollte bei einem Leistungssportler schon besser funktionieren und eine überschießende Reaktion ausbleiben. Das Virus bringt die Menschen nicht um, es ist die Reaktion auf das Virus.

Dennoch spricht man bei Sportlern, die unter einer besonders hohen Belastung stehen, von einem geschwächten Immunsystem. Beispielsweise sind Tour-de-France-Fahrer doch anfälliger für Infekte.

Bloch: Grundsätzlich sind Sportler eigentlich besser aufgestellt. Bei einer dreiwöchigen Radrundfahrt steht der Körper aber ständig unter Stress. Dadurch fährt das Immunsystem runter und der Sportler ist anfällig. Leistungssportler können das aber auch leichter wieder ausgleichen.