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Bonner Taekwondo-Clubs kooperieren für Olympia 2024

Vorbereitung auf Olympia 2024 : Bonner Taekwondo-Clubs kooperieren für Olympia 2024

Die Taekwondo-Clubs TKD Swisttal und OTC Bonn gehen für ihr großes Ziel eine Kooperation ein – um 2024 einen Athleten aus der Region zu den Olympischen Spielen 2024 zu schicken.

Stahlgerüste verzieren den kleinen Backsteinbau neben dem Sportplatz Pennenfeld. Der Rasen ist von einer dünnen Frostschicht überzogen. In dem kleinen Gebäude ist es dagegen warm. Aziz Acharki und Dimitrios Lautenschläger sitzen an einer großen Tafel. Die beiden Taekwondo-Trainer kennen sich seit Jahrzehnten. Anfang der 1980er Jahre trainierten beide beim Godesberger Judoclub unter Thomas Fabula. „Irgendwann sind wir dann beide unsere eigenen Wege gegangen“, sagt Acharki. Der Weltmeister von 1995 und Olympiateilnehmer von Sidney 2000 gründete im selben Jahr den OTC Bonn. In Swisttal wurde schon 1997 Taekwondo gekämpft – damals noch beim SV. Seit 2000 ist der TKD ein eigenständiger Verein.

Beide Clubs, beide Trainer haben seitdem zahlreiche Leistungsathleten geformt. „Natürlich gab es da auch ein wenig Konkurrenzdenken zwischen uns. Das ist ja normal“, sagt Lautenschläger lächelnd. „Aber man wird erstens älter und zweitens wurde viel in Dinge hereininterpretiert.“ Bei zwei Top-Adressen im Taekwondo auf relativ engem Raum, kein Wunder. Sportler wechselten den Verein, es gab unterschiedliche Auffassungen bei Verbandsangelegenheiten, auch unzufriedene Sportler. Und dennoch haben sich die Wege der beiden Coaches immer wieder gekreuzt. „Wir haben uns schon ein wenig aus den Augen verloren, obwohl wir immer auf Verbandsebene zusammen gearbeitet haben“, sagt Acharki.

Jetzt werden die Verantwortlichen des OTC und des TKD eine gemeinsame Richtung einschlagen, eine mit einem ambitionierten Ziel. „Wir wollen 2024 einen Olympia-Teilnehmer aus Bonn/Rhein-Sieg stellen“, sagt Acharki. „Wir müssen die Region stärken.“ Dazu wollen die beiden Vereine noch enger kooperieren. Nach Acharkis abgelaufenem Vertrag als Trainer Saudi Arabiens haben sich die beiden Coaches zusammengesetzt. „Wir haben ausgelotet, was wir miteinander verbinden können“, sagt Lautenschläger. „Es gibt so viele Turniere und Wettkämpfe – das kannst du alleine nicht mehr schaffen.“ Konsequenz: Die Vereine teilen sich nun die Wettkämpfe. Acharki nimmt TKD-Athleten mit zu Turnieren, Lautenschläger unterstützt die OTC-Kämpfer in anderen Teilen der Welt.

Das erste Gespräch fand in Lautenschlägers Garten statt. Eigentlich wollte Acharki bei seinem Wegbegleiter Kampfwesten abholen, aus einer anschließenden Kaffeeeinladung folgte die wegweisende Idee. „Es wird immer von der Region Bonn/Rhein-Sieg gesprochen, da hab ich Dimi gesagt, warum nicht auch bei uns“, sagt Acharki. „Und jetzt sitzen wir zusammen und freuen uns über den ersten gemeinsamen Erfolg bei den Deutschen Meisterschaften.“ In Lünen gewannen die Athleten bei den nationalen Titelkämpfen insgesamt sieben Medaillen. Darunter zwei Meistertitel. „Man spürt zwischen den Sportlern, aber auch den Eltern eine ganz andere Atmosphäre. Die Erfolge in Lünen zeigen, in welche Richtung es geht“, so Acharki weiter.

Ein Grundstein der Kooperation dürfte auch der Verbandswechsel von Acharki gewesen sein. Lange gehörte der OTC der Nordrhein-Westfälischen Taekwondo Union (NWTU) an, Lautenschläger hatte nach verbandsinternen Querelen mit dem TKD sowie 13 weiteren Vereinen aus NRW einen neuen Verband, die TU-NRW, gegründet. Ende letzten Jahres wechselte auch der OTC in die TU-NRW. „Für mich geht es um die Sportler“, so Acharki, der sich lange neutral gegenüber den beiden Parteien gezeigt hatte. „In den vergangenen vier Jahren gab es hier keinen einzigen Besuch am Landesstützpunkt von den Vorstandsmitgliedern. Wir haben jahrelang abgewartet, irgendwann ist das Fass übergelaufen.“

Acharki vermisste jegliche Unterstützung – für Sportler und den Stützpunkt. Der Trainer bat um eine Stellungnahme. Der Verband wollte dagegen eine Verlegung des Stützpunktes nach Herne, obwohl der Vertrag mit dem Landessportbund noch läuft. „Ich hatte den Eindruck, es ging denen gar nicht um den Sport, sondern nur um Politik“, sagt Acharki. „Wir haben mit Null Cent Förderung, ohne Stelle von 2017 bis 2019 insgesamt 13 Welt- oder Europameisterschaftsmedaillen geholt. Und die NWTU mit zig hauptamtlichen Trainern, mit Sportdirektoren, mit finanzieller Förderung keine“, ergänzt Lautenschläger. „Das Ziel eines Landesverbandes ist die Ausbildung der Kadetten. Wenn man dann sieht, dass der TKD ohne jegliche Mittel die Vereinswertung bei der deutschen Meisterschaft gewinnt, heißt das, da wächst etwas heran.“

Spätestens 2024 soll die gemeinsame Arbeit Früchte tragen, bei den Olympischen Spielen in Paris. Dazu haben die Verantwortlichen auch die Sportschule Hennef angeschrieben. „Da gibt es eine komplett eingerichtete Halle, mit Übernachtungsmöglichkeiten“, sagt Lautenschläger. „Da hätten wir viel größere Möglichkeiten.“ Stand jetzt warten die Vereine auf eine Antwort aus Hennef, erste positive Zeichen hat es bereits gegeben. „Das wäre dann als Zusatz zu unserem normalen Training.“

Die Trainingsplanung gehen die Vereinsvertreter teilweise gemeinsam an. Die Sportler werden gegenseitig betreut. Profitieren wollen die Vereine auch von den jeweiligen Funktionen der Trainer. Acharki beispielsweise ist inzwischen dänischer Nationaltrainer. „Er ist da an der Leistungsspitze dran. Da können wir bestimmt auch etwas lernen“, so Lautenschläger, der wiederum für die Durchführung zahlreicher europäischer Turniere verantwortlich ist. „Mein Ziel ist es sicherlich, wieder ein großes Turnier nach Bonn zu holen. Wenn ich mitbekomme, dass ein Ausrichter gesucht wird, können wir vielleicht gemeinsam einspringen.“

Das Hauptaugenmerk liegt aber in der Stärkung des Taekwondo in der Region Bonn/Rhein-Sieg. Den Grundstein für das Unterfangen 2024 haben die beiden Taekwondo-Trainer nun gelegt.