Mainzer Bundesligaprofi aus Wehr: "Da ist eine enge Verbindung"

Mainzer Bundesligaprofi aus Wehr : "Da ist eine enge Verbindung"

Der Mainzer Bundesligaprofi Stefan Bell über Förderer Thomas Tuchel, seine Karriere und den Heimatclub FV Wehr.

Der Auftakt in die neue Spielzeit verlief durchwachsen für den Club des ehemaligen Junioren-Nationalspielers, der am vergangenen Sonntag 23 Jahre alt wurde. Das ändert nichts daran, dass Bell seine Zukunft in Mainz sieht. GA-Mitarbeiter Thorsten Keller sprach mit ihm über seinen Förderer Thomas Tuchel, höhere Ziele - und über die Verbundenheit zu seinem Heimatverein.

Herr Bell, Sie haben unter Thomas Tuchel den Bundesliga-Durchbruch geschafft. Hatten Sie das so erwartet?
Stefan Bell: Die letzte Saison ist für mich besser gelaufen, als ich dachte. Ich hatte bescheidene Ziele und wollte mehr Einsätze haben als die acht aus der Saison zuvor. Letztlich waren es 27, damit konnte ich vorher nicht rechnen.

Sie haben vom Verletzungspech von Bo Svensson profitiert.
Bell: Auf der Innenverteidigerposition wird man ähnlich wie im Tor selten eingewechselt. Allenfalls bei Sperren oder Verletzungen gibt es Änderungen, dann muss man Leistung bringen. Ich habe mir keinen Zeitdruck gemacht.

Thomas Tuchel war Ihr großer Förderer bei Mainz 05. Waren Sie überrascht über seinen Rückzieher nach Saisonende?
Bell: Ja, schon. Es war zwar klar, dass er nicht seine gesamte Karriere in Mainz verbringen würde, aber ich hatte gehofft, dass er in Mainz noch weitermacht.

Sie haben im Frühjahr Ihren Vertrag in Mainz um vier Jahre verlängert. Auch in der Erwartung, mit Tuchel weiterzuarbeiten?
Bell: Ich war mir darüber bewusst, dass ich wahrscheinlich nicht die kompletten vier Jahre mit demselben Trainer weiterarbeiten würde. Ich habe gerne unter Thomas Tuchel gespielt, aber meinen Vertrag habe ich mit dem Verein verlängert. Es war eine Entscheidung für Mainz 05.

Vor dem Testländerspiel im Mai gegen Polen hatte Thomas Tuchel Sie der Nationalmannschaft empfohlen. Sie haben in den DFB-Jugendauswahlteams gespielt. Wie stehen Sie zum Thema Nationalmannschaft?
Bell: Das muss man einordnen können. Es handelte sich bei dem Polen-Spiel um einen einzelnen Test, bei dem viele junge Spieler zum Zuge kamen. Klar - ich habe mich gefreut, genannt zu werden und vielleicht hatte Thomas aus Mainzer Sicht auch nicht ganz unrecht. Wir fanden es schade, dass nach dieser tollen letzten Saison kein Spieler unseres Teams dabei war.

Hatten Sie schon einen Kontakt zur sportlichen Leitung der Nationalmannschaft?
Bell: Nein. Da gab es noch keinen Kontakt.

Ist es ein Ziel, für Deutschland aufzulaufen?
Bell: Im Moment nicht. Ich denke, das ist noch zu früh. Ich habe jetzt eine Saison lang regelmäßig in Liga eins gespielt. Da ist es doch sehr vermessen, von der Nationalmannschaft zu träumen. Wenn ich schon 150 Bundesligaspiele hätte, wäre das etwas anderes. Mein Hauptaugenmerk liegt auf dem Verein. Wenn ich in Mainz wieder 25 Spiele mache und eine gute Saison spiele, bin ich zufrieden.

Sie sind Vorstandsmitglied im FV Wehr. Beim Aufräumtag auf dem Fußballplatz hängen Sie sich einen Grasschneider um. Was bedeutet Ihnen Verbundenheit mit dem Heimatclub?
Bell: Nach der Saison ist das für mich auch Abschalten. Meine Eltern und mein Bruder sind im Verein aktiv, und ich habe früher auf dem heimischen Sportplatz gekickt. Da ist schon eine enge Verbindung, auch wenn ich nicht immer bei Vorstandssitzungen dabei sein kann. Ich lerne dabei, wie viel Arbeit dahinter steckt, einen kleinen Verein aufrechtzuerhalten.

Haben Sie noch Kontakt zu den früheren Mitspielern?
Bell: Mit vier oder fünf Jungs aus der aktuellen Mannschaft habe ich noch in der Jugend zusammengespielt. Auch mein Bruder spielt im Team. Ich habe ab und an auf dem Platz vorbeigeschaut und mir ein paar Saisonspiele angesehen. Die meisten engen Freundschaften habe ich aber mittlerweile in Mainz.

Ist es möglich, dass Mainz 05 nochmals so eine starke Saison hinlegt wie zuletzt?
Bell: Wir haben eine gute Saison gespielt, aber auch davon profitiert, dass Vereine wie der VfB Stuttgart, der HSV oder Hoffenheim, die normalerweise mit uns im Mittelfeld der Tabelle stehen, geschwächelt haben. Man sollte nicht erwarten, dass wir in jedem Jahr um die Europa League mitspielen. Wir können über Teamgeist viel erreichen, das ist unser großer Trumpf. Das geht bei dem kleinen Etat, den wir in Mainz haben, nicht anders.