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Coronavirus: Bonner Sport fürchtet finanzielle Probleme

Folge des Coronavirus : Bonner Sport fürchtet finanzielle Probleme wegen des Coronavirus

Mangelnde Zuschauereinnahmen durch das grassierende Coronavirus stellen Bonner Sportveranstalter vor große finanzielle Probleme. Der Bonner Marathon im April steht auf der Kippe.

Die Gummisohlen quietschen auf dem Parkett, der Ball titscht auf den Boden, Spieler geben Anweisungen. Eine in der Lautstärke ungewohnte Geräuschkulisse bei den Telekom Baskets – zumindest in einem Pflichtspiel. Nach dem Erlass von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wurde die Champions-League-Begegnung der Baskets gegen AEK Athen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen.

Auch die kommenden Begegnungen werden sich die Bonner Fans vorerst nicht im Telekom Dome ansehen. Für Wolfgang Wiedlich eine bedrohliche Situation: „Bei Geisterspielen ist viel von der Fußball-Bundesliga die Rede, aber kaum vom Spielbetrieb im Handball, Basketball oder Eishockey. Ich behaupte einmal, dass kein Nicht-Fußballclub es wirtschaftlich durchsteht, die restliche Bundesliga-Saison ohne Ticketerlöse zu bestreiten“, so der Baskets-Präsident. „Wir, die Liga, werden das in dieser Woche entscheiden. Aber Geisterspiele, da lege ich mich fest, sind wirtschaftlich im Basketball nicht machbar.“

Auch die Deutsche Eishockey Liga (DEL) und die Handball-Bundesliga (HBL) fürchten schwere wirtschaftliche Konsequenzen für ihre Profi-Vereine. „Es geht nicht um drei oder vier Heimspiele, es geht um existenzielle Fragen. Die Clubs sind aus gutem Grund sehr angespannt“, sagte HBL-Chef Frank Bohmann dem SID.

Angespannt ist die Situation aber nicht nur für die Profivereine der ersten Ligen. Sollte es zu einem kompletten Zuschauerausschluss kommen oder die Saison frühzeitig beendet werden, steht auch der Bonner SC vor einer schweren Aufgabe. „Das wäre für uns ein Schlag ins Kontor“, sagt Dirk Mazurkiewicz, der Vorstandsvorsitzende des Regionalligisten. „Uns würden damit Beträge im fünfstelligen Bereich wegfallen.  Für diese Saison ist alles gerade so geregelt. Aber für die kommende Saison wäre das hart.“ Das fehlende Geld würde bei der Kaderzusammenstellung für die Spielzeit 2021/2022 fehlen. Der BSC verfügt ohnehin nicht über das Budget der Topmannschaften der Liga.

Zurzeit sehen die Vorgaben des Westdeutschen Fußballverbandes keine Spielabsagen vor. Die jeweilige Heimmanschaft soll aber vor den Partien mit dem zuständigen Gesundheitsamt abklären, ob ein Spiel stattfinden kann. Stand jetzt soll die Saison regulär zu Ende gespielt werden. „Das Ausmaß der Pandemie ist ja nicht abzusehen. Man wird gemeinsam nach den besten Lösungen suchen“, sagt Mazurkiewicz. „Es werden aber bestimmt nicht alle Sportligen die Saison zu Ende spielen.“ Ein frühzeitiger Abschluss, wie jetzt eingetreten in der DEL, würde somit auch vorzeitig über Auf- und Abstieg entscheiden. „Nach den jüngsten drei Spielen wären wir natürlich glücklich, wenn wir über dem Strich stünden. Es wäre aber natürlich wünschenswert, wenn wir dokumentieren können, dass wir sportlich so guten Fußball spielen, die Liga zu halten.“ Im Falle eines frühzeitigen Saisonabschlusses und Abstiegs würde Mazurkiewicz aber keine rechtlichen Möglichkeiten in Betracht ziehen. „Eine Klage gegen den Verband wäre geradezu absurd. Und das Virus kann man auch nicht verklagen“, so der Vorstandsvorsitzende.

Auch in der 3. Liga stellt der Erlass Mannschaften vor Probleme. „Geisterspiele würden viele Drittligisten finanziell sehr hart treffen, weil die Einnahmen aus Heimspielen einen größeren Teil des Budgets ausmachen. Bei einem Schnitt von rund 3000 Besuchern träfe uns ein Zuschauerausschluss jedoch nicht so hart wie große Traditionsvereine wie den 1. FC Magdeburg oder den 1. FC Kaiserslautern“, so Axel Freisewinkel, Geschäftsführer von Viktoria Köln. „Existenznöte entstünden bei der Viktoria dadurch nicht. Wie mit unserem nächsten Heimspiel am 18. März gegen den FSV Zwickau verfahren wird, wissen wir noch nicht. Wir warten noch auf ein offizielles Statement des DFB.“

In gut drei Wochen startet auch die Baseball-Bundesliga in die neue Spielzeit. Auch bei den Capitals Bonn sind 1000 Zuschauer keine Seltenheit. „Die Situation wird in den kommenden Wochen sicherlich nicht einfacher“, so Pressesprecherin Angela Beckmann. „Grundsätzlich sind die Ticketeinnahmen bei uns aber kein Problem. Bis auf die Flutlichtspiele ist der Eintritt frei. Das Catering ist für uns allerdings eine wichtige Einnahmequelle. Das wären schon finanzielle  Einbußen.“ Beckmann betont, dass die Sicherheit und Gesundheit der Menschen aber ohnehin vorgehe.

Das sieht Wolfgang Pütz ähnlich. Pütz ist nicht nur als Veranstalter von Bonn steht Kopp Gastgeber im Telekom Dome, der Unternehmer ist auch Sponsor bei den Baskets. Seine Werbung bekommen die Fans im Dome nun nicht mehr zu sehen. „Ich bin bestimmt nicht der Typ, der jetzt ein Sponsoring gefährdet sieht. Man sollte nicht nur von Solidarität reden, sondern sie auch leben“, so Pütz. „In diesen Situationen entscheidet sich, wer ein richtiger Partner ist und wer nicht. Jeder von uns hat Eltern oder Großeltern in dem gefährdeten Alter. Es geht um die Gesundheit.“ Aber Pütz sagt auch, dass man sich mit dem Partner hätte zusammensetzen müssen, wenn es zu einer ähnlichen Situation zu Beginn der Saison gekommen wäre. „In einer Partnerschaft findet man in so einer Situation Lösungen. Man muss so ein Thema seriös angehen“, so Pütz. „Als Veranstalter kann ich das sehr gut nachvollziehen. Wir leben in unseren Centren von Firmenevents und Kindergeburtstagen. Aktuell stornieren die Firmen und die Eltern der Kinder aus Sorge.“

Mit rund 14 000 Teilnehmern und mehr als 200 000 Zuschauern ist der Deutsche Post Marathon die größte Sportveranstaltung in Bonn. Auch für die 20. Ausgabe des Bonn Marathon am 26. April werden ähnlich viele Läufer und Zuschauer erwartet. Welche Auswirkungen das Coronavirus und der Erlass der Landesregierung auf den Laufwettkampf hat, wollen die Veranstalter nun in Ruhe besprechen und eventuelle Optionen abwägen. „Wir stehen in engem Kontakt  mit den Behörden und der Stadt Bonn“, erklärt Kai Meesters vom Veranstalter MMP Event. „Wir müssen das erst einmal im Team bewerten und zu gegebener Zeit entscheiden.“

Denkbare Szenarien reichen von einer Absage der Veranstaltung über eine Verschiebung des Termins bis hin zu einem Ausschluss der Zuschauer. Bis zum Bonn Marathon bleiben den Organisatoren noch sieben Wochen – dementsprechend schwer sei es derzeit, die genaue Lage im April abzuschätzen. „Die Situation ändert sich ständig“, sagt Meesters. Dennoch betont er: „Die Gesundheit geht vor.“ Bislang haben sich knapp 11 000 Teilnehmer für Halbmarathon, Marathon und die Staffeln angemeldet. Eine Absage hat es bisher in der Geschichte des Bonn Marathons nicht gegeben, lediglich in einem Jahr hatten die Veranstalter aufgrund von extremen Hochwasser über einen Ausfall nachgedacht – das Laufevent fand schließlich doch statt.

Ein frühzeitiges Ende der Basketball-Saison hält Wolfgang Wiedlich indes nicht für unrealistisch. „Ich bin kein Hellseher, aber die epidemiologischen Hochrechnungen spenden wenig Hoffnung, dass es anders kommt. Die Eishockey-Liga hat das Saisonende ja schon verkündet“, so  der Baskets-Präsident. „Die Absage von Großveranstaltungen in Kultur und Sport ist nur eine Stellschraube, um die Epidemie zu verlangsamen. Beendet wird sie dadurch nicht.“