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Andreas Mies will die Nummer eins der Welt werden

Tennis-Profi aus Köln : Andreas Mies will die Nummer eins der Welt werden

Der Kölner Tennis-Doppelspieler Andreas Mies hat sich mit seinem Partner Kevin Krawietz in der Weltspitze etabliert. Jetzt will er das Sensationsjahr 2019 noch toppen.

Der typische Vormittag in einer Tennishalle. Das obligatorische Altherren-Doppel zur rechten und eine Erwachsenen-Trainerstunde zur linken Seite. Auf dem Platz dazwischen jedoch fliegt die gelbe Filzkugel im Höchsttempo über das Netz der Marc-Kevin-Goellner Tennis-Akademie im Kölner Stadtteil Marienburg.

Die Vorbereitungen für die Saison 2020 von Andreas Mies sind im vollen Gange. Der Doppelspieler aus Köln trainiert hart, um in der neuen Saison an sein Sensationsjahr 2019 anzuknüpfen und im besten Fall noch eine Schippe draufzulegen. Vor einem Jahr standen Mies und sein Partner Kevin Krawietz noch jenseits der Top 60 der Doppel Weltrangliste. Doch schon zu diesem Zeitpunkt kündigte Mies an, dass es sein Ziel sei, im Doppel zu den zehn besten Spielern der Welt zu gehören und dass Krawietz und er sich kontinuierlich weiterentwickeln wollten.

So bereitet sich Tennisprofi Andreas Mies auf die neue Saison vor

Dass diese Entwicklung jedoch mit solch einer Rasanz vonstattengehen würde, hat aber wohl auch er nicht geahnt. Im Februar feierten der Kölner und Krawietz ihren ersten Titel auf der ATP-Tour. Vier Monate später die Sensation: Völlig unerwartet gewinnen die beiden die French Open in Paris und spielen sich mit ihrem unbekümmerten und offenen Auftreten in die Herzen der deutschen Tennisfans. Ende 2019  qualifizieren sie sich als eines der besten acht Doppelteams des Jahres für die ATP Finals und vertreten Deutschland beim Finalturnier des Davis Cups.

„Was in dem letzten Jahr alles passiert ist, ist kaum zu beschreiben“, sagt Mies. „Für uns sind so viele Träume wahr geworden. Im Nachhinein hat sich die Saison wie eine Art Rausch angefühlt.“ Ein Rausch, der beflügelte. Er trieb  „Kramies“, wie das Duo gerufen wird, zu Höchstleistungen und zum Ende der Saison in die totale Erschöpfung. „Für Andy war dieses Jahr extrem hart. Sowohl körperlich als auch geistig war er kaputt und brauchte erst einmal eine Auszeit“, sagt sein langjähriger Trainier Dirk Hortian. „So langsam kehrt aber die Lust am Tennis zurück, und er fühlt den Ball von Training zu Training besser.“

Die Akkus sind nach gut drei Wochen Pause und einem Ägypten Urlaub wieder aufgeladen und Mies voller Tatendrang. „Die Auszeit war sehr wichtig für mich“, sagt Mies. „Ich bin gut erholt und verspüre eine riesige Vorfreude auf die neue Saison. Ich kann es kaum erwarten, dass der ganze Wahnsinn wieder von vorn losgeht.“ Doch erst einmal steht Training auf dem Programm. Vorhand, Rückhand, Aufschlag, Return und immer wieder der Übergang ans Netz werden durch verschiedene Spielformen trainiert.

„In der Vorbereitung wollen wir alle für das Spiel wichtige Aspekte bestmöglich abdecken“, sagt Hortian. „Wir versuchen einfach, dass er wieder in den Schlag reinkommt und sich auf dem Platz wohlfühlt. Am Anfang war er schon noch etwas eingerostet, aber mittlerweile läuft es von Tag zu Tag besser.“ Nichtsdestotrotz schüttelt Mies nach einem dritten Vorhandvolley ins Netz ungläubig den Kopf und hadert: „Die spiele ich sonst mit geschlossenen Augen ins Feld.“

Dass nach der Pause noch nicht wieder alles perfekt läuft, verwundert nicht, zumal sich Mies auch an seinen neuen Schläger gewöhnen muss. Das gesamte Jahr 2019 hat er nämlich noch mit einem Modell von der Stange gespielt, das für jedermann im Tennishandel zu erwerben ist.

Erst jetzt werden seine Schläger von einem Spezialisten angepasst und perfekt auf ihn abgestimmt. Marc-Kevin Goellner, selbst jahrelanger Topspieler und Leiter der gleichnamigen Akademie, kann darüber nur den Kopf schütteln: „Spar nicht am falschen Ende! Um den neuen Schläger hätte man sich auch früher kümmern können.“ Doch Mies nimmt es mit Humor: „Ach, der Sprung in die Top 10 und der French-Open-Sieg mit dem alten Schläger sind jetzt auch nicht so schlecht.“

Der Kölner hat auf jeden Fall Freude an seinem Beruf. Das merkt man auf und neben dem Platz und ganz besonders, wenn er an der Seite von Krawietz spielt. „Wir haben schon sehr viel Spaß zusammen. Unsere Lockerheit macht uns auch aus“, sagt Mies. „Selbst in engen Matches schmunzeln wir manchmal, wenn wir mit Glück einen Punkt gewinnen oder uns ein Schlag komplett misslingt.“

Beim Gedanken an die nächste Einheit vergeht dann aber auch Mies das Lachen – Fitnesstraining  steht auf dem Programm. Pendelsprint um Pendelsprint muss Mies auf dem Hockeyfeld des Marienburger SC aneinanderreihen. Dabei geht er  bis an die Belastungsgrenze, immer mit dem nächsten großen Ziel im Hinterkopf. „Wir wollen irgendwann die Nummer eins werden im Doppel“, gibt Mies selbstbewusst die Richtung vor. „Ich kann nicht sagen, wann es passieren wird, aber ich glaube fest daran, dass es passieren wird.“ Ab Freitag dann tritt Mies in Brisbane für Deutschland beim ATP-Cup an und der ganze Wahnsinn geht wieder von vorn los.