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Bonn: Wie Sportvereine in der Region die Corona-Vorgaben umsetzen

Vereine in Bonn und der Region : Wie Sportvereine in der Region die Corona-Vorgaben umsetzen

Nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen können Vereine wieder das Training aufnahmen. Wie werden diese in den verschiedenen Sportarten das umgesetzt? Ein Überblick über Sportvereine in Bonn und der Region.

So ein Pech: Pfeile sind ausverkauft. Nein, nicht Pfeile für die Bogenschützen, einfach nur Pfeile. Aufklebbare Pfeile aus dem Baumarkt, um zu demonstrieren, wer sich beim Training wo aufhalten darf, welche Abstände einzuhalten sind und wo sich die – in Corona-Zeiten – strikt getrennten Ein- und Ausgänge befinden.

FUßBALL

Frank Schmitz, der Trainer des Bezirksligisten VfR Hangelar, befindet sich nun schon seit längerer Zeit in diversen Fachgeschäften auf der Suche nach irgendwelchen Hinweistafeln und nach verschiedenfarbigem Klebeband – zur Absperrung und zur Markierung. „Grün, rot und blau“, so Schmitz, sollten die Bänder und/oder Richtungspfeile sein, um ein „Go“ oder „Stop“ zu kennzeichnen und um vor Toiletten oder Handwaschbecken die nötige Distanz aufzuzeigen. Apropos Händewaschen: Desinfektionsmittel sind natürlich reichlich vorhanden.

„Nachdem die Sportplätze jetzt wieder geöffnet sind, wenn auch unter erhöhten Sicherheitsbestimmungen, fühle ich mich geradezu verpflichtet, mit meiner Mannschaft wieder irgendetwas zu machen. Die Jungs freuen sich doch, wenn sie sich endlich mal wieder beim Training treffen“, sagt der VfR-Übungsleiter.

Doch mit dem Treffen ist das so eine Sache: Zwar haben sich für die Übungseinheit am Abend mit einer Ausnahme – der Spieler arbeitet in einem Seniorenheim und will verständlicherweise überhaupt kein Risiko eingehen – alle Kicker angesagt, doch die Begrüßung und die Begegnung auf dem Platz fallen angesichts eines ausgeklügelten und derzeit notwendigen Hygienekonzepts eher reserviert aus. „Wir werden in kleinen Gruppen diverse Passübungen trainieren und ein bisschen Schusstraining absolvieren“, kündigt Schmitz an, „damit sich die Spieler nicht zu sehr auf die Pelle rücken“. Ohnehin hat die Stadt Sankt Augustin verfügt, dass sich in einer Spielfeldhälfte höchstens zwölf Personen gleichzeitig aufhalten dürfen. Umkleidekabinen und Duschen bleiben geschlossen.

Auch dafür, dass jeder nur seinen eigenen Ball anfasst, ist Sorge getragen: „Die Bälle sind nummeriert, und der Torwart trägt ja Handschuhe.“ Außerdem, erklärt der Hangelarer Coach, „werden die Bälle nach jedem Training sorgsam desinfiziert“.

Doch noch sind die Vorbereitungen nicht abgeschlossen, auch der zweite Laden kann nicht mit Klebeband dienen. Offenbar sind Schmitz’ Kollegen aus diversen anderen Clubs ebenfalls auf Einkaufstour. Im dritten Geschäft wird der Coach endlich fündig: „Jetzt haben wir wenigstens Bänder in Rot-Weiß und Gelb-Schwarz gefunden“, atmet er auf. „Das ist schon mal ein Anfang.“

Während in Hangelar die Jugendmannschaften noch pausieren, ist beim FC Hennef 05 der Nachwuchs bereits im Einsatz. Dabei stellt sich ein weiteres Problem: Gerade die Kicker der jüngeren Jahrgangsstufen werden häufig von ihren Eltern zum Stadion gebracht. Doch Jugendleiter Mike Pütz hat Vorsorge getroffen und ein Konzept entwickelt: „Bei den Jahrgängen ab der U12 dürfen die Eltern die Platzanlage nicht betreten. Von der U11 an abwärts darf ein Elternteil mitkommen, muss sich aber weitab vom Geschehen aufhalten“, erläutert er. Damit sich die Kinder und Jugendlichen der einzelnen Teams nicht bei der Ankunft und Heimfahrt begegnen, „haben wir zwischen allen Trainingseinheiten einen 30-minütigen Puffer eingebaut“, so Pütz.

HANDBALL

Unter Vorbehalt beginnen die Bonner Regionalligisten ihre Vorbereitung auf die Saison 2020/2021. Beim TV Rheinbach M 1883 findet erst ab Juni wieder selbstständiges Training in Kleingruppen im Freien mit dem Schwerpunkt Ausdauer und Kraft nach Vorgaben der Trainer Jan Hammann und Dietmar Schwolow statt. Ende Juni will das Trainerduo dann in das handballspezifische Mannschaftstraining einsteigen – möglicherweise ohne die derzeit geltenden strengen Auflagen.

Dagegen beginnt die TSV Bonn rrh. schon Anfang Juni mit dem Mannschaftstraining. Die Übungseinheiten werden von Spielern konzipiert und geleitet, da Neu-Trainer Frank Berblinger seine Tätigkeit offiziell erst am 1. Juli aufnimmt. Laut TSV-Abteilungsleiter Markus Aachenbach ist dann auch schon spezifisches Hallentraining möglich, da die Sporthalle an der Ringstraße zur Verfügung steht.

TURNEN; AEROBIC; BADMINTON

Auch der Nachbar, der Turnverein (TV) Hangelar, steht mit seinen Angeboten in den Startlöchern zur Wiederaufnahme des Übungsbetriebs. Die auf Hallen angewiesenen Clubs wurden von der Stadt Sankt Augustin aufgefordert, eigene Konzepte zu entwickeln. Dazu gehört auch, Desinfektionsmittel, medizinische Schutzmasken, Papiertücher und Sprühvorrichtungen bereitzustellen. So hat der TV Hangelar für die Ausstattung der Hallen mehr als 600 Euro investiert, um baldmöglichst den Sportbetrieb wieder aufnehmen zu können.

Vorsicht ist alles: Der Vorsitzende des TV Hangelar, Otto Deibler, inmitten einer Flut von Desinfektionsmitteln. Foto: TV Hangelar

TISCHTENNIS

Doppel sind aufgrund der Abstandsregel derzeit ausgeschlossen. Diese Regel bedingt auch die strengen Auflagen, die der Verband festgelegt hat: So dürfen nur bestimmte Personen die Tische aufbauen, die zudem mit Abgrenzungen umrandet sein müssen. Zusätzlich zu maximal zwei Aufsichtspersonen dürfen sich nur die Spieler in der Halle aufhalten, die gerade trainieren; zwischen den Wechseln der Spielerpaare muss genügend Zeit für die Reinigung eingeplant werden. Umkleide- und Waschräume sind gesperrt, in die Halle dürfen die vorangemeldeten Personen nur einzeln eintreten, jeder muss sich in eine Anwesenheitsliste eintragen. Der Seitenwechsel nach dem Satzende entfällt, neben dem eigenen Schläger sind speziell markierte Bälle zu verwenden, die sich deutlich von denen des Trainingspartners unterscheiden – denn jeder soll nur den eigenen Ball anfassen. Wer sich an diese Vorgaben hält, kann wieder trainieren – sofern die Hallen geöffnet sind. Das wird in Bonn frühestens am 25. Mai sein.

Am besten vorbereitet auf diese Rahmenbedingungen ist mittlerweile die Bonner Fortuna. Im Friedrich-Ebert-Gymnasium soll an zwei Abenden pro Woche Training angeboten werden. Dazu wurde vom Vorstand ein Programm ausgearbeitet, mit dessen Hilfe sich die Interessenten über das Internet eine Trainingszeit reservieren können. Per E-Mail gibt es die Rückmeldung. An sechs Tischen werden dann ab circa 19:30 Uhr zweimal je zwölf Aktive eine Stunde lang die Bälle über das Netz schlagen. Nicht ganz so weit mit der Planung ist der ESV BR Bonn. „Wir erarbeiten gerade ein Öffnungskonzept“, sagt Sportwart Ralph Marquis.

Noch abwartender ist Oberliga-Aufsteiger TTG Sankt Augustin. „Die Resonanz bei uns im Verein ist noch merklich gering“, sagt Philippe Hintz. „Training ist bei uns theoretisch möglich, aber ich denke, dass meine Mannschaft erst im Juni wieder anfängt.“ Auch die Damen des Regionalligisten TTC GW Fritzdorf werden sich so schnell nicht in der Halle treffen. Das liegt allerdings daran, dass die meisten weit weg wohnen. Am einfachsten hat es Charlotte Schönau, die mit ihrer Schwester Hannah zu Hause an der eigenen Platte trainieren kann.

BASEBALL

Vergleichbar regeln die Bonn Capitals das Training im Stadion an der Rheinaue. Maximal zwei Gruppen à sechs Personen plus Trainer dürfen gleichzeitig aufs Feld. Nach den einzelnen Übungseinheiten werden Schläger und Bälle desinfiziert. Die Übungs- und Spielformen sind streng auf einen Abstand von mindestens zwei Metern ausgelegt. Läufe in Richtung der Bases, auf denen ein Spieler steht, sind deshalb nicht möglich. Die Umkleiden und Duschen bleiben geschlossen.

VOLLEYBALL

Die Zeit der „Videocalls“ für Taktikbesprechungen ist für den Zweitligisten TuS Mondorf vorbei. In den nächsten Tagen wird der Verein erstmals die Möglichkeit nutzen, wenigstens auf dem vereinseigenen Beachvolleyballplatz zu trainieren. „Bisher haben die Spieler vor allem individuelle Fitnesseinheiten absolviert. Auf der Beachvolleyball-Anlage kommt dann endlich auch mal wieder der Ball dazu“, sagt Teammanager Klaus Utke. Ab 30. Mai soll dann unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln auch wieder in der Mondorfer Halle trainiert werden.

 Beachvolleyball heißt auch das Zauberwort für die Drittliga-Volleyballerinnen der SSF Fortuna Bonn. Für Sonntag hat Teammanager Albert Klein eine externe Beachvolley-Anlage gemietet, sodass der Ball wieder ins Spiel kommt – wenngleich nur vier Spielerinnen gleichzeitig auf dem Feld stehen dürfen. „Für die vereinseigenen Anlagen in Bonn und Röttgen wird derzeit ein Konzept erarbeitet, unter welchen Voraussetzungen dort trainiert werden kann“, berichtet Klein.

HOCKEY

Das seit vergangenem Montag umgesetzte Konzept für den Trainingsbetrieb beim Bonner THV umfasst zwei komplette Seiten. Für Jugendspieler vielleicht zu viel Information auf einmal. „Ihnen hilft eine sicherlich erheblich einprägsamere Anweisung“, berichtet Jan Henseler, der neben den ersten Damen des BTHV auch diverse Nachwuchsteams betreut. „Keiner fasst an, was ihm nicht gehört“, lautet die Devise im Wasserland, dessen Kunstrasenplatz in vier Viertel eingeteilt ist. Auf jedem Viertel stehen ein Tor und etliche Hütchen. Vier bis sechs Spielerinnen und Spieler plus ein Betreuer dürfen sich in einem Viertel aufhalten. Trainiert werden Technik und Athletik, also Ballannahme, Ballmitnahme und auch Torschuss. Auf dem Zugang zum Platz weisen Markierungen auf den Mindestabstand hin. Der Aufenthalt vor oder nach dem Training auf dem Clubgelände ist untersagt. Nur Kinder unter zwölf Jahren dürfen von einem Elternteil begleitet werden.

AMERICAN FOOTBALL

Noch gar nicht trainieren konnte die Mannschaft der Troisdorf Jets. „Wir haben gerade unser Hygienekonzept bei der Stadt Troisdorf eingereicht“, sagt Jets-Vorsitzender Andreas Heinen. Losgehen soll es spätestens am 26. Mai – dann allerdings nur mit kontaktfreiem Athletiktraining.