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Coronavirus: So reagieren Bonner Sportler auf das Virus und Turnierabsagen

Auswirkung des Coronavirus : So reagieren Bonner Sportler auf das Coronavirus

Bonner Sportler reagieren noch gelassen auf das Coronavirus und die bisherigen Turnierabsagen. Doch die Sorge wächst.

Seit vergangenem Jahr hat Dimitrios Lautenschläger eine weitere Aufgabe. Der Trainer des TKD Swisttal ist im Namen der Europäischen Taekwando Union unterwegs. Lautenschläger organisiert verschiedene Turniere auf europäischer Ebene. Vor gut zwei Wochen inspizierte er dazu die Gegebenheiten in Mailand. Dort soll Ende April das europäische Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden. Wohlgemerkt soll. Denn Mailand liegt in der vom Coronavirus besonders betroffenen Region Lombardei.

Zahlreiche Veranstaltungen wurden in Italien bereits abgesagt oder verlegt. Darunter Fußballspiele der Serie A, der geplante Fecht-Weltcup wurde nach Deutschland verlegt, das geplante Trainingslager des deutschen Ruder-Achters findet nun in Portugal statt. „Als ich aus Mailand heimgekehrt bin, wurde am Flughafen Fieber bei mir gemessen“, sagt Lautenschläger. „Zu dem Zeitpunkt war mir die Tragweite ehrlich gesagt nicht so bewusst.“ Doch die Situation ist ernst. Der leitende deutsche Olympiaarzt Dr. Bernd Wolfarth stufte in seiner jüngsten Bewertung der Gefahrenlage neben China vor allem die Lage in Südkorea und Italien als „besonders besorgniserregend“ ein.

„Wir sind bei der Organisation von Turnieren im direkten Kontakt zu den jeweiligen Gesundheitsministerien“, sagt Lautenschläger. „Es besteht bei uns kein Grund zur Panik, aber wir denken natürlich schon über einen Plan B nach.“ Auch in seiner Funktion als Trainer ist die Ausbreitung des Virus natürlich ein Thema. „In Italien wurden Fußballspiele abgesagt. Die finden an der freien Luft statt“, sagt Lautenschläger. „Wir sind in einer Halle. Wir kämpfen miteinander, wir schwitzen miteinander. Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter.“

Engen Körperkontakt haben auch die Judoka bei ihren Wettkämpfen. Trotzdem gebe es unter den Athleten „keine allgemeine Panikstimmung“, sagt Judo-U21-Europameister Falk Petersilka vom 1. Godesberger Judo Club.

Absage von Großveranstaltungen - eine komplizierte Gradwanderung

„Es hat nichts damit zu tun, ob eine Sportveranstaltung drinnen oder draußen stattfindet“, erklärt Professor Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn. Andere Faktoren würden eine Infektion eher wahrscheinlich machen, etwa ob sich Zuschauer auf engstem Raum über eine längere Zeit hinweg nebeneinander aufgehalten haben. Denn ähnlich einer Grippe überträgt sich das Coronavirus über die Atemwege. Um eine Pandemie zu verhindern, sei es durchaus sinnvoll, eine Großveranstaltung in dem Gebiet, in dem es bereits zahlreiche Infektionen gibt oder voraussichtlich geben wird, auszusetzen.

„Die Entscheidung, eine Veranstaltung abzusagen, hat immer zwei Seiten. Es geht zum einen darum, die Infektionskette zu durchbrechen, zum anderen hat eine Absage aber auch Auswirkungen auf das soziale Miteinander“, sagt der Mediziner. „Es ist eine komplizierte Gratwanderung, die Situation nicht zu überdramatisieren, sie auf der anderen Seite aber auch nicht zu bagatellisieren.“ Diese beiden Pole müssten Organisatoren bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine Ausrichtung abwägen.

150 Tage bis zum Beginn der Olympischen Spiele in Tokio

Mit den Behörden Japans im engen Kontakt steht das Internationale Olympische Komitee (IOC). 150 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Tokio gerät das Großevent zunehmend in den Fokus. An eine Absage oder Verlegung will das IOC noch nicht denken. Dabei gehört Japan mit bislang 190 offiziellen Fällen zu den besonders betroffenen Regionen. „Ein Ausfall wäre für uns Sportler natürlich ein herber Verlust“, sagt Doppel-Olympiasieger Max Rendschmidt. „Ich hatte ja das Glück, schon einmal an Spielen teilzunehmen. Andere arbeiten einen Zyklus hart und haben nur diese eine Chance.“

Neben der sportlichen Enttäuschung würde eine Absage jedoch auch einen wirtschaftlichen Schaden für die Sportler bedeuten. „Es gibt Sportarten, die sind alle vier Jahre mal im Fokus der Öffentlichkeit“, sagt der Kanute. „Da geht es dann um TV-Rechte, Sponsoren und andere Events, die im Rahmen der Spiele stattfinden. Es wäre für uns ein großer Verlust.“

Die Trainingspläne sind exakt auf die Spiele abgestimmt

In Panik will Rendschmidt aber noch nicht verfallen. Die Vorbereitung laufe erst einmal ganz normal weiter. „Man muss die Entwicklung aber schon im Auge behalten“, sagt er. Auch, weil eine Verlegung Einfluss auf das Trainingsprogramm hätte. Schließlich sind die Trainingspläne auf den Saisonhöhepunkt, also die Olympischen Spiele vom 24. Juli bis zum 9. August ausgerichtet. „Je kurzfristiger eine Absage käme, umso schwerer wäre es, darauf zu reagieren.“ Der Ramersdorfer richtet nun den Fokus auf das anstehende Trainingslager in Spanien.

Seine Mannschaftskollegin Caro Arft reist mit den Frauen in ein Trainingslager ausgerechnet nach Italien. „Ich habe mir da erst einmal gar keine Gedanken drum gemacht“, sagt Arft. „Jetzt habe ich mich aber mit einer anderen Sportlerin unterhalten, deren Eltern schon Flüge und ein Hotel in Tokio für die Zeit während der Spiele gebucht haben.“

Das Hotel habe die Verwandten angeschrieben, ob sie denn kommen würden. „Die Verunsicherung scheint auch in Japan groß zu sein. Man weiß nicht, was dort überhaupt bekannt gegeben wird.“ DOSB-Mediziner Bernd Wolfarth warnt vor Reisen in betroffene Regionen. Es gebe, so Wolfarth, „eine Reihe von Gründen, aktuell Wettkämpfe und Trainingslager in diesen Gebieten auszusetzen. Nicht nur wegen der gesundheitlichen Gefahren, die teilweise noch überschaubar zu sein scheinen, sondern vor allem auch wegen zahlreicher logistischer Probleme und völlig unklarer Rückreiseoptionen beziehungsweise Quarantänerisiken.“

Große Sorgen macht sich die 24-jährige Arft aber nicht. „Nein, was den Virus angeht, bin ich recht entspannt. Unsere Flüge sind auch noch nicht betroffen. Es wäre für uns Sportler aber unbegreiflich, wenn die Spiele aufgrund eines Virus ausfallen würden“, sagt Arft. „Dann würden wir schon doof aus der Tasche gucken.“